Kardinal Müller



Kardinal Müller: Parteinahme der Bischöfe im Wahlkampf wäre „Missbrauch“ geistlicher Autorität

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„Furchtbar und niederdrückend“: Kardinal Marx zu Wahlergebnis in Sachsen-Anhalt
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Von Alexander Folz

Redaktion – Dienstag, 8. September 2026

Einen Tag nach der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt warf Kardinal Gerhard Ludwig Müller den deutschen Bischöfen eine unzulässige Einmischung in den Parteienwettbewerb vor. „Einige befremdliche Äußerungen deutscher Bischöfe anlässlich der Wahlen in Bund, Ländern und Kommunen bedürfen der Klarstellung aus theologischer Sicht“, schrieb der Kardinal in einem am Montag auf kath.net veröffentlichten Gastbeitrag.

„Sie dürfen also keineswegs ihre geistliche Vollmacht in dem legitimen Kampf um die Mehrheit der Wählerstimmen in einem demokratischen Rechtsstaat, wie es die Bundesrepublik Deutschland gemäß ihrer Verfassung ohne Zweifel ist, zu Gunsten oder zu Ungunsten einer einzelnen politischen Partei in die Waagschale werfen“, schrieb Müller über die Bischöfe. „Das wäre Missbrauch der geistlichen Autorität zu politischen Zwecken.“

Bei der Wahl am Sonntag war die AfD mit 43,8 Prozent der Zweitstimmen stärkste Partei geworden. Sie erhielt 39 der 83 Sitze im Landtag und verfehlte damit die absolute Mehrheit. Auf 17,2 Prozent stürzte die CDU ab, ihr schlechtestes Landtagswahlergebnis in dem Bundesland. Vom Verfassungsschutz wird der AfD-Landesverband als „gesichert rechtsextremistisch“ eingestuft.

„Einer einzelnen Partei und ihren Wählern von vornherein völkisches Rassedenken zu unterstellen, ist dagegen eine unbewiesene Tatsachenbehauptung“, schrieb der Kardinal. „Denn es ist schwer oder gar nicht nachzuvollziehen, dass Millionen unserer deutschen Mitbürger sich eine solche wahnsinnige Ideologie, die eklatant gegen das natürliche Sittengesetz und das christliche Menschenbild verstößt, zu eigen gemacht hätten.“

Weiter hieß es in dem Beitrag: „Wenn dies zuträfe, wäre dies auch eine Anklage gegen die Kirche (in den Familien, den Pfarreien und im Religionsunterricht), dass sie in ihrem geistlichen Auftrag die Gewissen zu bilden schwerstens versagt hätte.“

„Ein katholischer Bischof, von dem man erwartet, dass er die Lehre der Kirche nicht nur kennt, sondern sie auch richtig darstellen kann, darf also auf keinen Fall den ‚Verlust von AfD-Wählern‘ in Kauf nehmen, die sich aufgrund seiner rein hypothetischen Mutmaßungen von der Kirche, die im Glauben ihre Mutter ist, missverstanden, verraten und abgestoßen fühlen“, schrieb Müller.

Drei Tage vor der Wahl war der Berliner Erzbischof Heiner Koch gefragt worden, ob die Kirche das Risiko eingehen müsse, AfD-Wähler zu verlieren. „Ja, wir müssen dieses Risiko eingehen. Denn es geht um viel mehr als um Wahlergebnisse, es geht um Werte und inhaltliche Grundfragen. Die Liebe Gottes ist mit völkischem Nationalismus nicht vereinbar, dabei bleibe ich!“, sagte Koch im Gespräch mit der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA).

Am selben Tag hatte der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz (DBK), Bischof Heiner Wilmer SCJ, im Interview der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ erklärt: „Ich appelliere an die Mündigkeit der Wählerinnen und Wähler in Sachsen-Anhalt, ihr Gewissen zu schärfen. Migranten stören nicht.“ Die Kirche wolle und könne keine Wahlvorschriften machen, sagte Wilmer. Aber: „Die AfD attackiert diese Grundwerte und hintergeht unsere demokratische Staatsform als solche. Ihre Alternative für Deutschland ist eine Gesellschaft, in der Freiheit, Menschenwürde und Demokratie eingeschränkt werden.“

Müller hielt dem das Wahlrecht der einzelnen Gläubigen entgegen. „Bei einer demokratischen Wahl hat jeder Katholik das Recht, derjenigen Partei seine Stimme zu geben, der er zutraut die Probleme des Landes besser zu lösen als andere Parteien, vorausgesetzt, dass die demokratisch zu wählende Regierung nicht zu unmoralischen Mitteln greift oder mit ihnen liebäugelt“, schrieb er.

Für den Machterhalt einer Regierung dürfe ein Bischof „niemals das ewige Heil derjenigen Katholiken gefährden, die nicht so wählen, wie er es gerne hätte“.

Schließlich schrieb Müller: „Es ist ein schweres Ärgernis, wenn Bischöfe und Priester, katholische Verbände und Einrichtungen in einer Reihe mit politisch-ideologischen Agitatoren auftreten oder auch nur genannt werden, weil dann die Kirche sich wie eine politische Akteurin präsentiert und damit ihre Sendung verrät, Sakrament des universalen Heilswillens Gottes zu sein.“

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