Von Rom nach Köln
Seltene Gnaden
Zu den seltenen Gnaden unserer in historischem Massstab kurz erscheinenden Lebensspanne gehört die Erfahrung, dass jahrzehntelang reproduzierte kollektive Irrtümer und Irrwege plötzlich als solche offenkundig werden, und dass die wenigen, welche den breiten Trampelpfad falscher Klischees und fixer Ideen frühzeitig verliessen oder mutig zu verstellen suchten, endlich eine Art Genugtuung erfahren. Diese ist dann allerdings meist nur innerlich und nicht öffentlich, weil die Verwirrer und Verwirrten der bislang herrschenden Meinung ihre Irrtümer vor anderen und oft auch vor sich selbst mitnichten eingestehen –dafür fehlt es an Demut –, sondern sich wendehälsisch herausreden oder herausschweigen und einfach einstimmen in den neuen common sense. Devise: “Was kümmert mich mein dummes Geschwätz von gestern”. Leicht finden sich Rationalisierungen, welche die alte und die neue Sicht der Dinge aus der”kognitiven Dissonanz” befreien und irgendwie kompatibel erscheinen lassen.
Der antirömische Affekt lebt
Doch dann geschah – für manche – das Unfassbare: Ratzinger wurde Papst
Kathnews, 06.02.2009, von Martin Lohmann
Joseph Ratzinger war in Deutschland nie wirklich beliebt. Jedenfalls nicht in der veröffentlichten Meinung. Irgendwie war man froh, dass er weit weg in Rom gelandet war. Obwohl: Er hatte für viele zu viel Einfluss unter Johannes Paul II. Seine genaue Theologie, seine präzise Intellektualität und seine Fähigkeit, falsche Entwicklungen unabhängig von ihrer süssen Anziehungskraft zu erkennen und zu markieren, störten. Selbst seine letzte Predigt als Kardinal irritierte, als er vor der Diktatur des Relativismus warnte und der Wahrheit, die mittels der Vernunft erkennbar sei, eine neue Chance reklamierte.
Verwirrung und Spaltung
Geistlich moralisch verantwortbar, oder verantwortungslos? Matthäus 23
Volksinitiativen sollen Gleichstellungsprozess in der Kirche vorantreiben
07.06.2011
Basisdemokratische Vorstösse in den römisch-katholischen Kantonalkirchen beider Basel
Volksinitiativen sollen Gleichstellungsprozess in der Kirche vorantreiben
Von Alois Schuler / Kipa
Basel, 7.6.11 (Kipa) Die Behörden der römisch-katholischen Kantonalkirchen in Basel-Stadt und Baselland sollen darauf hinwirken, dass die Kirche die gleichberechtigte Zulassung von Männern und Frauen zum Priesteramt ermöglicht. Dies fordern zwei gleich lautende Volksinitiativen, für die ab Pfingsten Unterschriften gesammelt werden.
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Ein Lebensbekenntnis, das provoziert
Ein Beitrag zur Zölibats-Debatte aus psychologischer Sicht. Von Manfred Lütz
Tagespost, 04.02.2011
Ohne den Glauben an Gott und das Ewige Leben ist die priesterliche Ehelosigkeit nicht zu verstehen – Wo dieser Glaube schwindet, wächst die Kritik. Die Aggression, mit der bisweilen gegen den Zölibat gekämpft wird, lässt tief blicken.
Für unsere Gesellschaft wirkt der Zölibat wie ein “Stachel im Fleisch”, der immer wieder daran erinnert, dass die aufdringlichen Sorgen und Probleme des irdischen Lebens nicht alles sind.
Der Zölibat ist eine Provokation. In einer Welt, die nicht mehr recht an ein Leben nach dem Tod glaubt, ist diese Lebensform der ständige Protest gegen die allgemeine Oberflächlichkeit. Der Zölibat ist die ständige gelebte Botschaft, dass das Diesseits mit seinen Freuden und Leiden nicht alles ist.
