Kardinal aus Madagaskar
Kardinal aus Madagaskar: „Zum großen Teil ist es Egoismus, der uns arm macht“
Quelle
Désiré Tsarahazana – DOMRADIO.DE
Madagaskar
Von CNA Deutsch Nachrichtenredaktion

Redaktion – Donnerstag, 20. August 2026
Kardinal Désiré Tsarahazana, der Erzbischof von Toamasina in Madagaskar, hat erklärt: „Zum großen Teil ist es Egoismus, der uns arm macht. Natürlich tragen auch globale Faktoren und die Weltwirtschaft zu diesem Zustand bei. Es findet keine Wertschöpfung im Land statt. Die Stromversorgung ist schwierig, die Infrastruktur schlecht.“
In einem auf der Internetseite des Bistums Regensburg veröffentlichten Interview hielt Tsarahazana fest, das Potenzial der vor der Küste Afrikas im Indischen Ozean gelegenen Insel, die etwas größer ist als Frankreich, sei „enorm“.
„Nur leider verfällt das Land zusehends“, fügte der Kardinal hinzu. „Es ist wie bei einem Korb, gefüllt mit Holzkohle, der auf dem Markt angeboten wird. Unten ist er jedoch mit Papier ausgestopft, so dass die Ware nach mehr aussieht. Madagaskar gehört jetzt schon zu den ärmsten Ländern der Welt.“
„Korruption betrifft hier jeden, von der untersten bis zur obersten Ebene“, räumte er ein. „Wollen wir einen echten Wandel, müssen wir unsere Mentalität ändern. Wir müssen uns unserem Land verpflichtet fühlen. Ich gebe Ihnen ein Beispiel. Jeder Madagasse sagt: ‚Ich liebe mein Land.‘ Aber sobald man in höhere Kreise kommt, wird plötzlich kein Malagasy mehr gesprochen, sondern nur Französisch. Es fehlt an Identität.“
Madagaskar war jahrzehntelang, bis 1960, eine französische Kolonie. Statistische Angaben zur Religionszugehörigkeit in Madagaskar weisen deutliche Unterschiede auf. Ungefähr die Hälfte des Landes bezeichnet sich demnach als christlich, aber der Anteil könnte auch deutlich höher liegen. Unter den Christen sind die Katholiken offenbar nicht in der Mehrheit.
Tsarahazana forderte für sein Land eine gute Bildung, denn nur so könne „bürgerliches Engagement entstehen“. Es brauche ferner „dezentrale Strukturen und Gewaltenteilung. Gesetze müssen endlich die Realität vor Ort berücksichtigen und nicht nur aus Büros heraus erlassen werden.“
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