Halloween oder doch lieber Allerseelen?

Impuls zum 31. Sonntag im Jahreskreis & Allerheiligen 2016, Lesejahr C

Quelle, 28. Oktober 2016, Peter von Steinitz, Kommentar zu Sonntagslesungen im Jahreskreis

Zu den vielen teils überflüssigen, teils törichten Dingen, die nach dem 2. Weltkrieg aus den USA zu uns herüber gekommen sind, zählt ein Brauch, den noch vor fünfzig Jahren kein Mensch in Deutschland kannte, das so genannte Halloween. Gewiss kann man sagen, das sind harmlose Kinderspiele, es lohnt sich doch nicht, sich darüber zu ereifern. Ausserdem ist es doch etwas Nettes, wenn Kinder damit Spass haben, sich als Gespenster zu verkleiden, Kürbisköpfe als lustige Totenschädel mit Teelichtern zu bestücken und die ‚erschrockenen’ Erwachsenen um Süssigkeiten anzugehen. Eigentlich so ähnlich wie der St. Martins-Umzug. Und wenn man die Kinder dabei beobachtet, wie sie Spass haben, kann man leicht zu dem Schluss kommen: lasst uns nicht so kleinlich sein, und gönnen wir ihnen die Freude und meinen wir nicht gleich, dass da die Dämonen im Spiel sind!

Abgesehen davon, dass die Leute, die dieses ‚Fest’ promovieren, meistens die gleichen sind, die Martinsumzüge oder Sternsinger als zu einseitig christlich bezeichnen: es geht wie immer in erster Linie ums Geschäft. Vergleichbar mit einem anderen amerikanischen ‚Brauch’, dem Valentinstag, der hierzulande früher ebenfalls unbekannt war, aber an dem eine Menge Leute gut verdienen. St. Valentin hat immerhin noch einen christlichen Hintergrund, wenngleich es um diesen Heiligen nicht geht. Halloween dagegen ist eindeutig heidnischen Ursprungs.

Seit vielen Jahrhunderten begehen Christen den 1./2. November als Gedenken an alle Heiligen und die Seelen aller Verstorbenen. Das allerdings hat es mit Halloween gemeinsam: es geht ums Jenseits.

Aber widerstehen wir der Versuchung, hier eine Alternative aufzubauen: es ist nicht zu vergleichen, und wenden wir uns dem christlichen Doppelfest zu!

Sofort wird uns klar, dass es hier um etwas sehr Ernstes geht: was wird aus uns Menschen, nachdem wir gestorben sind?

Betrachten wir ein anderes modernes Phänomen: Seit ungefähr dreissig/vierzig Jahren hört man immer wieder von sog. Nahtoderlebnissen, also von Menschen, die durch die moderne Apparatemedizin aus dem klinischen Tod ins Leben zurückgerufen worden sind. Ebenfalls seit dreissig/vierzig Jahren hört man dazu die ‚vernünftige’ Erklärung, dass die dort geschilderten Erlebnisse selbstverständlich nicht Wirklichkeit seien, sondern Produkte der Phantasie, Erinnerungen, Wunschvorstellungen, Einbildungen etc.

Natürlich sind diese Erlebnisse einer jenseitigen Welt, die in den meisten Fällen tröstliche Ausblicke auf ein Leben nach dem Tod bieten, und die merkwürdigerweise bis ins Detail der Lehre der Kirche entsprechen, kein ‚Beweis’ für die Realität der ‚Letzten Dinge’, wie sie im Katechismus stehen. Der Glaube soll ohne ‚Beweise’ auskommen. Das ist ja auch der Grund, warum der Herr im allgemeinen keine Wunder wirkt.

Wenn aber in diesen Erlebnissen geschildert wird, wie die aus dem Körper herausgetretene Seele nachweisbar sinnliche Wahrnehmungen hat, obwohl die dazu notwendigen Sinne, Augen, Ohren etc. im ‚toten’ Körper zurück geblieben sind, und wie sie einem liebevollen Lichtwesen, Christus, zugeführt wird und von ihm gefragt wird: „Was hast du aus deinem Leben gemacht?“, dann ist das grundsätzlich im Einklang mit der katholischen Lehre.

Aber ist es auch der Wirklichkeit entsprechend?

Vor kurzem hat ein an der Harvard Universität promovierter Neuropathologe, Eben Alexander, der an Nahtod-Erlebnisse bis dahin nicht ‚geglaubt’ hatte, in einem bewegenden Buch geschildert, wie ihm selber dieses passiert ist (Eben Alexander: Blick in die Ewigkeit).

Bis zu diesem Erlebnis sei er kaum mehr als ein ‚O- und W-Christ’ gewesen, der im Wesentlichen zu Ostern und Weihnachten die Kirche besuchte, schreibt Alexander. Als Neurochirurg der strengen Ratio verpflichtet, zweifelte er religiöse Offenbarungen an. Die Botschaft der „bedingungslosen Liebe“, die er während seiner Nahtod-Erfahrung erhielt, hat alles verändert.

Seit den Zeiten der Apostel lehrt die Kirche, dass Gott ein liebender und barmherziger Vater ist, der jedem Menschen eine ewige Seligkeit bei ihm schenken will, und der durch seinen Sohn Jesus Christus uns ziemlich genau gesagt hat, was dazu unsererseits notwendig ist. Da wir Menschen schwach und zur Sünde geneigt sind, ist dieser Weg nicht immer leicht. Daher beten wir an Allerseelen darum, dass die Verstorbenen durch die Barmherzigkeit Gottes das Ziel erreichen, auch wenn ihr Leben nicht in allem den Vorstellungen Christi entsprach.

Das andere Fest, Allerheiligen, soll uns aber daran erinnern, dass wir kaum mehr Anstrengung aufbringen müssen als die Lauen, wenn wir nicht nur gerade noch den Eingang zum Himmel finden, sondern darüber hinaus unsere Berufung erkennen und leben wollen, Heilige, das heisst vollkommene Menschen in der himmlischen Vollendung zu werden. Das, was unzählige Menschen schon erreicht haben.

‚Allgemeine Berufung zur Heiligkeit’ nennt dies das Konzil. ‚Eine Botschaft so alt und so neu wie das Evangelium’, sagt der hl. Josefmaria.

Warum muss Halloween zeitlich mit diesen ernsten und schönen Festen zusammen fallen? Hat da jemand ein Interesse daran, die Menschen abzulenken?

Wieviel wesentlicher ist da doch diese andere Stimme aus Amerika:

„Denken Sie an jede Enttäuschung, die Sie jemals erlebten“, schreibt der Neurochirurg Eben Alexander. „Ich spüre, dass alle Verluste, die wir hier auf Erden erdulden müssen, in Wahrheit Varianten eines sehr zentralen Verlustes sind; dem Verlust des Himmels“.

Msgr. Dr. Peter von Steinitz war bis 1980 als Architekt tätig; 1984 Priesterweihe durch den hl. Johannes Paul II.; 1987-2007 Pfarrer an St. Pantaleon, Köln; seit 2007 Seelsorger in Münster. Er ist Verfasser der katechetischen Romane: „Pantaleon der Arzt“, „Leo – Allah mahabba“ (auch als Hörbuch erhältlich) und „Katharina von Ägypten“.

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