Gallagher nach Moskau-Reise: „Diplomatie des Hl. Stuhls setzt auf Frieden“
Der vatikanische „Außenminister“, Erzbischof Paul Richard Gallagher, hat nach seiner Russland-Reise den Willen des Heiligen Stuhls zum Dialog mit Moskau bekräftigt
Quelle
Stefano Leszynski – Vatikanstadt *

„Wir haben diesen Dialog bereits vor Jahren aufgenommen, sowohl über die Botschaft der Russischen Föderation beim Heiligen Stuhl als auch durch die Arbeit des Apostolischen Nuntius Giovanni d’Aniello in Moskau“, sagte der Verantwortliche des Staatssekretariats für die Außenbeziehungen in einem Interview mit Vatican News, das an diesem Sonntag veröffentlicht wurde (hier finden Sie den Volltext des Interviews im ital. Original). „Dies unterstreicht das Engagement und die Bedeutung, die wir dieser Reise beigemessen haben, die im Namen des Heiligen Stuhls und mit dem Segen des Papstes unternommen wurde.“
Gallagher hat bei seinen Gesprächen in Moskau mehrfach erklärt, dass der Ukraine-Krieg durch Dialog und eine Rückkehr zur Diplomatie beendet werden müsse. „Ja, es ist kein einfacher Dialog, denn je länger der Krieg andauert, desto schwieriger wird es, die Beziehungen wieder aufzunehmen: Es gibt so viele Opfer, so viele offene Wunden. Aber wir wissen sehr gut, dass historisch gesehen alle Konflikte, alle Kriege mit Verhandlungen und einem Abkommen enden und dass dann damit begonnen wird, die Beziehungen zwischen den ehemaligen Kriegsparteien wiederherzustellen. In diesem Sinne bietet und verspricht die Diplomatie eine mögliche Lösung.“
„Wir wissen sehr gut, dass historisch gesehen alle Konflikte, alle Kriege mit Verhandlungen und einem Abkommen enden“
Der russische Außenminister Sergej Lawrow erklärte nach seiner Begegnung mit Erzbischof Gallagher in einem Interview, der Besucher aus dem Vatikan habe sich im Wesentlichen auf einen allgemeinen Appell beschränkt, den Ukraine-Krieg schnellstmöglich zu beenden. Gallagher: „Ja, das stimmt, das ist genau unsere Linie, an der wir stets festgehalten haben. Der Heilige Stuhl geht nicht auf Einzelheiten der Verhandlungen ein und schlägt auch keine technischen Lösungen vor, da dies in der direkten Verantwortung der kriegführenden Parteien liegt. Der Heilige Stuhl erinnert hingegen an diese Verantwortung und ruft dazu auf, guten Willen zu zeigen, um ernsthaft einen Dialog in Gang zu bringen. Dabei wendet er sich sowohl an die Russische Föderation als auch an die Ukraine und an andere Länder und fordert, dass keine Mühen gescheut werden, um Raum für den Dialog zu schaffen.“
Der britische Kurienerzbischof betont die Bedeutung humanitärer Aktionen. „Diese Dimension ist von grundlegender Bedeutung, und in diesem Bereich leistet der Heilige Stuhl bereits seinen Beitrag – ein Engagement, das bislang sehr geschätzt wurde. Auch der Heilige Vater hat mir vor seiner Abreise gesagt: Man muss den humanitären Aspekt in den Vordergrund stellen. Und genau das haben wir getan.“
„Es scheint, als sei eine direkte Einbindung unserer diplomatischen Vertretungen nicht erwünscht“
Der Vorsitzende der italienischen Bischofskonferenz, Kardinal Matteo Zuppi, wird schon bald ebenfalls nach Moskau reisen. Zuppi wurde schon vom verstorbenen Papst Franziskus zum Sonderbeauftragten ernannt, um Wege zu einem Frieden im Ukraine-Krieg auszuloten. „Wir hoffen, dass die Friedensmission von Kardinal Zuppi fortgesetzt wird und dass er bald nach Moskau zurückkehren kann, auch um mitzuerleben, was die Ortskirche und die katholischen Gemeinden leisten.“
