Sozialkompetenz

Putins Kritiker leben gefährlich

Wilde Verschwörungstheorien und mehr Fragen als Fakten im Mordfall Nemzow

Kain und AbelVon Stephan Baier

Die Tagespost, 02. März 2015

“Verhaften Sie die üblichen Verdächtigen!“, ruft der korrupte französische Capitaine Louis Renault im Filmklassiker “Casablanca” seinen Polizisten zweimal zu – und in beiden Fällen weiss der Zuschauer, dass diese Verhaftungen nur der Verschleierung der Tat, nicht ihrer Aufklärung dienen. Ähnlich vertrauenserweckend wirkte die Ankündigung des russischen Präsidenten Wladimir Putin, sich persönlich der Aufklärung des Mordfalls Boris Nemzow annehmen zu wollen, denn der einstige Vizeministerpräsident war zuletzt einer der schärfsten Putin-Kritiker in Russland. Dass Putin nicht die ohnedies kaum als unabhängig zu bezeichnende Justiz ermitteln lässt, sondern den aus dem KGB entstandenen, ganz von ihm kontrollierten und von seinen engsten Vertrauen geführten Inlandsgeheimdienst FSB, macht die Aufklärungsbemühungen vollends zur Farce.

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Die neue Gretchenfrage

‘Gewalt ist also genauso wenig eine kleine Schwester der Religion, wie Menschenfreundlichkeit eine des Säkularismus’

Die Tagespost, 23. Februar 2015

Von Stefan Rehder

Dass nach den Anschlägen in Paris und Kopenhagen auch in Deutschland die legitime Frage ventiliert wird, was das Phänomen islamistischer Gewalt mit dem Islam zu tun hat, wundert nicht. Wenn etwas erstaunen darf, dann, dass die Massaker, die der IS, Boko Haram und Al Kaida im Irak, Nigeria und andernorts verüben, hierzulande bislang keine vergleichbare Wirkung erzielen. Entsetzen, Trauer und Solidarität halten sich in so überschaubaren Grenzen, dass es einen selbst bei sommerlichen Temperaturen frösteln müsste. Und das obwohl die Zahl derer, die ihnen im Nahen Osten und in Afrika zum Opfer fallen, die der Anschläge von Paris und Kopenhagen derart um ein Vielfaches übersteigt, dass der Begriff, obwohl zutreffend, nahezu verharmlosend wirkt.

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Religionsfreiheit in Zeiten der Scheintoleranz

Kann die katholische Kirche noch als legitimer Bestandteil unserer Gesellschaft gelten

Religionsfreiheit Quelle

Kann die katholische Kirche noch als legitimer Bestandteil unserer Gesellschaft gelten, wenn sie sich weigert, homosexuelle Verbindungen abzusegnen? Gastkommentar von Giuseppe Gracia

Chur, kath.net/Neue Zürcher Zeitung, 17. Februar 2015

Der Streit um die Segnung homosexueller Paare sorgt für Schlagzeilen. Viele sind bestürzt, dass die katholische Lehre solche Segnungen nicht zulässt, wie es auch ein Dokument der Schweizer Bischofskonferenz festhält. Das empfindet man als menschenverachtend, homophob und fundamentalistisch. Katholische Bischöfe erscheinen als Unmenschen, die man im Namen der Nächstenliebe medial bekämpft, weil sie zur Lehre ihrer Glaubensgemeinschaft stehen.

Das wirft Fragen auf. Kann die katholische Kirche noch als legitimer Bestandteil unserer Gesellschaft gelten, wenn sie sich weigert, homosexuelle Verbindungen abzusegnen? Ist überhaupt die katholische Sexualmoral noch tragbar? Der Katechismus bejaht sexuelle Akte bekanntlich nur innerhalb der monogamen Ehe zwischen Mann und Frau. Auch das orthodoxe Judentum und der Islam lehnen homosexuelle Akte ab. Was soll die freie Gesellschaft davon halten?

