Heiliger Stuhl: Atomkraft friedlich und KI verantwortungsvoll nutzen


Der Vatikanbeauftragte für die Beziehungen zu Staaten und internationalen Organisationen, Erzbischof Paul Richard Gallagher, hat einen verantwortungsvollen Umgang mit Atomtechnologie gefordert. Es gelte, sich der „damit verbundenen Verpflichtungen und Verantwortlichkeiten“ bewusst zu sein, sagte der Vatikandiplomat diesen Dienstag (15.9.) anlässlich der 70. Generalkonferenz der Internationalen Atomenergie-Organisation (IAEO) in Wien

Quelle
Tschernobyl: 40 Jahre nach dem Super-GAU – Komplette Sendung | ARTE

Eine friedliche Nutzung von Kerntechnik sei möglich, insbesondere „um den steigenden Energiebedarf zu decken“, und sie sei ein bedeutendes Beispiel dafür, wie wissenschaftlicher Fortschritt im Dienste der Menschheit eingesetzt werden könne. Dies sei jedoch nicht immer der Fall, so der Vertreter des Heiligen Stuhls. Es sei daher von entscheidender Bedeutung, daran zu erinnern, dass der verantwortungsvolle Umgang mit solchen Instrumenten mit unabdingbaren Verpflichtungen und Verantwortlichkeiten einhergehe. Es gelte sicherzustellen, dass Atom-Entwicklungsprogramme nicht zur Beschaffung von Atomwaffen führten, Kernkraftwerke in Kriegssituationen geschützt seien und Künstliche Intelligenz nur unter Berücksichtigung der damit verbundenen Risiken und unter Einhaltung solider Sicherheitsstandards eingesetzt werde, so Erzbischof Gallagher in seiner Rede. 

Friede, Gemeinwohl und Gerechtigkeit im Blick haben

Die 70. Generalkonferenz der IAEO wurde am 14. September in Wien eröffnet; sie endet am Freitag, 18. September. Erzbischof Gallagher übermittelte die besten Wünsche für eine erfolgreiche Arbeit im Namen von Papst Leo XIV. und erinnerte an das langjährige Engagement des Heiligen Stuhls, der zu den Gründungsmitgliedern der IAEO gehört, in der Überzeugung, dass eine Technologie mit einem so enormen Potenzial wie die Kernenergie „von soliden ethischen Grundsätzen geleitet, im Dienste des Friedens und der ganzheitlichen menschlichen Entwicklung eingesetzt und vor jeglicher zerstörerischen Nutzung geschützt werden muss“. Auch wenn sich die geopolitischen Gegebenheiten und die Technologie selbst weiterentwickelt hätten, bleibe die Sichtweise des Vatikans unverändert: „Die friedliche Nutzung der Atomenergie muss weiterhin von denselben grundlegenden und beständigen ethischen Prinzipien geleitet werden.“

„Die friedliche Nutzung der Atomenergie muss weiterhin von denselben grundlegenden und beständigen ethischen Prinzipien geleitet werden“

Der Vatikan-Diplomat erklärte: „Strenge IAEO-Sicherungsmaßnahmen sind von entscheidender Bedeutung für die Vertrauensbildung und die Gewährleistung, dass Nuklearprogramme ausschließlich friedlichen Zwecken dienen. Die konsequente und ausgewogene Umsetzung wirksamer Sicherungsmaßnahmen ist unerlässlich für die Aufrechterhaltung von Vertrauen, Transparenz und internationaler Zusammenarbeit im Nuklearbereich.“

Würdigung der Atomenergie-Organisation (IAEO)

