Frankreich: Renaissance des Christentums?


Der vatikanische Nachrichtendienst fides rät dazu, das außergewöhnliche Interesse am bevorstehenden Papstbesuch in Frankreich nicht als Anzeichen für ein Wiedererwachen des Christentums im Land zu deuten

Quelle
Frankreich – Bischof Guillet: So kehren die Geschichten der Apostelgeschichte in Saint-Denis wieder – Agenzia Fides
Programm der Papstreise nach Frankreich veröffentlicht
Frankreich: Papst wird auf Kirche im Wandel treffen

Das steht in einer Analyse auf der Internetseite von fides. Im Jahr 2021 sei der Anteil derjenigen, die sich als gläubig bezeichnen, in Frankreich unter 50 Prozent gefallen, und weniger als ein Viertel der jungen Franzosen bezeichneten sich als katholisch. „Zu diesem Rückgang kommt auch der Rückgang der Berufungen hinzu, was den Historiker Guillaume Cuchet zu der Annahme veranlasst, dass es sich nicht mehr um eine individuelle Abkehr vom Glauben handelt, sondern vielmehr um eine Abkehr der zweiten oder dritten Generation, die den Zusammenbruch der familiären Weitergabe des Glaubens besiegelt“.

Gleichzeitig fühle sich fast jeder zweite Franzose, also mehr als 32 Millionen Menschen, dem Katholizismus verbunden, so fides. Darüber hinaus sei seit Frühjahr 2021 trotz des seit Jahrzehnten anhaltenden Rückgangs der Kindertaufen ein unerwarteter Anstieg der Taufanfragen junger Erwachsener zu verzeichnen. Dementsprechend spricht fides von „Paradoxien und Widersprüchen“.

„Paradoxien und Widersprüche“

Der französische Katholizismus habe sich „von einem vorherrschenden Kulturmodell hin zu einer fragmentierten Realität kleiner Gemeinden“ entwickelt. Zugleich sorgten Migranten für eine „Erneuerung der katholischen Basis“. Damit einher gehe der Anstieg in der Zahl von Menschen, die sich als spirituell, aber nicht religiös einschätzten.

Auffallend sei außerdem die starke Bindung vieler Menschen in Frankreich an „Übergangsriten, Feste, Votivstätten oder architektonisches Erbe“; das habe sich etwa beim Brand von „Notre-Dame de Paris“ im Jahr 2019 gezeigt, der eine Welle nationaler Emotionen auslöste. Diese Bindung nehme manchmal eine „identitäre“ Dimension an, „wenn das Erbe politisiert wird, um ein unumkehrbares nationales Wesen zu definieren und ‚Feinde‘ zu benennen“.

Ungewöhnliches Interesse am Papstbesuch

„Die Menschenmenge, die den Papst bejubeln wird, ist das Ergebnis dieser Geschichte des französischen Katholizismus, der in seiner jüngsten Form von den Paradoxien der Säkularisierung geprägt ist“, so die fides-Analyse abschließend. Papst Leo XIV. wird in den letzten Septembertagen Frankreich besuchen. Dabei waren die verfügbaren Plätze für die Veranstaltungen anlässlich des Papstbesuchs schnell ausgebucht. „Wie bei Beyoncé: Warum junge Katholiken Leo XIV. wie einen Superstar erwarten“, titelte daraufhin „Le Parisien“.

fides – sk, 13. September 2026

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