Traditioneller Termin für chinesische Katholiken fällt aus

Coronavirus: In China Wallfahrten zur Gottesmutter von Sheshan abgesagt

Quelle

Traditioneller Termin für chinesische Katholiken fällt aus
Von Susanne Finner

Beijing, 24. April 2020 (CNA Deutsch)

Die traditionellen Wallfahrten zum Heiligtum Unserer Lieben Frau von Sheshan in China werden nicht stattfinden. Das berichtet ACI Stampa, die italienischsprachige Schwesternagentur von CNA Deutsch.

Der Coronavirus-Notstand hat dazu geführt, die Wallfahrten wegen der gesundheitlichen Risiken abzusagen. Was die kommunistische Partei nicht geschafft hatte, schafft nun die Ausbreitung des Virus. Und China verliert eine aussergewöhnliche Gelegenheit, denn nach Sheshan kommen sowohl die Katholiken der “Untergrundkirche” als auch jene, die der “offiziellen” Kirche angehören. 

Das hat eine grosse symbolische Bedeutung. Das Heiligtum ist Bezugspunkt für die Katholiken in China. Papst Benedikt XVI. hatte in seinem Brief an die chinesischen Katholiken aus dem Jahre 2007 den 24. Mai – “den liturgische Gedenktag der Allerseligsten Jungfrau Maria unter dem Titel Hilfe der Christen – die sich im Marienheiligtum von Sheshan in Shanghai so grosser Verehrung erfreut” zum Gebetstag für die Kirche in China erwählt.

Die Katholiken Chinas haben immer nach Sheshan geschaut. Sie haben es getan, wenn die Verfolgungen stark waren, sie haben es getan, wenn die Regierung den Griff etwas lockerer liess. Heute gibt es eine vorläufige Vereinbarung zwischen dem Heiligen Stuhl und China. Sie betrifft die Ernennung der Bischöfe, die im kommenden August erneuert werden dürfte. Es handelt sich um eine Massnahme der Sinisierung durch Xi Jinping, der will, dass alle Religionen Teil der chinesischen Kultur seien – und letztendlich handelt es sich um eine Kontrollmassnahme. Es gibt Verfolgungen, Kreuze werden entfernt und Kirchen zerstört. Aber es gibt auch einen institutionellen Dialog, der hoffen lässt.

Die Marienverehrung geht auf die Mission des Jesuitenpaters Matteo Ricci zurück. Matteo Ricci wurde am 22. Januar 1601 vom Kaiser empfangen und brachte 12 Geschenke mit, darunter eine Kopie des Bildes Maria Salus Populi Romani, das in der Basilika Santa Maria Maggiore in jener Kapelle aufbewahrt wird, in der der heilige Ignatius von Loyola seine erste heilige Messe gefeiert hatte.

Die Jesuiten waren es auch, die den Kult in Sheshan beförderten. Sie kauften den Hügel im Jahre 1863 und legten 1870 das Gelübde ab, sie würden dort eine Basilika errichten, wenn die Gottesmutter die Diözese inmitten blutiger Aufstände beschützen würde.

Die Muttergottes erhörte das Gebet und ein Jahr später wurde der Grundstein für jenes Gebäude gelegt, das die erste Marienbasilika in Asien sein würde. Papst Pius IX. gewährte den Gläubigen, die das Heiligtum besuchen, einen vollkommenen Ablass. 1894 gab es so viele Wallfahrten, dass man beschloss, eine neue Kirche zu bauen.

1924 entschied die erste chinesische Synode, die vom apostolischen Delegaten Celso Costantini in Shanghai einberufen wurde, die Madonna von Sheshan zur “Königin von China” zu ernennen.

Das Fest Unsere Lieben Frau von Sheshan wird am 24. Mai, dem Gedenktag Maria, Hilfe der Christen, gefeiert. Wie bereits erwähnt, wählte Benedikt XVI. diesen Tag zum Gebetstag für die Kirche in China. Im Jahr 2008 verfasste der nunmehr emeritierte Papst ein besonderes Gebet zur Muttergottes von Sheshan.

Nichts konnte die Pilger bislang aufhalten. Aber die Diözese von Shanghai hat letzte Woche verkündet, dass alle Wallfahrten zum Nationalheiligtum Chinas vorerst eingestellt werden.

Die entsprechende Mitteilung wurde am 13. April 2020 veröffentlicht und betont dass sich “die Coronavirus-Epidemie in allen Teilen der Welt ausbreite” und man deshalb versuche müsse “Ansammlungen von Menschen, die eine mögliche Rückkehr des Virus provozieren könnten, zu vermeiden, um mit den örtlichen Behörden für die Eindämmung der Epidemie zusammenzuarbeiten.”

Es ist das erste Mal, dass das Heiligtum von der Kirche selbst geschlossen wird. Seit 2008 haben sowohl das Amt für religiösen Angelegenheiten als auch die Chinesische Katholisch-Patriotische Vereinigung die Wallfahrten der chinesischen Katholiken nach Sheshan erschwert.

Die Diözese Shanghai hat bekanntgegeben, sie werde die Pilger nicht empfangen und bat darum, “dem Beispiel von Ostern zu folgen und in den eigenen Häusern zu beten.”

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Kategorien

Die drei Säulen der röm. kath. Kirche

monstranz maria papst-franziskus

Archiv

Empfehlung

Ausgewählte Artikel