Christenverfolgung in Indien

Die christliche Minderheit in Indien sieht sich nach Einschätzung des Hilfswerks Open Doors zunehmenden Anfeindungen, Diskriminierungen und gewaltsamen Übergriffen ausgesetzt. Das Land belegt derzeit Platz zwölf auf dem Weltverfolgungsindex der Organisation. Im Gespräch mit Radio Horeb erläutert Open-Doors-Referent John Park die Hintergründe dieser Entwicklung, die in der westlichen Öffentlichkeit häufig unterschätzt werde

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Mit rund 72 Millionen Menschen stellen Christen etwa fünf Prozent der indischen Gesamtbevölkerung dar. Viele von ihnen gehören der untersten gesellschaftlichen Schicht des traditionellen Kastensystems an. Die Ursachen für den steigenden Druck liegen nach Angaben des Hilfswerks vor allem in einem politisch erstarkten, extremistischen Hindunationalismus. Besonderen Repressalien sehen sich Personen ausgesetzt, die aus dem Hinduismus zum christlichen Glauben übertreten, da dies in Teilen der Gesellschaft als Abkehr von der eigenen Kultur wahrgenommen wird.

Als wesentlicher Treiber der staatlichen und gesellschaftlichen Überwachung gelten sogenannte Anti-Bekehrungsgesetze. Diese Vorschriften verpflichten Bürger dazu, einen Religionswechsel behördlich zu melden, was das Risiko gesellschaftlicher Sanktionen und gezielter Drangsalierungen durch lokale Mobs oder Verwaltungsstellen erhöht. Die Ausgrenzung zeige sich sowohl im Alltag, etwa bei der Verteilung von Hilfeleistungen in Krisenzeiten, als auch in Form physischer Gewalt gegen Einzelpersonen und Gemeinden.

Dass die religiöse Unterdrückung in Indien in Europa vergleichsweise wenig Wahrnehmung findet, führt der Referent auf eine verbreitete Distanz zu den Lebensrealitäten in anderen Regionen zurück. Trotz der schwierigen Rahmenbedingungen verwies der Verbandsvertreter auf juristische Initiativen verschiedener christlicher Konfessionen, die gemeinsam versuchen, gerichtlich gegen strittige Konversionsgesetze vorzugehen.

radio horeb – mg, 13. August 2026

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