In Moskau hatte Gallagher erklärt, der Heilige Stuhl biete seine „guten Dienste“ an, um Wege zu neuen Verhandlungen für einen Frieden im Ukraine-Krieg zu öffnen. „Dieses Angebot haben wir bereits in der Vergangenheit unterbreitet, doch bisher ist es nicht konkretisiert worden. Es scheint, als sei eine direkte Einbindung unserer diplomatischen Vertretungen nicht erwünscht. Dennoch wurde die Geste gewürdigt – die Tatsache, dass wir uns nicht aus der Verantwortung ziehen.“
„In der heutigen Welt kann niemand etwas alleine lösen“
Gallagher betont, dass die Botschaft des Heiligen Stuhls klar sei: „In der heutigen Welt kann niemand etwas alleine lösen. Sowohl Russland als auch die Ukraine brauchen die internationale Gemeinschaft, sie brauchen ihre Bündnisse, und indem wir unsere guten Dienste anbieten, signalisieren wir beiden Seiten, dass der Heilige Stuhl bereit ist, in jeder erdenklichen Weise zu helfen. Sie müssen nur darum bitten, und wir werden alle unsere Ressourcen zur Verfügung stellen – die zwar bescheiden sind, wie wir zugeben, aber es ist eine Geste, die wir in gutem Glauben tun.“
Mit dem russischen Außenminister habe der Heilige Stuhl schon seit Jahren „einen offenen Gesprächskanal“; dabei gehe es nicht nur um die Ukraine. „Russland ist sehr stark mit seiner orthodoxen christlichen Tradition verbunden, und es besteht eine gemeinsame Sorge um alle Christen, die in verschiedenen Teilen der Welt mit Schwierigkeiten konfrontiert sind. Es gibt Länder, in denen es streng genommen nicht korrekt ist, von Verfolgung zu sprechen, in denen jedoch Unsicherheit herrscht, in denen es Diskriminierung, Vorurteile und Ausgrenzung gibt, und auch Russland macht sich Gedanken über diese Themen. Dies ist ein Bereich, in dem wir versuchen, unser gemeinsames Engagement zu erneuern.“
„Russland ist sehr stark mit seiner orthodoxen christlichen Tradition verbunden, und es besteht eine gemeinsame Sorge um alle Christen, die in verschiedenen Teilen der Welt mit Schwierigkeiten konfrontiert sind“
In seinem Interview mit den Vatikanmedien ging Erzbischof Gallagher auch auf seine Begegnung mit dem Leiter des Außenamts des russisch-orthodoxen Patriarchats, Antonij, ein. „Zwischen Metropolit Antonij und dem Heiligen Stuhl besteht ein sehr herzliches, brüderliches Verhältnis. Er kommt oft zu Besuchen beim Heiligen Vater, beim Staatssekretär, Kardinal Pietro Parolin, und bei mir. Es handelte sich dabei nicht um ein Treffen zum ökumenischen Dialog im engeren Sinne, der in die Zuständigkeit des Dikasteriums zur Förderung der Einheit der Christen fällt, sondern wir hielten es für angebracht, uns zu treffen, um verschiedene Themen zu erörtern, die auch mit der aktuellen Lage zusammenhängen. Es war ein sehr ermutigendes Treffen, das gezeigt hat, dass wir sehr viele Dinge teilen, auch wenn wir in einigen Fragen unterschiedliche Ansichten haben; gleichzeitig versuchen wir jedoch, uns gegenseitig zu ermutigen, den Weg des Evangeliums zu gehen.“
* Die deutsche Fassung des Interviews wurde von Stefan v. Kempis erstellt und bearbeitet.
vatican news, 30. August 2026
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