Der Erzbischof warb für eine friedliche Nutzung der Kerntechnik und wissenschaftlicher Innovationen im Dienste des Gemeinwohls. Es sei zudem von entscheidender Bedeutung, sicherzustellen, dass es mit Blick auf Vorteile der Nutzung keine Diskriminierung beim Zugang gebe. In diesem Sinne spiele die IAEO durch ihr Programm zur technischen Zusammenarbeit, ihre Initiativen zum Kapazitätsaufbau und ihre Unterstützung nationaler Institutionen „eine einzigartige Rolle bei der Stärkung der Fähigkeit der Staaten, Nukleartechnologien in Bereichen wie der menschlichen Gesundheit, der Nahrungsmittelproduktion und der Energie anzuwenden“. Das Engagement der Organisation allein reiche jedoch nicht aus. Gallagher erinnerte daran, dass „die verantwortungsvolle Ausübung des Rechts auf die friedliche Nutzung der Kerntechnik untrennbar mit den damit einhergehenden Verpflichtungen und Verantwortlichkeiten verbunden ist, insbesondere mit der Verpflichtung der Staaten, die nicht über Kernwaffen verfügen, keine solchen Waffen zu erwerben“.

„Verpflichtung der Staaten, die nicht über Kernwaffen verfügen, keine solchen Waffen zu erwerben“

Erinnerung an Katastrophe von Tschernobyl

Anlässlich des 40. Jahrestags der Katastrophe von Tschernobyl, bei der die Explosion eines Kernreaktors erhebliche kurz- und langfristige Schäden verursachte, betonte der Vatikan- Diplomat, dass „die Vorteile der friedlichen Nutzung der Kerntechnik, insbesondere bei der Deckung des steigenden Energiebedarfs, stets mit Verantwortung, Transparenz und einem entschiedenen Engagement für nukleare Sicherheit und Schutz in Einklang gebracht werden müssen“. In diesem Sinne sei die Gewährleistung „der Sicherheit und des physischen Schutzes von Kernkraftwerken ein dringendes und gemeinsames Anliegen, insbesondere in Situationen bewaffneter Konflikte“.

„Angriffe auf kerntechnische Anlagen dürfen niemals stattfinden“

Auch in diesem Fall sei die Position des Heiligen Stuhls unverändert: „Angriffe auf kerntechnische Anlagen dürfen niemals stattfinden“, da sie radioaktive Freisetzungen mit schwerwiegenden humanitären und ökologischen Folgen sowohl innerhalb als auch über die nationalen Grenzen hinaus verursachen könnten. Die „jüngsten besorgniserregenden Entwicklungen“ auf internationaler Ebene, so Gallagher, zeigten einmal mehr die Notwendigkeit, „verantwortungsvolle und nachhaltige Ansätze in Bezug auf alle nuklearen Aktivitäten zu verfolgen, einschließlich des Uranabbaus und der Entsorgung radioaktiver Abfälle, unter Berücksichtigung des Umweltschutzes, der öffentlichen Gesundheit und des Wohlergehens heutiger und künftiger Generationen“.

KI bewusst und verantwortungsvoll einsetzen

Erzbischof Gallagher ging auch auf den Einsatz Künstlicher Intelligenz im Nuklearbereich ein. Der Heilige Stuhl danke der IAEO für ihre Initiativen in diesem Bereich und rufe zu sorgfältigen ethischen Überlegungen und einer verantwortungsvollen Steuerung auf. Wie Papst Leo XIV. in seiner Enzyklika „Magnifica humanitas“ (Nr. 6) betonte: „Wenn wir uns auf unwesentliche Umstände beschränken, laufen wir Gefahr, dass nicht wir selbst, sondern aufeinanderfolgende Notsituationen die Richtung unseres Weges bestimmen.“ Der Einsatz von KI im Nuklearbereich, so Gallagher, „sollte daher getragen werden von dem Bewusstsein für die damit verbundenen Risiken, einer wirksamen menschlichen Aufsicht, soliden Sicherheits- und Schutzstandards sowie einer verstärkten internationalen Zusammenarbeit, damit diese Technologien tatsächlich den Frieden, die Sicherheit, die menschliche Gesundheit und den Wohlstand heutiger und künftiger Generationen fördern können“.

„Bewusstsein für die damit verbundenen Risiken, wirksame menschliche Aufsicht, solide Sicherheits- und Schutzstandards sowie verstärkte internationale Zusammenarbeit“

vatican news – sst, 15. September 2026

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