Umkehr hin zum Primat Gottes

Kath.net-Reise nach Rom zur letzten Generalaudienz mit Papst Benedikt XVI.

Benedikt XVI. bei der Generalaudienz: Auch in unserem Zeitalter der Finsternis des Sinns für das Heilige gibt es die Umkehr, zu der Gott ruft. Der Tweet des Tages. Von Armin Schwibach. Mit aktuellen Videos

Rom, kath.net/as, 13. Februar 2013

Fastenzeit, der Weg der Umkehr in einer Welt, die dem Glauben entgegensteht: damit beschäftigte sich Papst Benedikt XVI. im zweiten Teil seiner Katechese bei der heutigen Generalaudienz, Minuten grosser emotionaler Dichte, die mit einer “standig ovation” der Gläubigen, “Viva il Papa-” und “Benedetto-” Rufen in der Aula Nervi endeten.

Benedikt XVI. betrachtete das vierzigtägige Fasten Jesu und dessen Versuchungen in der Wüste, die Ort der Entsagung, der Einsamkeit und auch der Versuchung sei. Darin könne ein Zusammenhang mit unserem eigenen Leben gesehen werden: “Jesus nimmt unsere Versuchungen, unsere Armseligkeit auf sich, um das Böse zu besiegen und den Weg auf Gott hin zu öffnen: einen Weg der Umkehr”.

“Wie geht der Teufel bei der Versuchung vor?”, fragte sich der Papst. Zunächst fordere er Jesus auf, er möge befehlen, dass aus Steinen Brot wird. Dann verspreche er Macht auf dieser Erde. Schliesslich schlage er vor, der Herr solle sich von der Zinne des Tempels stürzen und dabei die Leute ins Staunen bringen.

“Was ist der Kern der drei Versuchungen?” so Benedikt XVI. weiter. “Der Kern ist: Gott für die eigenen Interessen, für den eigenen Erfolg zu instrumentalisieren, letztlich sich selbst an die Stelle Gottes zu setzen”. Umkehr bedeute, die rechte Ordnung anzuerkennen, “Gott den richtigen, das heisst den ersten Platz zu geben”. Dann “kehren wir uns zu Gott hin, zu unserem Schöpfer und der Quelle aller Liebe”.

Heute sei es unmöglich, Christ als einfache Folge der Tatsache zu sein, in einer Gesellschaft mit christlichen Wurzeln zu leben. Auch wer in einer christlichen Familie geboren und religiös erzogen worden sei, “muss jeden Tag seine Entscheidung, Christ zu sein, erneuern, Gott den ersten Platz geben, angesichts der Versuchungen, vor die die säkularisierte Kultur ständig stellt, angesichts des kritischen Urteils vieler Zeitgenossen”.

Diese innere Bekehrung, “in der wir wirklich Gott den Vorrang geben, verlangt unsere ganze Entschiedenheit, in unserer Zeit, in der so vieles den Werten des Glaubens entgegensteht”. Erst in dieser Hinwendung zu Gott “wird unser Leben recht und finden wir unseren Frieden”.

Umkehr bedeute, sich nicht in der Suche nach dem eigenen Erfolg, Prestige oder Stellung zu verschliessen. Umkehr bedeute, dass jeden Tag die Wahrheit, der Glaube an Gott und die Liebe das Wichtigste werden. Die Alternative zwischen der Verschlossenheit im Egoismus und der Öffnung für Gott und die anderen entspreche der Alternative bei den Versuchungen Jesu: der Alternative zwischen menschlicher Macht und Kreuzesliebe, zwischen einer im Materiellen gesuchten Erlösung und der Erlösung als Werk Gottes. In diesem Zusammenhang zitierte Benedikt XVI. die grossen Bekehrungen wie jene des Paulus und Augustinus.

Doch auch in unserem Zeitalter “der Finsternis des Sinns für das Heilige” sei die Gnade Gottes am Werk. Der Herr werde es nicht müde, an die Tür des Menschen in kulturellen Kontexten zu klopfen, die von der Säkularisierung verschlungen erscheinen. So erwähnte der Papst den russischen Wissenschaftler Pawel Florenskij, die Holländerin jüdischer Abstammung Etty Himmesun, die in Auschwitz ums Leben gekommen ist, sowie die Amerikanerin Dorothy Day.

“Unser innerer Mensch muss sich darauf vorbereiten, von Gott aufgesucht zu werden”, so Benedikt XVI., “und deshalb darf er sich nicht von den Illusionen, vom Schein, von den materiellen Dingen einnehmen lassen”.

Die Pilger und Besucher aus dem deutschen Sprachraum begrüsste der Heilige Vater mit den folgenden Worten:

Von Herzen grüsse ich alle deutschsprachigen Pilger und Besucher. In der österlichen Busszeit wollen wir den Weg der Erneuerung gehen und die Versuchung überwinden, uns selbst zum Zentrum zu machen. Lassen wir Gott Zeit, geben wir ihm unsere Zeit in täglichen Gebeten, um damit offen zu werden für ihn und für den Nächsten. Die selige Jungfrau Maria begleite uns auf diesem Weg. Danke für eure
Aufmerksamkeit.

Der Tweet des Tages:

In der Fastenzeit, die wir nun beginnen, erneuern wir unseren Vorsatz zur Umkehr und wollen Gott mehr Raum geben.

Quadragesimae hoc quod iam inimus tempore nostrum conversionis officium redintegramus studiumque plus nempe Deo spatii tribuendo.

Original: Vatikan
Bewegend heiter und froh

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