Marsch fürs Läbe in Zürich startet Petition, um in Innenstadt demonstrieren zu dürfen
Quelle
Marsch für das Leben? – Schweizer Bischofskonferenz
Von Bryan Lawrence Gonsalves

Redaktion – Mittwoch, 16. September 2026
Die Organisatoren des jährlichen Marsch fürs Läbe in Zürich haben eine Petition gestartet, in der sie der Stadt vorwerfen, bei öffentlichen Demonstrationen mit zweierlei Maß zu messen. Die Petition sammelte innerhalb eines Tages 3.000 Unterschriften und erreichte damit rund 60 % ihres Ziels von 5.000 Unterschriften.
Die Petition mit dem Titel „Schluss mit der Zürcher Doppelmoral“ fordert die Stadt auf, der Pro-Life-Demonstration gleichen Zugang zur Innenstadt zu gewähren und transparente Kriterien für die Genehmigung oder Ablehnung von Demonstrationsrouten festzulegen.
Gleiche Behandlung gefordert
Der Marsch fürs Läbe findet am 19. September im Zürcher Stadtteil Oerlikon statt. Damit findet die Veranstaltung bereits das sechste Jahr in Folge außerhalb des Stadtzentrums statt. Die Organisatoren geben an, dass die städtischen Behörden Anträge auf eine Route durch die Innenstadt wiederholt abgelehnt haben, wobei sie auf mögliche Gegenproteste und Sicherheitsrisiken verwiesen.
Die Organisatoren argumentieren wiederum, dass diese Entscheidung einer Ungleichbehandlung gleichkomme, und verweisen auf andere Großdemonstrationen, denen trotz Sicherheitsvorfällen und Sachschäden die Nutzung prominenter Routen durch die Zürcher Innenstadt gestattet wurde.
Als Beispiel nennen sie die Kundgebung am 1. Mai 2026, bei der rund 15.000 Menschen durch die Innenstadt marschierten. Die Zürcher Polizei hatte berichtet, dass maskierte Personen während der Veranstaltung Rauchbomben und Feuerwerkskörper eingesetzt und Sachschäden verursacht hätten. Auch Polizeibeamte seien angegriffen worden, woraufhin schließlich acht Personen festgenommen wurden.
Die Organisatoren verwiesen zudem auf den feministischen Streik vom 14. Juni 2026, bei dem ein Marsch entlang der Bahnhofstrasse und über den Paradeplatz stattfand, und führten dabei Vorfälle wie Graffiti, Leuchtraketen und eine zerschlagene Schaufensterscheibe entlang der Hauptroute an.
Die Organisatoren des Marsch fürs Läbe erklären, diese Fälle hätten die Frage aufgeworfen, warum einer friedlichen Pro-Life-Demonstration eine zentrale Route verwehrt werden solle, nur weil die Möglichkeit bestehe, dass Gegner die Veranstaltung stören könnten.
Veranstalter fechten Sicherheitsauflagen in Zürich an
Die Veranstalter argumentieren, dass Sicherheitsbedenken nicht dazu genutzt werden sollten, den Ort einer Demonstration einzuschränken, wenn die zu erwartende Gefahr eher von Gegendemonstranten als von den Demonstranten selbst ausgeht.
Ihrer Ansicht nach wird durch die wiederholte Verlegung des Marsch fürs Läbe nach Oerlikon die Last potenzieller Unruhen faktisch den Pro-Life-Teilnehmern auferlegt und nicht denen, die drohen, die Veranstaltung zu stören.
Die Organisatoren beantragten im September 2025 und erneut im Februar 2026 die Genehmigung für einen Marsch durch die Zürcher Innenstadt. Beide Anträge wurden abgelehnt, und der Marsch fürs Läbe hat gegen die Entscheidung beim Bezirksrat Berufung eingelegt.
Die Petition fordert die Zürcher Behörden auf, eine gut sichtbare Route festzulegen, die Kriterien für die Festlegung von Demonstrationsrouten offenzulegen und die Gleichbehandlung verschiedener politischer und sozialer Bewegungen zu gewährleisten. Sie richtet sich ausdrücklich an die Zürcher Sicherheitsdirektorin Karin Rykart und den zuständigen städtischen Ausschuss und fordert, dass Sicherheitsvorschriften verhältnismäßig angewendet und transparent kommuniziert werden.
Politische Debatte über Demonstrationsrouten
Der Streit entsteht zu einem Zeitpunkt, an dem der Zürcher Gemeinderat selbst Änderungen bei der Festlegung von Demonstrationsrouten erwägt. Im Juli 2026 reichten Mitglieder der Alternativen Linken (AL), der Grünen und der Sozialdemokratischen Partei (SP) eine parlamentarische Initiative ein, in der standardisierte Demonstrationsrouten gefordert werden. Der Vorschlag sieht für größere Demonstrationen längere Routen durch die Zürcher Innenstadt vor.
Die Organisatoren des Marsch fürs Läbe erklären, eine solche Änderung könne den Bedenken hinter ihrer Petition Rechnung tragen, sofern die daraus resultierenden Vorschriften konsequent angewendet würden.
Die rasche Sammlung von über 3.000 Unterschriften für die Petition erfolgt nur wenige Tage vor dem Marsch fürs Läbe und erhöht den Druck auf die Zürcher Behörden im Streit um die Route.
Der diesjährige Marsch steht unter dem Motto „Together for Life!“ (Gemeinsam für das Leben!) und konzentriert sich auf die Rolle von Männern und Vätern in schwierigen Schwangerschaften, einschließlich der Verantwortung gegenüber ungeborenen Kindern, Partnern und Familien.
Für die Organisatoren geht es zudem in besonderer Weise darum, ob einer friedlichen Pro-Life-Demonstration die gleiche Möglichkeit eingeräumt wird, sich in der Zürcher Innenstadt zu versammeln und zu marschieren wie andere Großdemonstrationen.
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