2016 Jubiläum der Barmherzigkeit

Deutungshoheit über den Glauben

Bei der Bischofssynode geht es um mehr als um Ehe und Familie

Quelle

Soll sich das Leben der Gläubigen künftig an der kirchlichen Lehre oder an der gesellschaftlichen Realität ausrichten?

Von Generalvikar Martin Grichting

Chur, kath.net, 26. Mai 2015

Auch in der Schweiz haben sich Katholikinnen und Katholiken für die vatikanische Befragung zu Ehe und Familie interessiert, die im Hinblick auf die Bischofssynode vom kommenden Oktober durchgeführt wird. Ihre Forderungen sind: Kommunion für zivilrechtlich wiederverheiratete Geschiedene und die kirchliche Anerkennung gleichgeschlechtlicher Partnerschaften sowie deren Segnung.

Das ist wenig überraschend. Dafür überrascht die Feststellung der Macher der Meinungsumfrage, dass die Bischofssynode und die Gläubigen weitgehend aneinander vorbei redeten. Denn eigentlich reden die Umfrageteilnehmer nicht an der Bischofssynode vorbei, sondern an Papst Franziskus.

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Es geht ums Ganze

Warum unsere unbarmherzige Welt die Botschaft der Barmherzigkeit braucht

BarmherzigkeitssonntagQuelle: Die Tagespost, 22.05.2015
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Von Stefan Rehder

Genau fünfzig Jahre nach Ende des Zweiten Vatikanischen Konzils wird Papst Franziskus am 8. Dezember, dem Hochfest der ohne Erbsünde empfangenen Jungfrau und Gottesmutter Maria, das „Heilige Jahr der Barmherzigkeit“ eröffnen. Für die – jedenfalls in den westlichen Industrieländern – zunehmend heidnischer werdende Welt, aber auch für nicht wenige getaufte Christen, scheint „Barmherzigkeit“ ein sperriger Begriff geworden zu sein. Einer, der sich längst keiner durchweg positiven Konnotation mehr erfreut. Einer, mit dem kaum jemand – anders als etwa mit dem Begriff der „Gerechtigkeit“ – noch „Stärke“, sondern vielmehr „Schwäche“ assoziiert.

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Grenzenlose Liebe und Barmherzigkeit sind von Gott

Grenzenlose Liebe und Barmherzigkeit sind von Gott – die Gebote aber auch

Impuls zum 6. Ostersonntag im Jahreskreis B — 10. Mai 2015

Münster, 8. Mai 2015, zenit.org, Msgr. Dr. Peter von Steinitz

In medio virtus, bei jeder Tugend gilt es das rechte Mass zu halten, die Extreme zu vermeiden. Beispiel: die Tugend der Tapferkeit, des Mutes. Das Extrem zur einen Seite wäre die Feigheit, das zur anderen Seite die Tollkühnheit, der Leichtsinn. Das Richtige liegt in der Mitte.

Oder die Tugend der Grosszügigkeit – sie könnte auf der einen Seite in Verschwendung ausarten, auf der anderen in Berechnung und Geiz.

Einzig die Tugend der Liebe ist masslos. Niemals kann man sagen: dieser oder jener Mensch liebt, aber er liebt unmässig. Es ist gerade das Privileg der jungen Menschen, dass sie dies sozusagen wie von selbst verstehen. Wenn sie denn wirklich verliebt sind. Kein junger Mann wird zu seiner Angebeteten sagen: Ich liebe dich, will aber zusehen, dass ich nicht übertreibe. Wirkliche Liebe übertreibt immer.

