Schockiert vom Nichtstun des Westens
Irakischer Patriarch: Schockiert vom Nichtstun des Westens
Der chaldäische Patriarch von Babylon, Louis Raphaël Sako, sieht im Irak einen Bürgerkrieg heraufziehen. Das sagte er am Mittwochnachmittag in einem Interview mit Radio Vatikan. Erzbischof Sako leitet die derzeit am stärksten gefährdete christliche Gemeinschaft des Nahen Ostens; er residiert in Bagdad.
„Das Land erlebt einen chaotischen Moment, es stolpert auf die Teilung zu. Kurdistan ist längst autonom, die sunnitischen Gebiete werden nicht mehr von der Zentralregierung kontrolliert, nur der Süden ist ruhig, weil er im wesentlichen von Schiiten bewohnt wird. Und wir Christen? Wir wissen nicht mehr, wo wir hingehören. Wir haben Angst, und alles ist zerbrechlich geworden, alles wartet auf den grossen Knall. Das Risiko eines Bürgerkriegs ist hoch, vielleicht zwischen Sunniten und Schiiten und anderen, und am Schluss kann dann als einzige Lösung der Zerfall des Landes in drei Kantone stehen.“
Noch nie so viele Märtyrer in der Kirchengeschichte“
Papstpredigt: „Noch nie so viele Märtyrer in der Kirchengeschichte“
Der Papst ist beunruhigt über die enorme Zahl heute verfolgter und getöteter Christen. Heute sei die Gewaltwelle gegen Gläubige noch schlimmer als in der Zeit des Frühchristentums. Das sagte Franziskus an diesem Montag bei seiner Frühmesse im Vatikan anlässlich des kirchlichen Gedenktages für die sogenannten Protomärtyrer, der an diesem Montag begangen wird. Der Papst zog dabei einen Vergleich zur Christenverfolgung unter Nero um das Jahr 64 nach Christus: Der Kaiser hatte viele Christen auf dem Vatikanhügel umbringen lassen. In seiner Predigt ging Franziskus vom Gleichnis Jesu aus, dass das Reich Gottes wie der ausgesäte Samen sei: er falle zu Boden und sterbe, damit daraus dann eine Pflanze wachsen könne.
„Wir wissen, dass es kein Wachstum ohne den Heiligen Geist geben kann: Die Kirche ist nur durch den Heiligen Geist eine Kirche, und nur der Heilige Geist lässt die Kirche wachsen.
Irak: „Die Menschen brauchen Schutz“
Die Kämpfe im Irak dauern an
Der Papst hatte sich am Sonntag beim Angelusgebet für den Frieden in dem Zweistromland ausgesprochen. Vor Ort sieht die Lage dramatisch aus: Die regierungstreue Armee hat laut irakischen Medienangaben die Region um Tikrit nach starkem Beschuss zurückerobert – dabei gab es offenbar viele Tote. Es handelt sich um den Geburtsort des ehemaligen Präsidenten Saddam Hussein. Die Dschihadisten-Gruppe ISIS hat derweil einen „islamischen Gottesstaat“ für jene Regionen im Irak und Syrien ausgerufen, die sie erobert haben. In diesem „Feuer der Gewalt“ lebten die Christen der Region in Angst und Schrecken, berichtet der ehemalige syrisch-katholische Erzbischof von Mossul, George Casmoussa, gegenüber Radio Vatikan.
Christin sucht Zuflucht in US-Botschaft
Sudan: Christin sucht Zuflucht in US-Botschaft
Das Drama um Meriam Jahia Ibrahim Ishag hat eine neue Wendung genommen: Die 27-Jährige und ihre Familie sind in die US-Botschaft in Khartum geflüchtet. Meriam war im Mai zum Tod verurteilt worden, weil sie nach dem islamischen Scharia-Recht durch ihre Heirat mit einem Christen als Abtrünnige vom islamischen Glauben galt.
Am Donnerstag suchten Meriam, ihr Mann Daniel Wani und die beiden Kinder – eines davon erst wenige Wochen alt – Zuflucht in der US-Botschaft der sudanesischen Hauptstadt. Da hatte die Christin einiges hinter sich: Am Montag erst war sie überraschend aus dem Gefängnis in Omdurman freigekommen, weil ein Berufungsgericht das Todesurteil gegen sie kassiert hatte.
Sudan
Sudan: „Verbissenheit im Vorgehen gegen Meriam“
Ungewissheit über die Zukunft der sudanesischen Christin Meriam Yahya Ibrahim: Die 27-jährige Ärztin, die nach einem Todesurteil wegen angeblichen Abfalls vom Islam freigelassen und danach neuerlich festgenommen wurde, könnte einer Haft von fünf Jahren entgegensehen. Der Vorwurf lautet diesmal auf Dokumentenfälschung. Meriam hatte nach ihrer Freilassung mit ihrem Mann und ihren beiden kleinen Kindern versucht, in die USA zu fliegen; der Ehemann hat neben der südsudanesischen Staatsbürgerschaft auch die US-amerikanische. Meriam wurde noch am Flughafen von Khartum festgenommen. Der Sudan-Spezialist und Leiter der Kombonianer-Zeitschrift „Nigrizia“, Pater Efrem Tresoldi, sagte uns:
Neuer Höhepunkt der Christenverfolgung?
China: Neuer Höhepunkt der Christenverfolgung?
Kirche in Not: China
Die chinesischen Behörden lassen offenbar hunderte Kreuze von Kirchen reissen, zerstören Gotteshäuser und schüchtern Christen ein.
Darauf macht die Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV) aufmerksam. Der Menschenrechts-Organisation zufolge hat die Unterdrückung der christlichen Kirchen in China einen neuen Höhepunkt erreicht. Als Grund für die drastischen Zerstörungen nennen die Behörden den Kampf gegen illegal errichtete Bauwerke, heisst es in der Mitteilung der Menschenrechts-Organisation. Die Kirchen hätten aber gar keine Chance, legale Kirchenbauten zu errichten, da sie keine Baugenehmigungen erteilt bekommen. Besonders betroffen seien die Kirchen der Drei-Selbst-Bewegung mit rund15 Millionen Gläubigen.
Sudan: Christin wieder festgenommen
Die Familie wollte demnach in die USA fliegen
Die soeben aus der Todeszelle entlassene Christin Mariam Jahia Ibrahim Ishag ist beim Versuch ihrer Ausreise aus dem Sudan offenbar wieder festgenommen worden. Rund 40 Beamte hätten sie, ihren Ehemann Daniel Wani und ihre beiden kleinen Kinder am Dienstag auf dem Flughafen Khartum am Verlassen des Landes gehindert, berichtete der Sender BBC unter Berufung auf lokale Quellen. Die Familie wollte demnach in die USA fliegen, wo Wani eine zweite Staatsbürgerschaft besitzt.
Erst am Montag hatte ein Berufungsgericht im Sudan das Todesurteil gegen die 27-Jährige aufgehoben.


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