Patriarch: Menschheit steht größter Bedrohung gegenüber


Angesichts der voranschreitenden Umweltzerstörung und Klimaveränderung hat sich der Ökumenische Patriarch von Konstantinopel, Bartholomaios I., mit einem dramatischen Appell zu Wort gemeldet

Quelle
Bartholomaios in den USA: Klimawandel entschieden angehen
Bartholomaios I

Die Menschheit stehe der größten Bedrohung in ihrer gesamten Geschichte gegenüber, warnt der Patriarch in seinem aktuellen Hirtenwort zum Beginn des orthodoxen Kirchenjahres und des „Weltgebetstag für die Schöpfung“ am 1. September. Es brauche ein fundamentales Umdenken im Blick auf das eigene Menschenbild und das Verhältnis zur Natur, so Bartholomaios. Er fordert wörtlich eine „kopernikanische Wende“ im Blick auf das Verständnis von Fortschritt und das Verhältnis von Menschen und Natur ein.

Das unersättliche Bestreben, die Natur zu beherrschen, zu instrumentalisieren und auszubeuten, werde für das Leben auf der Erde tragisch enden. Der heutige „Mensch, der sich als Gott betrachtet“, setze seinen Weg der Zerstörung der Erde fort. Im Namen geopolitischer Strategien, wirtschaftlicher Interessen, des Konsumismus und der Befriedigung letztlich unersättlicher Bedürfnisse missachte er jedes Maß und jede Grenze, so der Patriarch.

„Sünden der Moderne“

Die „Sünden der Moderne“ hätten „neue Trennungen und Spaltungen zwischen Mensch und Natur hervorgebracht und tun dies weiterhin“. Es sei offensichtlich, dass die Menschheit mit dem vorherrschenden anthropologischen Leitbild ihre eigene Zukunft untergräbt und ihr gemeinsames „Haus“ zerstört.

Bartholomaios wörtlich: „Der Mensch muss endlich aufhören zu handeln, als wüsste er von nichts, und sich endgültig von der Illusion verabschieden, der Planet Erde könne die vom Menschen verursachten Belastungen und Zerstörungen unbegrenzt verkraften oder die Natur besitze die Kraft, sich aus sich selbst heraus stets zu erneuern.“

Verantwortung für den Schutz der Umwelt müsse sich auf globaler, nationaler, lokaler und persönlicher Ebene verwirklichen. Der Patriarch nahm Politik, Wirtschaft, Wissenschaft und Gesellschaft, ebenso aber auch alle Kirchen und Religionen in die Pflicht. Er wolle zudem nachdrücklich wiederholen, dass die Entwicklung eines neuen ökologischen Verantwortungsbewusstseins einen „kategorischen Imperativ“ für die Menschheit darstelle, so der Patriarch.

Bartholomaios erinnert in seinem Schreiben auch an die vielen ökologisch-spirituellen Impulse, die vom Ökumenischen Patriarchat seit 1989 – anfangs unter Patriarch Dimitrios, seit 1991 von ihm – ausgegangen sind. Dabei ging und es gehe es nicht nur darum, die Ursachen der Krise aufzuzeigen, sondern auch darum, neue Wege und Perspektiven zur Bewältigung der Krise zu eröffnen: „Die ökologischen Symposien, die entsprechenden innerchristlichen und interreligiösen Dialoge, die konkreten Stellungnahmen der Kirche von Konstantinopel zu Umweltfragen, die Hervorhebung der sozialen Dimensionen und Folgen der ökologischen Krise sowie zahlreiche weitere Initiativen bilden einen kraftvollen umweltethischen Beitrag.“ – Wie der 86-jährige Patriarch bekräftigt, werde er in diesem Bemühen auch künftig nicht nachlassen.

Schöpfungszeit bis 4. Oktober

Seit 2015 ist der ökumenisch begangene „Schöpfungstag“ am 1. September offiziell als „Weltgebetstag für die Schöpfung“ auch im katholischen Kirchenkalender eingetragen. Bereits 1989 hatte der damalige Ökumenische Patriarch von Konstantinopel, Dimitrios I., „die ganze orthodoxe und christliche Welt“ eingeladen, am 1. September „zum Schöpfer der Welt zu beten: mit Dankgebeten für die große Gabe der geschaffenen Welt und mit Bittgebeten für ihren Schutz und für ihre Erlösung“. Diese Initiative wurde 1992 von der gesamten orthodoxen Kirche begrüßt und übernommen, katholische und evangelische Ortskirchen folgten.

2007 weitete die dritte Europäische Ökumenische Versammlung in Sibiu/Hermannstadt (Rumänien) dies aus und empfahl, „dass der Zeitraum zwischen dem 1. September und dem 4. Oktober dem Gebet für den Schutz der Schöpfung und der Förderung eines nachhaltigen Lebensstils gewidmet wird, um den Klimawandel aufzuhalten“.

Als besondere kirchliche Mahner für mehr Schöpfungsverantwortung gelten der verstorbene Papst Franziskus und Patriarch Bartholomaios I., der Nachfolger von Dimitrios auf dem Patriarchensitz in Konstantinopel. Nicht zufällig hat Franziskus in seiner Enzyklika „Laudato si‘“ den „grünen Patriarchen“ als Vorbild hervorgehoben.

Papst warnt vor Teufelskreis aus Krieg und Umweltzerstörung

Papst Leo XIV. prangert in seiner Botschaft zum diesjährigen Weltgebetstag für die Bewahrung der Schöpfung die soziale und ökologische Zerstörung durch bewaffnete Konflikte an. Krieg hinterlasse Wunden, die weit über das Schlachtfeld hinausreichen, schreibt er in der vom Vatikan am 20. August veröffentlichten Botschaft.

Das Zusammenspiel von bewaffneten Konflikten und Umweltzerstörung führe oft zu einem Teufelskreis, der Ökosysteme zerstöre, lebenswichtige Ressourcen wie Luft und Wasser verschmutze und die Lebensmittelversorgung gefährde, so der Papst: „Dies verschlimmert Armut, Ungleichheit und neue soziale Spannungen, die zur Entstehung weiterer Konflikte beitragen können.“

kap – sk, 30. August 2026
 

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