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Papst dankt Lampedusa-Retter

Papst Franziskus hat am Dienstagabend Mitglieder der italienischen Küstenwache in seiner Residenz im Vatikan empfangen

Schutzmantelmadonna UkraineQuelle

Sie berichteten ihm aus erster Hand über die schwierigen Rettungseinsätze für Bootsflüchtlinge vor der Insel Lampedusa. Vatikansprecher Federico Lombardi bestätigte, dass der Papst die Delegation der “Guardia Costiera“ zwischen 19.00 und 19.45 Uhr in der vatikanischen Casa Santa Marta getroffen habe. In ihrer Begleitung war auch der italienische Verkehrsminister Maurizio Lupi. Franziskus drückte den Helfern seine Dankbarkeit für ihren Einsatz aus.

Der Papst macht immer wieder auf das Schicksal der Bootsflüchtlinge aufmerksam; seine erste Reise als Oberhaupt der Kirche führte ihn im Sommer 2013 nach Lampedusa. Angesichts der Kämpfe in Libyen hat sich die Zahl der Menschen, die von dort aus per Boot Richtung Europa fliehen, stark erhöht – und damit auch die Zahl der Rettungseinsätze. 

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“Wir brauchen eine Bewegung der Solidarität”

Vereinigung “Pro Petri Sede”

Papst von den Armen lernen

Im Rahmen der Ansprache an die anlässlich einer Pilgerreise in Rom weilende Vereinigung “Pro Petri Sede” lädt der Papst die Christen vor allem im Lichte der nahenden Fastenzeit zur Hingabe an die anderen ein.

Vatikanstadt, 16. Februar 2015, zenit.org, Redaktion

Der Papst sprach der heute Vormittag im Vatikan empfangenen Vereinigung „Pro Petri Sede“ vor allem für ihren Einsatz zugunsten der Armen seinen Dank aus. Den Anlass für die Pilgerreise nach Rom bildete ein Besuch der Apostelgräber. Laut dem Papst werde dadurch der Glaube genährt und die Treue zum Nachfolger Petri zum Ausdruck gebracht.

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Europa ist noch nicht krisenfest

Europa war immer in der Krise

Stephan BaierDie Tagespost, 13. Februar 2015

Von Stephan Baier

Europa war immer in der Krise. Kein anderes Wort und Phänomen begleitet die Geschichte der europäischen Einigung so zuverlässig wie die Krise. Fast jeder EU-Gipfel der vergangenen Jahrzehnte verdiente den Qualitätsstempel “Krisengipfel“, auch der jüngste am Donnerstag in Brüssel. Sich sanft zurückzulehnen und über das Endziel der Einigung nachzusinnen, war stets Sache von Professoren und politischen Beobachtern. Die handelnden Akteure mussten sich immer als Krisenmanager bewähren.

In zwei Aspekten ist jedoch ein Wandel zu bemerken: in den Ursachen der Krisen und im Umgang der EU mit ihnen. Immer häufiger wird Europa von Krisen gepackt und erschüttert, die ihren Ursprung fernab der EU haben, dann aber die Verwundbarkeit und Schwäche Europas offenlegen:

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Zynisches Wegschauen

Jetzt schnellen die Opferzahlen in die Höhe

Guido Horst War Italien am Sonntag entsetzt über 29 erfrorene Mittelmeer-Flüchtlinge, so muss man seit gestern davon ausgehen, dass mehr als 300 Menschen gestorben sind.

Die Tagespost, 11. Februar 2015

Von Guido Horst

Jetzt schnellen die Opferzahlen in die Höhe. War Italien am Sonntag entsetzt über 29 erfrorene Mittelmeer-Flüchtlinge, so muss man seit gestern davon ausgehen, dass mehr als 300 Menschen gestorben sind. Zwei angeschwemmte Schlauchboote, in denen man nur noch neun Überlebende fand. Die übrigen wurden bei Windstärke acht und neun und Meter hohen Wellen ins Meer gespült.

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