Wo er recht hat, hat er recht!

 Muss sich ein Bischof alles, auch die intimsten Fragen gefallen lassen?

Kann man von einem Bischof erwarten, dass er seinen eigenen Glauben verleugnet?

*Interview mit Bischof Vitus Huonder (Ergänzung zum abgedruckten Text in der Sonntagszeitung)

Herr Bischof, warum haben Sie das Thema der Geschiedenen in Ihrem Hirtenbrief gewählt?

Ich wurde in letzter Zeit vermehrt darauf angesprochen. Es ist ein brennendes Thema. Schliesslich ist die Ehe die Keimzelle unserer Gesellschaft.

Sie thematisieren die Ehe und die Scheidung. Waren Ihre Eltern geschieden?

Als ich fünf Jahre alt war, ist mein Vater gestorben. Ich erlebte, dass meiner Mutter auch als Alleinerziehender ein erfülltes Leben geschenkt wurde.

Hat Ihre Mutter wieder geheiratet?

Nein, sie hatte zwar die Möglichkeiten dazu. Aber sie blieb allein.

Wie haben sie den frühen Tod Ihres Vaters erlebt?

Ich war schon als Kind sehr religiös. Darum konnte ich das gut verarbeiten. Mein Vater war für mich ja nicht weg, er ist im Himmel. Für meine drei älteren Geschwister war der Tod des Vaters härter.

Sind Sie in einem religiösen Elternhaus aufgewachsen?

Meine Mutter war sehr gläubig. Sie hat mich immer in die Kirche mitgenommen. Ich wusste schon mit fünf Jahren, dass ich Priester werden möchte.

Wie denken Sie über Scheidung an sich?

Dazu habe ich mich in meinem Brief nur knapp geäussert. Eine Scheidung ist immer schmerzhaft. Es gibt Fälle, etwa bei Gewalt oder Alkoholsucht, wo man zum Schutz eines Partners zu einer Scheidung raten muss, um Schlimmeres zu verhindern. Das ist so auch in der kirchlichen Rechtssprechung vorgesehen.

Aber man muss nach einer Scheidung allein bleiben, um zu den Sakramenten zugelassen zu werden?

Ja.

Haben Sie schon persönlich die Sakramente bei wiederverheirateten Geschiedenen verweigert?

Als junger Pfarrer kam ich ein paar Mal in diese Situation. Man darf sie aber nicht in der Kirche vor den anderen Gläubigen blossstellen. Wenn man durch seine Kontakte erfährt, dass eine Person geschieden und wieder verheiratet ist, muss man das seelsorgerliche Gespräch suchen. Es ist die Aufgabe des Priesters darauf hinzuweisen, unter welchen Bedingungen ein fruchtbarer Empfang der Kommunion möglich ist. Dazu braucht es besonderes Feingefühl.

Wie reagieren die Betroffenen?

Einige sind enttäuscht. Andere sind dankbar und fühlen sich bestärkt, ihren Weg weiterzugehen.

Wenn ein Mann seine Frau schlägt, soll er die Kommunion erhalten?

Das wäre geheuchelt. Wer kann mit Christus in Frieden sein, wenn er so etwas tut?

Warum lassen sich Menschen scheiden, was meinen Sie?

Es gibt so viele Gründe wie Menschen. Sicher hängt es auch damit zusammen, dass die heutige Gesellschaft nicht unbedingt ehe- und familienfreundlich ist. Meist ist eine Scheidung ein Drama, vor allem für die Kinder, die auf Treue und Verzichtbereitschaft der Eltern angewiesen sind. Kinder lernen Entscheidendes von ihren Eltern, auch bezüglich Treue und Reife in schwierigen Situationen.

Wo stehen sie politisch, eher rechts?

Ein Bischof sollte sich politisch nicht äussern. Er muss daran denken, dass er verschiedene Schäfchen hat – von allen Parteien. Er muss für alle besorgt sein. Darum gehöre ich auch zu keiner Partei.

Trägt die CVP das “C” noch zurecht im Namen?

Da gibt es sicher vieles, was man hinterfragen müsste.

*Beliebt waren auch die 10 Gebote nie
Richtigstellung
Bischof Huonder wird bistumsintern “gemobbt”

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