Leo XIV. besucht Apostolische Bibliothek


Ihre Wurzeln reichen ins vierte Jahrhundert nach Christus zurück, in ihrer heutigen Form besteht sie seit 1475: die Apostolische Bibliothek des Vatikan. An diesem Montag – übrigens seinem 71. Geburtstag – hat Papst Leo sie besucht

Ausstellungszyklus „Katastrophe und Wunder“.pdf

Chirograph des Heiligen Vaters zu den neuen Räumlichkeiten, die für das Vatikanische Apostolische Archiv und die Vatikanische Apostolische Bibliothek vorgesehen sind – Aktivitäten-Kalender | Vatican.va
Papst Leo XIV. wird 71 und gewährt Kardinälen eine stattliche Gehaltserhöhung

Quelle
Leo XIV. eröffnet Ausstellung „ACVA“ in der Apostolischen Bibliothek
Papst ordnet Erweiterung von Archiv und Bibliothek im Vatikan an
Neue Lateinexpertin für Vatikanbibliothek
Schätze der Vatikanischen Bibliothek
Die Apostolische Bibliothek und das Apostolische Archiv
Eröffnung der Ausstellungsreihe „Katastrophe und Wunder“ in der Vatikanischen Apostolischen Bibliothek – Aktivitäten-Kalender | Vatican.va
Jahrhundert-Allianz: Vatikan und Frankreichs Nationalbibliothek bündeln Kräfte bei Digitalisierung – Vatican News

Stefan von Kempis – Vatikanstadt

180.000 Manuskripte, mehr als anderthalb Millionen gedruckte Bücher, 9.000 Inkunabeln, 300.000 Münzen und Medaillen, 200.000 Fotografien: Die Apostolische Bibliothek gehört zu den wichtigsten der Welt. Leo XIV. machte bei seiner Visite klar, worin er ihren Daseinsgrund sieht: „im Dienst an der Entwicklung und Verbreitung der Kultur, zum Besten der Kirche und der ganzen Menschheit“.

Papst-Mutter war Bibliothekarin

Es war sein erster Besuch seit seiner Papstwahl in der Bibliothek. Leo eröffnete dort auch eine Ausstellung zum Thema „Wasser“, in der die Werke zeitgenössischer Künstler mit Kostbarkeiten aus den Tiefen der Bibliothek in Dialog treten.

Der Papst, der an diesem Montag seinen 71. Geburtstag feiert, startete mit einer persönlichen Anmerkung: „Viele von euch wissen vielleicht nicht, dass meine Mutter Bibliothekarin war! Und heute, an meinem Geburtstag, bin ich also hier, um euch alle zu grüßen.“

Vor allem aber nutzte der Papst seinen Besuch, um ein paar grundsätzliche Dinge zum Thema Bibliothek vorzubringen.

Wie einst der heilige Augustinus

„Wenn man an eine Bibliothek denkt, stellt man sich einen ruhigen, beschaulichen Ort vor. Tatsächlich sind Bücher still und verlangen nach Stille. Doch während ein Buch einerseits beruhigt, weckt es andererseits Unruhe, nährt die Sehnsucht und den Mut zur Suche.“

Damit war Leo, ein früherer Prior des Augustinerordens, bei seinem Lieblingsheiligen, dem Kirchenlehrer Aurelius Augustinus, angelangt.

„Der heilige Augustinus ist ein Symbol für diese Dynamik. Voller Leben und Qualen aufgrund starker Kräfte, die in ihm aufeinanderprallten – wie er schreibt – , ‚stieß er jahrelang verzweifelte Schreie aus‘ (Confessiones, VIII,12,28), bis eine Kinderstimme zu ihm drang, die summte: ‚Nimm und lies, nimm und lies‘. Daraufhin nahm er ein Buch aus den Händen eines Freundes, den Römerbrief des heiligen Paulus, las darin und ‚ein Licht, fast wie Gewissheit, drang in sein Herz ein, und alle Finsternis des Zweifels löste sich auf‘ (vgl. Confessiones, VIII,12,29). Der Zweifel erlosch, nicht jedoch der Wunsch, der vielmehr noch stärker wurde und ihn dazu trieb, die gesamte Breite und Tiefe der Heiligen Schrift zu durchforsten.“

„Nicht nur eine Sammlung von Büchern“

Die Bibliothek des Papstes helfe auch heute noch „der Kirche und der Menschheit dabei, der Tiefe einer solchen Sehnsucht gerecht zu werden“, rühmte Papst Leo. Er lobte die Digitalisierung und die digitalen Zugangsmöglichkeiten zur Bibliothek, setzte aber hinzu, dass sie gleichzeitig „ein Ort der Diskretion und Ruhe“ bleiben solle. „Sie ist nämlich nicht nur eine Sammlung von Büchern, auf die man bequem vom heimischen Computer aus zugreifen kann, sondern ein Ort, der von Verbindungen, Austausch und dem Austausch von Ideen geprägt ist.“

Papst Leo erinnerte auch an seinen Vorgänger, Leo XIII. (1878-1903), der die Bibliothek einst einem breiteren Kreis von Forschern aus aller Welt öffnete. Und er lobte die wissenschaftliche Neugier der Verantwortlichen der Bibliothek. Zu ihnen gehörte etwa der deutsche Jesuit und spätere Kardinal Franz Ehrle (1845-1934), der u.a. den ersten Katalog der Manuskripte erstellen ließ – nach Regeln, die heute noch in Kraft sind.

Die alte und neue kulturelle Offenheit der Kirche

„Die Offenheit und Weitsicht dieser Bibliothek zeigen sich bereits in ihren humanistischen Anfängen: Nicht nur theologische Werke, sondern auch Literatur, Philosophie, Astronomie, Physik, Mathematik, Geographie, Botanik, Zoologie, Medizin, Geschichte, Rechtswissenschaften, Kunst und Wirtschaft. Nicht nur europäische und christliche Bücher, sondern auch Werke, die in anderen religiösen Kontexten verfasst wurden und aus allen Teilen der Welt stammen. Und das viele Jahrhunderte, bevor dies zu einer allgemein geteilten Einstellung wurde. In diesem Sinne bezeugt die Apostolische Bibliothek die alte und neue kulturelle Offenheit der Kirche.“

Dafür stehe auch die Ausstellung zum Thema Wasser, die an diesem Montag startet. „Also, vorwärts! Treu der Vergangenheit und treu der Zukunft, findet mit den euch eigenen Sprachen und Mitteln neue Wege der Versöhnung!“

Die Ausstellung „Wasser: Katastrophe und Wunder“ ist die erste eines auf fünf Jahre angelegten Zyklus. Zu ihr gehört die Installation „Diluvium“ (Sintflut) des französischen Künstlers JR an der Fassade der Bibliothek, die von einem Druck von Gustave Doré inspiriert ist. Die Schau ist bis zum 14. Mai jeweils freitags und samstags geöffnet.

vatican news, 14. September 2026

Danke, dass Sie diesen Artikel gelesen haben. Wenn Sie auf dem Laufenden bleiben wollen, können Sie hier unseren Newsletter bestellen..

Dein Beitrag zu einer großen Mission: Unterstütze uns dabei, das Wort des Papstes in jedes Haus zu tragen

Themen

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Kategorien

Vatikan.va

Archiv

Empfehlung