Heiliger Stuhl: Mehr Mittel gegen Armut statt für Konflikte

Der Heilige Stuhl warnt vor einem wachsenden Ungleichgewicht zwischen Militärausgaben und Entwicklungshilfe. Vor dem UN-Handels- und Entwicklungsrat in Genf forderte die vatikanische Delegation, bei Handels- und Entwicklungspolitik die Bedürfnisse der Menschen stärker in den Mittelpunkt zu stellen

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Laut Redetext verwies die vatikanische Delegation an diesem Mittwoch auf die anhaltend hohe Armut, wachsende Schulden und Ernährungsunsicherheit. Besonders kritisch sieht der Heilige Stuhl die Entwicklung bei den internationalen Ausgaben. Während weltweit immer mehr Mittel für militärische Zwecke eingesetzt würden, sei die öffentliche Entwicklungshilfe für die am wenigsten entwickelten Länder 2025 um mehr als 25 Prozent auf 23,5 Milliarden US-Dollar zurückgegangen. Konflikte gehörten zugleich zu den wesentlichen Ursachen von Ernährungsunsicherheit. Die Delegation brachte das Missverhältnis mit deutlichen Worten auf den Punkt: Konflikte würden eher „gefüttert“, als dass Menschen ernährt würden. Darin zeige sich ein grundlegendes Ungleichgewicht politischer und moralischer Prioritäten.

Mehr als 550 Millionen Menschen betroffen

Die am wenigsten entwickelten Länder stellen weniger als ein Fünftel der Weltbevölkerung, zugleich lebt dort die Hälfte aller Menschen, die von multidimensionaler Armut betroffen sind: Das seien mehr als 550 Millionen Menschen. Auch die Verschuldung verschärfe die Situation: 2024 habe deren nominaler Wert 774 Milliarden US-Dollar erreicht. Hinter diesen Zahlen stünden Menschen, deren von Gott gegebene Würde allzu häufig missachtet werde, betonte die Delegation. Sie verwies dabei auch auf Papst Leo XIV., der davor warnt, wirtschaftliches Wachstum mit einer umfassenden menschlichen Entwicklung gleichzusetzen. Zwar sei der Wohlstand gestiegen, gleichzeitig hätten jedoch auch Ungleichheiten und neue Formen der Armut zugenommen.

Hunger und Entwicklung zusammendenken

Besondere Sorge äußerte der Heilige Stuhl über die Ernährungslage. Fast 70 Prozent aller weltweiten Ernährungskrisen der vergangenen 15 Jahre hätten die am wenigsten entwickelten Länder getroffen. Die UNO solle deshalb weiterhin dazu beitragen, die strukturellen Ursachen von Ernährungsunsicherheit zu bekämpfen. Handels- und Entwicklungspolitik müsse dabei den Menschen ins Zentrum stellen. Zugleich brauche es auch langfristige Unterstützung für Länder, die den Status eines am wenigsten entwickelten Landes verlassen. Der Heilige Stuhl sprach sich für ein spezielles UNO-Unterstützungsprogramm aus, das diese Staaten während des Übergangs und auch danach begleiten soll. Ein erfolgreicher Entwicklungsschritt müsse so gestaltet werden, dass die Länder auch für neue Herausforderungen besser gerüstet seien.

unctad – vo, 16. September 2026

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