1. Adventssonntag

Aus dem Heiligen Evangelium nach Lukas – Lk 21,25-28.34-36

Hl. Luzius Bistumspatron Diözese Chur

Es werden Zeichen sichtbar werden an Sonne, Mond und Sternen, und auf der Erde werden die Völker bestürzt und ratlos sein über das Toben und Donnern des Meeres.

Die Menschen werden vor Angst vergehen in der Erwartung der Dinge, die über die Erde kommen; denn die Kräfte des Himmels werden erschüttert werden.

Dann wird man den Menschensohn mit grosser Macht und Herrlichkeit auf einer Wolke kommen sehen.

Wenn all das beginnt, dann richtet euch auf, und erhebt eure Häupter; denn eure Erlösung ist nahe.

Nehmt euch in acht, dass Rausch und Trunkenheit und die Sorgen des Alltags euch nicht verwirren und dass jener Tag euch nicht plötzlich überrascht, so wie man in eine Falle gerät; denn er wird über alle Bewohner der ganzen Erde hereinbrechen.

Wacht und betet allezeit, damit ihr allem, was geschehen wird, entrinnen und vor den Menschensohn hintreten könnt.

Auszug aus der liturgischen Übersetzung der Bibel

Sel. Jan von Ruusbroec (1293-1381) Regularkanoniker
Die Zierde der geistlichen Hochzeit, 1. Buch, 2 (übers. v. P. Willibrord Verkade OSB, Wiesbaden 1922, S. 18f.)

„Dann wird man den Menschensohn […] kommen sehen“

„Der Bräutigam kommt.“ Christus, unser Bräutigam, sagt dieses Wort auf Lateinisch: „Venit.“ Das Wort umschliesst in sich zwei Zeiten: die Zeit, die vorbei ist, und die Zeit, die jetzt gegenwärtig ist; dennoch meint er hier die Zeit, die noch kommen wird. Und somit sollen wir eine dreifache Ankunft unseres Bräutigams Jesus Christus unterscheiden.

Bei der ersten Ankunft ist er Mensch geworden, der Menschen halber, aus Liebe. Die zweite Ankunft erfolgt täglich, oft und häufig in jedem liebendem Herzen, mit neuen Gnaden und Gaben, je nachdem der Mensch dafür empfänglich ist. In der dritten erschaut man das Kommen Christi zum Gerichte oder in der Todesstunde. […]

Die Ursache, warum Gott die Engel und Menschen schuf, war seine grundlose Güte und Edelheit; er wollte, dass die Seligkeit und der Reichtum, die er selber ist, den vernünftigen Kreaturen geoffenbart würden, damit sie seiner kosteten in der Zeit und über die Zeit ihn genössen in der Ewigkeit.

Der Grund, weshalb Gott Mensch wurde, das war seine unbegreifliche Liebe und aller Menschen Not; denn sie waren verdorben seit dem Sündenfall und konnten es nicht wiedergutmachen. Die Ursache aber, weshalb Christus, sowohl seiner Gottheit als seiner Menschheit nach, all seine Werke auf Erden vollbrachte, ist vierfach: seine göttliche, unermessliche Liebe; die geschaffene Liebe, Caritas genannt, die seine Seele erfüllte kraft der Vereinigung mit dem ewigen Worte und als vollkommene Gabe seines Vaters; die grosse Not der menschlichen Natur und schliesslich die Ehre seines Vaters. Das sind die Ursachen der Ankunft Christi, unseres Bräutigams, und all seiner Werke, der äusseren und der inneren.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Chur

bischof_vitus01

Kategorien

Die drei Säulen der röm. kath. Kirche

monstranz maria papst-franziskus

Archiv

Empfehlung

Ausgewählte Artikel