Zeitzeichen

Das Beben beginnt

Aktienmärkte signalisieren Abwärtstrend der Weltwirtschaft

Tagespost, 05.08.2011, von Friedrich Graf von Westphalen

Es ist dramatisch. Es gibt praktisch keine optimistisch klingenden Nachrichten mehr, welche die Finanz- oder auch “nur” die Realwirtschaft betreffen. Das ist nicht die Wiedergabe eines Horrorszenarios, sondern blanke Wirklichkeit, sowohl in den USA als auch im Euroraum, aber auch in Japan und in China, die Schwellenländer eingeschlossen. Die Aktienmärkte reflektieren bereits weltweit den Abwärtstrend, und der Goldpreis rauscht in die Höhe, ohne Unterbrechung, während sich die Schweizer Regierung um einen Stopp der rapiden Aufwertung des Franken bemüht und massiv Franken in den Markt pumpt, um nicht auch aufgrund der immensen Massen an Spekulationsgeldern in den Sog hineingezogen zu werden. Dieser kennt nämlich nur eine Richtung: in die Rezession.

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Zuerst muss das Existenzielle kommen, dann das Institutionelle

Déja-vu der Krise

Die Tagespost, 01.08.2011

Wer die Vorträge vom Kongress “Glaube im Unglauben der Zeit” der Deutschen Bischofskonferenz von 1981 in Augsburg mit den Statements des Dialogprozesses zwischen den Bischöfen und katholischen Laien 2011 gegenliest, bekommt ein Déja-vu-Erlebnis: In dreissig Jahren hat sich nichts geändert. Allein die Fragen damals waren besser gestellt. Etwa die von Alfred Läpple oder Anton Rauscher nach dem richtigen Gottesbild, der Geschöpflichkeit und Erlösungsbedürftigkeit des Menschen. Von Johannes Seibel

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Terrorexperte: “Perfides und makabres Tun”

Radio Vatikan, 25.07.2011

Im Internet ist am Tag nach dem Doppelanschlag ein mehr als 1.500 Seiten langes Manifest des mutmasslichen alleinigen Täters aufgetaucht. Der Titel “2083 –Eine europäische Unabhängigkeitserklärung”. Anders Behring Breivik schreibt, er habe Europa “vor Kulturmarxismus und Islamisierung retten” wollen. Das englischsprachige Dokument wurde teilweise als Tagebuch geführt, beansprucht wissenschaftlichen Charakter und offenbart die Fremdenfeindlichkeit des Autors und die bedingungslose Ablehnung einer multikulturellen Gesellschaft. Die Tat war offensichtlich jahrelang und minutiös geplant. Laut Medienberichten soll das Manifest kurz vor den Anschlägen per Email verschickt worden sein.

Ein christlich motivierter Anschlag? “Diese Vokabel benutzte der Attentäter um sein perfides und brutales makabres Tun zu rechtfertigen.” Das sagte der Terrorexperte Rolf Tophoven im Gespräch mit Radio Vatikan. Der Attentäter habe bewusst die islamistischen Anschläge von Madrid und London studiert und sich Anleihen bei dem rechtsnationalen Anschlag von 1995 in Oklahoma City geholt, so der Leiter des Instituts für Krisenprävention in Essen. Fundamentalisten gebe es in allen grossen Religionen, “neu ist die ungeheure Dimension und die Taktik, die jetzt der Attentäter an den Tag gelegt hat”.

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Nuntius in Norwegen: “Das ist Wahnsinn”

Tiefes Mitgefühl für Norwegen

Vatikan, Radio Vatican, 23.07.011

Schüsse und eine Explosion in Oslo, ungefähr neunzig Tote: Norwegen steht unter Schock. Der Täter soll nach ersten Informationen ein “christlicher Fundamentalist” und Rechtsextremist sein. So reagiert Erzbischof Emil Paul Tscherrig, der Päpstliche Nuntius für die nordischen Länder, der in der Nähe von Stockholm residiert:

“Wir sind alle sehr betroffen über diese zwei furchtbaren Attentate, und dass es vor allem unter jungen Leuten so viele Tote gegeben hat. Wir kondolieren allen betroffenen Familien. Für Norwegen ist das, wie mir viele sagen, das grösste Unglück seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs. Tatsächlich ist es unglaublich: so ein friedliches Land mit einer so demokratischen, freien Gesellschaft… das, was jetzt geschehen ist, bedeutet natürlich einen schweren Schlag für die Bevölkerung.” Weiterlesen

Wer es fassen kann, der fasse es!

Und bete ein Vaterunser für die unerwünschten Embryonen

Das Barbie-Puppen-Syndrom

Die Tagespost, 20.07.2011

Der Bundestag hat die Zulassung der PID erlaubt. Designer-Babys aber wolle niemand, heisst es. In den USA erfüllt die Reproduktionsmedizin Eltern längst derartige Wünsche. Von Stefan Rehder

Kinder als Lifestyleprodukt? Mittels Präimplantationsdiagnostik erfüllen Reproduktionsmediziner in den USA bereits die Wünsche von Eltern, welches Geschlecht das künftige Kind haben soll. Sie sprechen dabei von “social sexing” und “balanced families”. Weiterlesen

Können wir die Katastrophe denken?

Es geht ja auch schon so lange gut

Die Tagespost, 18.07.2011

Die USA stehen vor dem Staatsbankrott, der Euro taumelt, riesige Schuldengebirge türmen sich auf – und dennoch leben die Menschen auch in Deutschland so, als seien Einkommen, sozialer Status, Rente, Lebensversicherung, Urlaub und Konsum ewig garantiert. Es geht ja auch schon so lange gut. Können wir uns überhaupt vorstellen, dass es einmal nicht mehr so ist? Von Johannes Seibel

Die amerikanische Nation steht vor dem Bankrott ihres Staates. Die Überschuldung der europäischen Länder stürzt den Euro in die Krise. Nicht mehr nur notorische Untergangspropheten zeichnen eine ökonomische Weltkatastrophe an die Wand, auch seriöse Ökonomen und Politiker wirken ratlos. Sie versuchen, in gigantischen Computersimulationen und mit Hilfe sogenannter Stresstests, Szenarien durchzuspielen, bis an welche Grenze das globale Finanzsystem belastbar ist, ohne zusammenzukrachen. Anhand dieser Ergebnisse justieren sie ständig neu die Stellschrauben der globalen Ökonomie – immer aber blinkt nach jeder Reparatur grell die Meldung auf: Dringender neuer Reparaturbedarf. Weiterlesen

Neue deutsche Kirche

Der Gehorsam der Jesuiten

The europeean, 19.07.2011, von Alexander Kissler
 
Der Jesuitenorden war einmal die verschworene Truppe des Papstes. Heute begreift er sich als Speerspitze des Kirchenumbaus. Ein Impulspapier spricht Klartext.

Im Theaterstück “Sieben Türen” von Botho Strauss kann sich ein wohnungssuchender Grossstadtbewohner nicht darüber beruhigen, dass es so etwas geben soll, “ein Haus im Haus”. Der damals neue architektonische Schrei war bis zu seinen Ohren nicht vorgedrungen. Immer wieder ruft der Mann ungläubig aus: “Ein Haus im Haus? Ein Haus im Haus?”

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