Papst: Wissenschaft muss aufmerksamer für ihre Folgen werden


Wissenschaftlicher Fortschritt braucht nach Auffassung von Papst Leo mehr Verantwortung für seine Folgen. Vor den Mitgliedern der Päpstlichen Akademie der Wissenschaften warnte er an diesem Donnerstag vor Risiken durch KI, autonome Waffen und den Klimawandel. Zugleich hob er Chancen neuer Technologien für Medizin, Energieversorgung und menschliche Zusammenarbeit hervor

Quelle

An die Mitglieder der Päpstlichen Akademie der Wissenschaften (24. September 2026)/Übersetzung
Päpstliche Akademie der Wissenschaften

Gudrun Sailer – Vatikanstadt

Digitale Technik, KI und Robotik veränderten die Welt schnell und tiefgreifend, doch ihre gesamten Folgen blieben offen, so Leo XIV. Namentlich bei autonomen Waffen verwies der Papst auf Gefahren für Sicherheit und internationalen Frieden, falls ausreichende Schutzmaßnahmen und menschliche Aufsicht fehlen. Zugleich könne die neue Technologie wissenschaftliche Durchbrüche fördern und etwa Diagnose und Behandlung von Krankheiten verbessern.

Deshalb bleibe technischer Fortschritt nie eine rein technische Frage, erklärte der Papst. Jede Technologie spiegele ausdrücklich oder unausgesprochen ein bestimmtes Verständnis vom Menschen, von Gesellschaft und von der Zukunft. „Der wissenschaftliche und technologische Fortschritt muss daher mit einem entsprechenden Maß an Verantwortung einhergehen“, mahnte Leo. „Je größer unsere Macht ist, die Welt zu verändern, desto größer muss auch unsere Fähigkeit sein, zu erkennen, was der von Gott gegebenen Menschenwürde wirklich dient, weise zu regieren und uns um diejenigen zu kümmern, die möglicherweise die schwerwiegendsten Folgen unserer Entscheidungen zu tragen haben.“

Klimawandel ist Frage von Gerechtigkeit, Menschenwürde und Solidarität

Diese Verantwortung verband der Papst mit dem Klimawandel. Dessen Folgen träfen am stärksten arme Menschen und Gemeinschaften mit geringen Möglichkeiten zur Anpassung. Die Klimafrage sei daher zugleich eine Frage von Gerechtigkeit, Menschenwürde und Solidarität zwischen Völkern und Generationen. In dieser Hinsicht formulierte Papst Leo einen Auftrag: „Wir müssen von der Notfallreaktion zur Prävention übergehen, von Verwundbarkeit zu Vorbereitung und von kurzfristigen Maßnahmen zu einer weisen und weitsichtigen Vision für die Menschheit.“ Dies erfordere einen „verantwortungsvollen und differenzierten Umgang mit der Wissenschaft, der Resilienz schafft: einen Ansatz, der sich der Forschung verschreibt, dabei aber von Anfang an die Konsequenzen berücksichtigt, die wissenschaftliche und technologische Entscheidungen für die Menschheit und für die Integrität der Schöpfung haben können.“

Widerstandsfähigkeit gegenüber Klimafolgen verlange Beiträge aus Natur- und Sozialwissenschaft, Ökonomie, Medizin und Technik sowie von lokalen Gemeinschaften und politischen Entscheidungsträgern. In diesem Zusammenhang mahnte der Papst die Mitglieder der Akademie zu mehr Zusammenarbeit über Fach- und Landesgrenzen hinweg. Positiv erwähnte er die Klimagipfel, welche die Akademie in den vergangenen zwei Jahren gemeinsam mit der Päpstlichen Akademie der Sozialwissenschaften und wissenschaftlichen Partnern aus vielen Teilen der Welt organisiert hat. Solche Treffen schafften Räume, in denen Teilnehmende Erfahrungen weitergeben, wissenschaftliche Erkenntnisse in praktisches Handeln übertragen und Menschen aus Wissenschaft, Politik, Zivilgesellschaft, Religionen und der jungen Generation miteinander ins Gespräch kommen.

Zum Abschluss rückte der Papst die ethische Haltung in der Forschung in den Mittelpunkt. Er wünsche sich „eine wissenschaftliche Kultur, die ehrgeizig und zugleich demütig, streng und zugleich offen für Dialog, innovativ und zugleich verantwortlich, global kooperativ und zugleich inklusiv gegenüber den am stärksten gefährdeten und bedürftigsten Menschen ist“. Mit Blick auf die anwesenden jungen Menschen fügte er hinzu: „Wir werden an die Zukunft erinnert durch die jungen Menschen unter uns! Und das ist sehr, sehr wichtig.“ Wissenschaftliche Zusammenarbeit solle als öffentliches Gut dem Frieden dienen, die von Gott gegebene Würde des Menschen schützen, das Gemeinwohl fördern und für die Schöpfung Sorge tragen.

Die Päpstliche Akademie der Wissenschaften ist eine Institution des Heiligen Stuhls mit dem Ziel, den Fortschritt der mathematischen, physikalischen und naturwissenschaftlichen Forschung zu fördern, wobei sie fachübergreifend arbeitet. Ihre Mitglieder, häufig Nobelpreisträger in ihren Disziplinen, werden aufgrund ihrer wissenschaftlichen Leistungen ausgewählt und vom Papst auf Lebenszeit ernannt. Sie müssen nicht notwendigerweise katholisch sein und kommen aus allen Erdteilen. Präsident ist der deutsche Agrar- und Entwicklungsökonom Joachim von Braun.

vatican news, 24. September 2026

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