Bald Einigung zwischen Rom und Peking?

Artikel des Bischofs von Hongkong, Kardinal John Tong, für seine Bistumszeitung ‪”Sunday Examiner”

Quelle – Zenit.org, 10. Februar 2017, Michaela Koller
Fides-Dienst
China Kath./Asien (315)

Es soll einen vorläufigen Konsens zwischen dem Vatikan und der Volksrepublik China geben, hat der Bischof von Hongkong, Kardinal John Tong, in einem Artikel für seine Bistumszeitung ‪„Sunday Examiner“ am Donnerstag geschrieben. Dieser könnte zu einer Übereinkunft über die Ernennung von Bischöfen führen, der heikelsten Frage der beiderseitigen Beziehungen. Die Spaltung zwischen der offiziellen und der nicht registrierten Kirche könnte so überwunden werden.

Der Kardinal erwartet, dass künftig der örtlichen Bischofskonferenz eine beratende Rolle im Vorfeld der Berufung von Bischöfen zugebilligt werden könnte. Der Papst behalte schliesslich das letzte Wort über die Eignung eines Kandidaten. China würde sein Vetorecht anerkennen. Sieben der rund 100 Bischöfe Chinas sind exkommuniziert, überwiegend, weil sie nicht vom Papst in ihr Hirtenamt berufen waren.

Der Hongkonger Oberhirte nannte weitere Probleme, die es zu lösen gelte: Die Zukunft der Chinesischen Katholischen Patriotischen Vereinigung, die Frage der Legitimität von sieben Bischöfen, die die Regierung anerkannt habe, jedoch Rom nicht, und umgekehrt die Zukunft von mehr als 30 Oberhirten der sogenannten Untergrundkirche.

Was die Patriotische Vereinigung angeht, so räumte der Kardinal, der ansonsten eine optimistische und pragmatische Haltung einnimmt, ein, dass sie so unbeweglich wie ein Berg zwischen Rom und Peking stehe. Als „unvereinbar mit der katholischen Lehre“ hatte sie der vormalige Papst in seinem Brief an die Katholiken in China bezeichnet. Trotzdem vertraut Tong darauf, dass sich dieses Organ im Zuge des Dialogs wandeln wird.

Inzwischen haben sich alle sieben exkommunizierten Bischöfe in Schreiben an Papst Franziskus gewandt und um Vergebung gebeten, schreibt der Kardinal. „Sehr wahrscheinlich wird das mit einem Verzeihen ausgehen“, schätzt Tong. Er glaubt andererseits, dass es noch eines längeren Wegs der Vertrauensbildung bedarf, damit die Regierung die Untergrundbischöfe anerkennt. Der Kardinal sieht klar, dass sein pragmatischer Optimismus nicht von allen Akteuren geteilt wird.

Den Kritikern hält er entgegen, dass die Kirche zeitnah ein gewisses Mass an Freiheit geniessen könne, wenn es sich dabei auch um keine umfassende Religionsfreiheit handele. Chinas Katholiken könnten nun auch warten, bis sie zu dieser durchdringen. „Aber niemand weiss, wann dies geschehen wird.“

„Das sittliche Prinzip der Kirche lehrt uns, das Kleinere von zwei Übeln zu wählen. Daher, unter der Prämisse eines gesunden Realismus, den uns Papst Franziskus lehrt, ist es klar, welchen Weg die Kirche in China einschlagen sollte“, schrieb er schliesslich.

 

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