Die Kurden brauchen Solidarität
Warum der einseitige Waffenstillstand der PKK nicht von allen Kurden optimistisch aufgenommen wurde, schildert der Nahost-Experte Kamal Sido in einem Gastkommentar
20.03.2025
Kamal Sido
Im Irak und in Syrien seien insgesamt 24 “Terroristen” neutralisiert worden, teilte das türkische Verteidigungsministerium am Donnerstag, 13. März, mit – zwei Wochen nach der als “historisch” bezeichneten Erklärung des PKK-Gründers Abdullah Öcalan zur Niederlegung der Waffen. Auch in Nordsyrien setzt die Türkei ihre Angriffe auf Kurden unvermindert fort. “Am 16. März hat eine türkische Kampfdrohne ein Haus südlich der Stadt Kobane im Dorf Berxbotan bombardiert und eine ganze Familie fast ausgelöscht. Die beiden Eltern und sieben Kinder der kurdischen Familie wurden getötet, zwei weitere Personen überlebten verletzt”, berichteten die Behörden vor Ort.
Diese Meldung verdeutlichen, warum der einseitige Waffenstillstand der PKK nicht von allen Kurden optimistisch aufgenommen wurde. Denn Frieden braucht zwei Seiten und es gibt keine Anzeichen dafür, dass die Türkei ein Minimum an Rechten für die Kurden akzeptiert. Im Gegenteil, Kurden, die sich für Freiheit und Frieden in Kurdistan und in der Türkei einsetzen, werden inhaftiert. In Syrien versucht die Türkei weiter mit allen Mitteln, eine Autonomie der Kurden mit Bomben zu zerstören. Erdogan fühlt sich dabei durch die Unterstützung der NATO und des internationalen sunnitischen Islamismus gestärkt.
Ob der einseitige Friedensschluss gelingt, bleibt abzuwarten
Die Kurden, darunter die PKK und Abdullah Öcalan, haben seit mindestens 1992 immer wieder einseitige Waffenstillstände erklärt und ihren Willen bekundet, die Waffen für immer niederzulegen. Der türkische Staat hat darauf nie reagiert, sondern den Krieg verschärft, Massenmorde begangen und Massenverhaftungen durchgeführt, bei denen auch gewählte Volksvertreter und Journalisten verhaftet wurden. Parteien wurden verboten, gewählte Bürgermeister abgesetzt. Auch im Exil lebende Kurden wurden von der Türkei ermordet.
Ob der erneute Versuch eines einseitigen Friedensschlusses gelingt, bleibt abzuwarten. Auch wenn die aktuellen Entwicklungen nichts Gutes erahnen lassen, der erneute Versuch Öcalans, miteinander zu reden, ist tausendmal besser, als weiter aufeinander zu schießen. Damit dieser Versuch nicht erfolglos bleibt, brauchen die Kurden Solidarität – auch aus Deutschland.
Der Autor ist Nahostreferent der Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV)
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