Eine kleine Zeitgeistanalyse
Zeitgeist nennt man den Lebensstil, die Mode, die geistige Atmosphäre, die in einer Gesellschaft gerade herrscht
europe4christ net, Karl Josef Wallner
Zeitgeist nennt man den Lebensstil, die Mode, die geistige Atmosphäre, die in einer Gesellschaft gerade herrscht. Definitionsgemäss ist der Zeitgeist absolut wandlungsfähig, er ist ein vergänglicher Hauch, der heute so und morgen so weht. Schon von daher ist klar, dass eine Bewegung wie das Christentum, die auf Fundamente gegründet ist, die nicht wandelbar sind, in Spannung steht zum Zeitgeist. Nicht nur heute, sondern zu allen Zeiten!
Christus hat den Anspruch erhoben, dass Himmel und Erde vergehen, seine Worte aber nicht. Er hat die Verheissung gegeben, dass sein Heiliger Geist in die ganze Wahrheit einführt, und dass dieser Geist weht wo er will. Zeitgeist und Heiliger Geist sind geborene Feinde; besser gesagt: der Zeitgeist braucht immer die Erlösung durch den Heiligen Geist, damit er weiss, dass er nur ein “Lüftchen” ist, das im nächsten Augenblick schon wieder spurlos verweht ist. Wo gibt es derzeit Konfrontationslinien zwischen Zeitgeist und Heiligem Geist?
“Wie ist die Lage der Kirche?”
Apostasie und die Kirche – Von Armin Schwibach/Komma-Magazin
Rom, kath.net/Komma, 27.08.2008
“Wie ist die Lage der Kirche?” Mit dieser Frage wandte sich Papst Paul VI. am 14. Januar 1967 an den Schweizer Kardinal Charles Journet. “Tragisch, Heiligkeit”, antwortete der Theologe, Philosoph und Teilnehmer am II. Vatikanischen Konzil sowie enge Vertraute des Montini-Papstes. Etwas mehr als ein Jahr war nach Abschluss des Konzils vergangen.
Der Papst und der Kardinal standen noch unter dem Schock des 1966 mit kirchlichem Segen publizierten “Holländischen Katechismus”, dem eine Kardinals-Kommission, der auch Charles Journet angehörte, bescheinigt hatte, “im Inneren der Kirche die eine Orthodoxie durch eine andere auszutauschen, an die Stelle der traditionellen Orthodoxie eine moderne Orthodoxie zu setzen”.
Kroatien zweifelt an Europa
Die einstige Europa-Euphorie ist einer tiefen Enttäuschung gewichen
Die Tagespost, 30.05.2011, von Stephan Baier
Der Ausverkauf des Landes, die triste Wirtschaftslage und Haager Ungerechtigkeiten bringen den EU-Beitritt in Verruf
Früher als die Staatenwelt, hat der Heilige Stuhl 1991 die Souveränität und Unabhängigkeit Kroatiens, als es sich aus dem jugoslawischen Völkerkerker befreite, anerkannt. Vehementer als die Staatenlenker hat sich Papst Johannes Paul II. für eine EU-Aufnahme Kroatiens eingesetzt. Auf den ersten Blick könnte man darum meinen, Benedikt XVI. reise am kommenden Wochenende nach Kroatien, um den Erfolg der Politik seines Vorgängers zu feiern. Immerhin steht Kroatien unmittelbar vor dem Abschluss seiner langwierigen, durch Brüsseler Auflagen, britische und niederländische Ungerechtigkeiten, eine einjährige slowenische Blockade und viele Intrigen hinausgezögerten Beitrittsverhandlungen mit der Europäischen Union. Wenn nun alles nach Plan geht, wenn die Ratifizierungsverfahren reibungsfrei über die Bühne gehen, kann Kroatien 2013 der EU angehören.



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