“Katholische Kürbisse” und der Kult von Allerheiligen

Zwischen Himmel und Erde: “Katholische Kürbisse” und der Kult von Allerheiligen

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Von Alexander Folz

Goslar – Mittwoch, 1. November 2023

Viele fragen sich, ob an Allerheiligen die Geschäfte geöffnet sind. Doch für Heiner-Matthias Lünig aus Goslar ist dieses Hochfest eines der wichtigsten — und schönsten — des ganzen Jahres. Als gläubiger Katholik ist es für ihn von großer Wichtigkeit, diejenigen zu ehren, die bereits die Herrlichkeit des Himmels erreicht haben.

Grundsätzlich umschließen die Feierlichkeiten drei Tage, nämlich den Christkönigssonntag, Allerheiligen und Allerseelen. Die Kirche feiert zuerst Christus als König, Herrscher und Quelle aller Heiligkeit. An diesem Fest kommt der Aspekt, dass Christus als Opfergabe sich am Kreuz hingegeben hat, zum Ausdruck. Durch sein Sühneopfer gibt Christus die Möglichkeit, nach dem Sündenfall, die persönliche Heiligkeit zu erlangen.

Der Kult von Allerheiligen schließt sowohl die offiziell Heiliggesprochenen als auch die namenlosen Heiligen mit ein. Viele unbekannte, arme, einfache und leidende Menschen, die zur Anschauung Gottes gelangt sind, beten für das Seelenheil aus dem Himmel. Diese Unbekannten verdienen genauso Verehrung. Gemeinsam mit den Heiliggesprochenen bilden sie die ecclesia triumphans, die triumphierende Kirche in der ewigen Seligkeit. In Einheit mit den zwei weiteren Bestandteilen der Kirche, der ecclesia militans, der streitende Kirche auf der Erde und ecclesia poenitens, der leidenden Kirche im Fegefeuer, bilden sie zusammen den mystischen Leib Christi.

Einen Abend vor dem Hochfest, an “Halloween”, stellt Heiner-Matthias Kürbisse mit geschnitzten katholischen Symbolen vor seine Haustür, um persönliches Zeugnis in seiner Nachbarschaft zu geben. Bereits im Wort “Halloween” steckt der Begriff “All Hallows’ Eve”, der Vorabend vor Allerheiligen. Diese Bedeutung versucht er wieder in das Gedächtnis der Leute zu rufen.

Während die Nachbarn in ihre Kürbisse gruselige Motive schnitzen, schneidet Heiner-Matthias das heiligste Herz Jesu oder den seligen Carlo Acutis hinein. Einige Nachbarn kommen dann fragend auf ihn zu, was diese Symbole für eine Bedeutung haben. Bei Fragen zu dem seligen Carlo Acutis empfiehlt er seine Webseite über eucharistische Wunder. Damit möchte Heiner-Matthias an die Bedeutung des allerheiligsten Sakraments erinnern. Für ihn ist die Eucharistie “der Mittelpunkt des Universums”.

An Allerheiligen selber besucht Heiner-Matthias das Hochamt im überlieferten Ritus in St.Clemens Hannover, bei dem gemeinsam mit dem Priester die Allerheiligen Litanei gebetet wird. In der Litanei sind die wichtigsten Heiligen der katholischen Kirche und einige lokale Heilige vertreten. Man bedenkt dabei die Verdienste aller Heiligen und bittet sie um ihre Fürsprache, da sie im Himmel die Vollkommenheit aller Gnaden empfangen. Die Gebete der heiligen Messe drücken außerdem die Freude der kämpfenden Kirche auf der Erde über die Glückseligkeit der triumphierenden Kirche im Himmel aus.

Ein “vollkommener Ablass”?

Im Anschluss an die heilige Messe geht Heiner-Matthias auf einen Friedhof und zündet auf den Gräbern gesegnete Kerzen an. Gleichzeitig betet er für die Verstorbenen beim Namen und erbittet einen vollkommenen Ablass für eine arme Seele im Fegefeuer.

Einen vollkommenen Ablass zu erhalten, bedeutet einen kompletten Nachlass aller zeitlichen Sündenstrafen für gebeichtete Sünden zu empfangen.

Die Lehre der Kirche unterscheidet generell die Schuld, die man vor Gott auf sich lädt und die zeitliche Sündenstrafe. Verzeihung vor Gott bedeutet somit den Nachlass des durch den Sünder begangenen Unrechts gegenüber Gott. In der heiligen Beichte wird dieses Verhältnis zu Gott wieder in Ordnung gebracht, jedoch bleibt ein Teil der zeitlichen Sündenstrafe bestehen. Zeitliche Sündenstrafen, die man vor dem Tod nicht abgebüßt hat, verbleiben für das Fegefeuer.

LINK-TIPP: Die genauen Voraussetzungen für einen vollkommenen Ablass finden Sie hier.

Das Fegefeuer oder auch Purgatorium genannt, stellt einen Zustand oder einen Reinigungsprozess dar, den jene Seelen durchlaufen müssen, die zwar vor der ewigen Verdammnis gerettet sind, jedoch noch nicht alle zeitlichen Sündenstrafen gesühnt haben, um die ewige Seligkeit zu erreichen. Diesen Teil der Kirche nennt man, wie weiter oben schon erwähnt, die leidende Kirche im Fegefeuer.

Vom 1. bis 8. November gedenkt die Kirche besonders der armen Seelen im Fegefeuer. Innerhalb dieser acht Tage besteht für alle Katholiken die Möglichkeit, acht arme Seelen aus dem Fegefeuer zu befreien, die dann als Zeichen der Dankbarkeit für einen persönlich beten. Auf diese Weise können die Gläubigen himmlische Schätze und Gebetsunterstützung erwerben.

Die heilige Schrift fordert Katholiken auch auf, für die armen Seelen zu beten. So steht im Buch der Makkabäer 12, 46: “Es ist ein heiliger und heilsamer Gedanke, für die Verstorbenen zu beten.”

Dies gilt auch für das Hochfest Allerseelen einen Tag später. Dort bitten Katholiken für die armen Seelen, damit diese schneller aus dem Fegefeuer befreit werden und zu den Heiligen in den Himmel stoßen.

Es gibt viele Seelen, die im Fegefeuer sind und für die niemand mehr betet. Deswegen pflegen Katholiken wie Lünig persönlich die Gewohnheit, in den acht Tagen auf Friedhöfe zu gehen, um für diese zu beten. Er geht gerne zu ungepflegten Friedhofsstellen. Dort finden sich Gräber von Menschen, für die augenscheinlich keiner mehr betet.

Das Hochfest von Allerheiligen ist dazu da, Katholiken auf das endgültige Ziel im Leben zurück zu besinnen, auf persönliche Heiligkeit und die Ewigkeit bei Gott. Die Heiligen sind ein Vorbild auf dem Weg der Heiligung. Heiner-Matthias Lünig sagt, er bittet in diesen Tagen Beistand für diese Zeit — “gerne auch von den Lesern von CNA Deutsch”.

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