D: Bischof Krämer wirbt für langfristige Partnerschaft
Nach einer Reise durch Burundi ruft der Rottenburg-Stuttgarter Bischof Klaus Krämer zu mehr Aufmerksamkeit für das ostafrikanische Land auf. Bei seinem Besuch ging es neben Friedensarbeit auch um konkrete Perspektiven in der Gesundheitsversorgung, Ernährung und Bildung
Quelle
Nigeria: Bildung, Werte und Verantwortung – Vatican News
Der Rottenburg-Stuttgarter Bischof Klaus Krämer hat zum Abschluss einer Burundi-Reise für eine langfristige Unterstützung des ostafrikanischen Landes geworben. Einzelne Projekte könnten die großen Herausforderungen des Landes nicht bewältigen, entscheidend seien deshalb dauerhafte Beziehungen und der Austausch mit den Menschen vor Ort. „Wir werden die großen Probleme Burundis nicht allein lösen können“, erklärte Krämer. Es sei jedoch möglich, zuzuhören, Beziehungen zu pflegen und gemeinsam konkrete Verbesserungen zu erreichen. Burundi zählt zu den ärmsten Ländern der Welt. Nahezu drei Viertel der Bevölkerung leben in Armut, während rund 14 Prozent als unterernährt gelten.

Neues Zentrum für Frieden und Versöhnung
Ein Schwerpunkt der Reise war die Friedensarbeit. Gemeinsam mit dem Bischof der Diözese Bururi, Salvator Niciteretse, weihte Krämer in Nyanza Lac im Süden des Landes ein neues Zentrum für Frieden und Versöhnung ein. Finanziert wurde die Einrichtung von der Diözese Rottenburg-Stuttgart und dem Erzbistum Freiburg.
Burundi blickt auf eine von Bürgerkrieg und ethnischen Konflikten geprägte jüngere Geschichte zurück. Der seit etwa zehn Jahren bestehende Frieden gilt weiterhin als fragil. Das neue Zentrum soll deshalb unter anderem Jugendlichen, kirchlichen und gesellschaftlichen Akteuren sowie Friedensinitiativen einen Ort für Begegnung und Weiterbildung bieten. Vorgesehen sind auch Trainings zur gewaltfreien Konfliktlösung. Mit Blick auf die für 2027 erwartete Präsidentschaftswahl gewinnt diese Arbeit zusätzlich an Bedeutung. Die Diözese Rottenburg-Stuttgart, das Erzbistum Freiburg und das Land Baden-Württemberg wollen ihr Engagement für Frieden und Versöhnung künftig weiter ausbauen.
Gesundheit und Ernährung im Blick
Während der Reise wurden auch Möglichkeiten einer stärkeren Unterstützung im Gesundheitsbereich besprochen. In Burundi mangelt es vielerorts an medizinischen Einrichtungen, Geräten und Rettungsfahrzeugen. Die Diözese Rottenburg-Stuttgart zeigte sich grundsätzlich bereit, den Aufbau von Gesundheitszentren und die Anschaffung von Ambulanzfahrzeugen zu unterstützen. Konkrete Möglichkeiten sollen nun mit Partnern vor Ort geprüft werden. Auch die Ernährungssituation von Kindern war Thema. Als möglicher Ansatz wurden zusätzliche Mahlzeiten an katholischen Schulen diskutiert. Auf diese Weise könnten Kinder über bereits bestehende kirchliche Strukturen regelmäßig mit Nahrung versorgt werden.
Theater gegen das Schweigen
Wie Versöhnungsarbeit auch mit kulturellen Mitteln gelingen kann, erlebte die Delegation beim Besuch des Kulturzentrums Buja Sans Tabou in Bujumbura. Junge Theaterschaffende setzen sich dort mit der Geschichte des Landes, gesellschaftlichen Konflikten und Themen auseinander, über die sonst häufig geschwiegen wird. Ein dort entstandenes Stück soll 2027 auch nach Deutschland kommen. „Les i sur les autres“ ist im Rahmen der Eröffnung der bundesweiten Misereor-Fastenaktion in Stuttgart vorgesehen, deren Partnerland Burundi sein wird. Im Mittelpunkt stehen Erfahrungen junger Menschen mit Ausgrenzung, Konflikten und gesellschaftlichem Zusammenleben.
Auch bessere Bildungschancen wurden während der Reise diskutiert. Die burundische Bischofskonferenz erwägt den Aufbau einer katholischen Universität mit mehreren Standorten. Krämer kündigte an, diese Überlegungen in die entsprechenden kirchlichen Gremien in Deutschland einzubringen. Zum Abschluss seines Besuchs warb der Bischof dafür, Burundi auch jenseits konkreter Hilfsprojekte stärker in den Blick zu nehmen.
„Partnerschaft beginnt damit, dass wir die Menschen wahrnehmen, ihre Erfahrungen ernst nehmen und ihre Situation auch in Deutschland sichtbar machen.“
pm – vo, 14. September 2026
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