Bewahrung der Schöpfung, Sicherung des Lebensstandards der Bürger

Sollen Christen für den Atomausstieg eintreten?

Mannheim, kath.net/idea, 16. März 2011

EKD-Umweltbeauftragter: So bald wie möglich auf erneuerbare Energie umsteigen – Energiepolitischer Sprecher der CDU-Landtagsfraktion Baden-Württemberg: Bewahrung der Schöpfung und Sicherung des Lebensstandards der Bürger

Angesichts der Katastrophen in Japan wird in Deutschland die Frage diskutiert: Sollte der Betrieb von Atomkraftwerken baldmöglichst eingestellt werden? Prof. Dr. Hans Diefenbacher (Mannheim), Beauftragter des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) für Umweltfragen, plädiert dafür so bald wie möglich auf erneuerbare Energieträger umzusteigen. Für Paul Nemeth (Böblingen), Mitglied des Landtags von Baden-Württemberg, energiepolitischer Sprecher der CDU- Landtagsfraktion und katholischer Christ, ist sowohl die Bewahrung der Schöpfung wie auch die Sicherung des Lebensstandards der Bürger von entscheidender Bedeutung.

PRO (Diefenbacher)

Heute sollten wir überlegen, was wir tun können, um den Menschen in Japan zu helfen. Eine energiepolitische Diskussion ist demgegenüber nachrangig. Die EKD hat sich zur Kernenergie immer wieder und zuletzt in einem Beschluss der Synode vom Herbst 2010 sehr klar geäussert: “Bereits seit 1987 formuliert die Synode der EKD ihre ablehnende Haltung gegenüber dieser Form der Energiegewinnung, die aus ihrer Sicht mit dem biblischen Auftrag, die Erde zu bebauen und zu bewahren, nicht zu vereinbaren ist. Deshalb sollte so bald wie möglich auf erneuerbare Energieträger umgestiegen werden. Im Herbst 2010 hat die Bundesregierung den Energiekonsens aus dem Jahr 2001 aufgehoben und damit eine neue energiepolitische Auseinandersetzung in die Gesellschaft getragen, die zur Erreichung einer zukunftsfähigen Energieversorgung nicht erforderlich gewesen wäre.

Der Umstieg auf erneuerbare Energieträger ist möglich, auch ohne Kernkraft als “Brückentechnologie” zu verwenden. Zwar ist die Eintrittswahrscheinlichkeit eines grossen Unfalls in einem Kernkraftwerk aus technischer Sicht sehr niedrig, doch steigt das Risiko grosstechnischer Anlagen mit hoher Laufzeit wieder an. Das Schadenspotenzial eines solchen Unfalls wäre so gross, dass der weitere Betrieb solcher Anlagen nicht akzeptabel ist. Es gibt Alternativen der Energieversorgung.“

Über die Katastrophe in Japan wissen wir noch viel zu wenig. Es scheint aber so zu sein, dass auch eine sehr umfassende Sicherheitstechnik in hochindustrialisierten Ländern mit Situationen konfrontiert werden kann, die nicht einkalkuliert worden sind. Das sollte auch jene nachdenklich machen, die Atomenergie bislang für beherrschbar hielten.

KONTRA (Nemeth)

Wir sind zutiefst betroffen über die tragischen Ereignisse in Japan. Unser Mitgefühl gehört der japanischen Bevölkerung. Zunächst gilt es, Japan mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln zu helfen. Angesichts der Schäden, die das Erdbeben an japanischen Kernkraftwerken verursacht hat, ist darüber nachzudenken, welche Konsequenzen für die Kraftwerke in Deutschland gezogen werden müssen.

Die Bundesregierung hat schnell und verantwortungsvoll gehandelt und die Laufzeitverlängerung für die Kernkraftwerke für drei Monate ausgesetzt. Gleiches gilt für die Entscheidung von Ministerpräsident Stefan Mappus und Umweltministerin Tanja Gönner, sofort alle baden-württembergischen Kernkraftwerke durch Experten auf ihre Sicherheit zu überprüfen.

Die Sicherheit hat für uns bei der Kernkraft oberste Priorität. Die Sicherheitsstandards für den Betrieb von Kernkraftwerken in Deutschland gehören zu den höchsten weltweit. Auch drohen in Deutschland keine katastrophalen Erdbeben wie in Japan. Sollten sich Gefährdungspotenziale auftun, müssen aber umgehend Konsequenzen gezogen werden. Wenn es aus Sicherheitsgründen notwendig ist, werden wir auch einzelne Kraftwerke abschalten. Gleiches sollten unsere europäischen Nachbarn tun.

Wir müssen aber prüfen, welche Konsequenzen eine mögliche Beschleunigung des Ausstiegs aus der Kernkraft auf die Energieversorgung hat. Es gilt, auch weiterhin die Klimaschutzziele, Versorgungssicherheit und bezahlbare Energiepreise zu gewährleisten. Bei einem schnelleren Ausstieg aus der Kernkraft sind hier Einschnitte zu befürchten. Als Christ sind für mich sowohl die Bewahrung der Schöpfung wie auch die Sicherung des Lebensstandards der Bürger von entscheidender Bedeutung.

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