Erzbischof Gänswein: Grund und Ziel christlicher Freude ist Gott selbst

Die Freude ist ein Geschenk des Heiligen Geistes, mit der sich der Mensch ganz auf Gott ausrichtet, so wie auch der Täufer ganz auch Christus ausgerichtet ist

Quelle
Bereitet dem Herrn den Weg | Die Tagespost (die-tagespost.de)
Johannes der Täufer | die-bibel-verstehen.de

16.12.2023

Georg Gänswein

“Gaudete semper!” “Freut euch zu jeder Zeit!” so lautet der Eröffnungsvers der heiligen Messe. Wenngleich im Evangelium der Bußprediger Johannes im Mittelpunkt steht, so ist doch seine Verheißung, dass der Messias kommen werde, der mit Heiligem Geist und Feuer tauft, nicht weniger Grund unserer Freude. Die Freude, die hier gemeint ist, ist Freude, die von Gott kommt; und sie hat Gott auch zum Ziel. Sie gibt sich nicht mit Vergnügen und Fröhlichkeit zufrieden. Sie will mehr, sie will das Ganze, das Ewige.

Geschenk des Heiligen Geistes

Entscheidend bei der christlichen Freude ist, dass sie größer ist als unser Gefühl von Freudigkeit. Es ist schön, Gott zu lieben, wenn unser Herz von Freude an Gott voll ist, aber die Freude an Gott gibt es auch, wenn uns kein freudiges Gefühl erfüllt. Dann will Gott uns noch einen Schritt weiterführen in eine reifere und tiefere Gottesliebe hinein, dass wir nämlich Gott nicht nur um der Freude willen, sondern um Seiner selbst willen lieben. So gilt uns das Wort des heiligen Franz von Sales: “Liebe nicht nur die Freude an Gott, sondern den Gott der Freude!”

Woher kommt diese Freude? Sie ist ein Geschenk des Heiligen Geistes. Er treibt uns zu Umkehr und Neuanfang. Er zeigt uns durch die Freude im Herzen, dass wir auf dem richtigen Weg sind. Deshalb hat auch noch nie jemand traurig den Beichtsuhl verlassen. Wenn nach der Vergebung der Heilige Geist in uns ist, dann sind nicht Angst, Trauer, Neid, Eigennutz oder Feindschaft in uns, dann sind wir erfüllt vom Heiligen Geist, dessen Früchte sind: Liebe, Friede, Langmut, Freundlichkeit, Güte und Freude (vgl. Galater 5, 22).

Mit dieser Freude muss sich dreierlei verbinden, wie uns Paulus in der zweiten Lesung ans Herz legt: “Betet ohne Unterlass! Dankt für alles! Meidet das Böse in jeder Gestalt!” Beten ohne Unterlass heißt auf Gott hin ausgerichtet sein, unser Tun und Ertragen in den Dienst Gottes stellen und aus Liebe zu ihm alles Bedrückende und Notvolle ertragen. “Dankt für alles!” Viel zu schnell, zu leicht vergessen wir das Danken. Wir haben immer wieder für etwas zu danken. Dank macht das Herz weit. Dank kann Menschen gelten, vor allem aber Gott, denn wir leben von seiner Güte und Barmherzigkeit. “Meidet das Böse in jeder Gestalt!” Das ist das Dritte, wozu der Apostel mahnt. Das Böse, in welcher Gestalt es sich auch zeigen mag, gehört nicht in unser Leben hinein.

Auf Christus ausgerichtet

Im Evangelium weist Johannes der Täufer auf den hin, der nach ihm kommen wird, der Messias. Die ganze Existenz des Täufers ist auf Christus ausgerichtet. Johannes ist nur von Christus her zu verstehen. Deshalb hat die Liturgie der Kirche dieses Evangelium vor das Geheimnis der Weihnacht gesetzt, damit es uns die Herzen auf den hin öffnet, der in der Weihnacht kommen wird. Die Menschwerdung des Herrn birgt große Freude in sich. Freude, die sich am Gaudete-Sonntag so richtig Luft verschaffen und zur Freude anstecken soll.

Text unter der Lupe

Jesaja 61, 1–11;
1 Thessalonicher 5, 16–24
Johannes 1, 6–28

Zu den Lesungen des Gaudete- Sonntags 2023 (Lesejahr B)

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