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Fürchterlich konkret

‚Entdecken wir erneut die leiblichen Werke der Barmherzigkeit: Hungrige speisen, Durstigen zu trinken geben, Nackte bekleiden, Fremde aufnehmen, Kranke pflegen, Gefangene besuchen und die Toten begraben‘

Von Guido Horst

Die Tagespost, 06. Mai 2015

Ein Heiliges Jahr der Barmherzigkeit liefe Gefahr, etwas im Unbestimmten zu verbleiben und allenfalls zu wohlklingenden Worten zu verleiten, wenn Barmherzigkeit nicht so fürchterlich konkret wäre: So hat Papst Franziskus in seiner Bulle zur offiziellen Ankündigung des Jubiläumsjahrs angeregt, wie jeder Einzelne das grosse Thema dieser ausserordentlichen Zeit im eigenen Leben mit Fleisch füllen kann:

„Entdecken wir erneut die leiblichen Werke der Barmherzigkeit: Hungrige speisen, Durstigen zu trinken geben, Nackte bekleiden, Fremde aufnehmen, Kranke pflegen, Gefangene besuchen und die Toten begraben.

Und vergessen wir auch nicht die geistigen Werke der Barmherzigkeit: den Zweifelnden recht raten, die Unwissenden lehren, die Sünder zurechtweisen, die Betrübten trösten, Beleidigungen verzeihen, die Lästigen geduldig ertragen und für die Lebenden und Verstorbenen zu Gott beten.“

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Gebet zum Heiligen Jahr

Das Angesicht der Barmherzigkeit: Gebet zum Heiligen Jahr

Quelle

Das Logo des Heiligen Jahres der Barmherzigkeit

Das Heilige Jahr zum Thema Barmherzigkeit hat ein eigenes Gebet. Der Vatikan veröffentlichte den von Papst Franziskus verfassten Gebetstext an diesem Mittwoch auf der Webseite des Heiligen Jahres:

Herr Jesus Christus,
du hast uns gelehrt, barmherzig zu sein wie der himmlische Vater,
und uns gesagt, wer dich sieht, sieht ihn.
Zeig uns dein Angesicht, und wir werden Heil finden.

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Jahr der Barmherzigkeit-Website auf Deutsch online

Papst Franziskus hat ein Heiliges Jahr der Barmherzigkeit ausgerufen

Jahr der BarmherzigkeitQuelle

Das Heilige Jahr der Barmherzigkeit hat nun auch eine Internetseite auf Deutsch: unter www.im.va oder www.iubilaeummisericordiae.va können alle Papstreden zu dem Heiligen Jahr, Videos und zusätzliche Informationen nachgelesen werden. Die Internetseite ist auf sieben Sprachen abrufbar. Über ein Kontaktformular können sich Interessierte zudem mit Fragen an den Päpstlichen Rat zur Förderung der Neuevangelisierung wenden, der das Heilige Jahr organisiert.

Das Festjahr beginnt am 8. Dezember 2015 und endet am 20. November 2016. Im Mittelpunkt soll nach dem Willen des Papstes die Barmherzigkeit stehen.

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Die Kirche als Zeichen der Barmherzigkeit Gottes

Nach der Proklamation der Bulle erklärte Papst Franziskus, warum er das Heilige Jahr will

barmherziger jesusVon Guido Horst

Volksmissionen, Missionare der Barmherzigkeit und vor allem die Beichte wieder entdecken: Papst Franziskus verbindet das „Jahr der Barmherzigkeit“ mit Impulsen zur Neuevangelisierung.

Rom, Die Tagespost, 13. April 2015

Dass der Impuls bis in die Ortskirchen gehen soll, hat Franziskus jetzt in seiner Bulle zur Ankündigung des ausserordentlichen Heiligen Jahrs der Barmherzigkeit auf ganz praktische Weise deutlich gemacht: Vom 8. Dezember 2015 bis zum 20. November 2016 – das ist der zeitliche Rahmen des Jubiläums der Barmherzigkeit – soll in jeder Bischofskirche oder in einer Konkathedrale oder in einer anderen bedeutenden Kirche jedes Bistums der Welt eine Heilige Pforte offenstehen. Nach Dafürhalten des Ortsbischofs kann auch in besonders gut besuchten Wallfahrtskirchen eine solche Pforte geöffnet werden.

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