Aussagen von Papst Leo zu Krieg und Frieden
Papst-Biograf George Weigel ordnet Aussagen von Papst Leo zu Krieg und Frieden ein
2. April 2026
Mit ungewöhnlicher Schärfe hat Papst Leo XIV. am Palmsonntag den Krieg verurteilt. Gott höre “nicht auf die Gebete derjenigen, die Krieg führen”, sagte er unter Berufung auf den Propheten Jesaja. “Auch wenn ihr noch so viel betet, ich höre nicht; eure Hände sind voller Blut.”
Zur Einordnung sprach Christian Peschken (EWTN) für CNA Deutsch mit George Weigel. Er ist Distinguished Senior Fellow am Ethics and Public Policy Center in Washington und Biograf von Papst Johannes Paul II. Der international renommierte katholische Intellektuelle befasst sich seit Jahrzehnten mit Fragen von Krieg, Frieden und moralischer Verantwortung.
In einer jüngsten Stellungnahme griff Papst Leo XIV. biblische Worte auf und erklärte, Gott “höre nicht” auf die Gebete derjenigen, deren Hände “voll Blut” sind. Ist dies primär als innerchristliche moralische Mahnung zu verstehen oder als universale Kritik, die auch nichtchristliche Akteure einschließt – etwa islamische Akteure, die im Kontext von Krieg, einschließlich der aktuellen Lage im Iran, Gott anrufen?
Es scheint mir, dass Papst Leo die Welt an eine Wahrheit erinnert hat, die auch seinen Vorgängern im Petrusamt vertraut gewesen wäre: Der Gott der Bibel kann weder wünschen noch – erst recht nicht – gebieten und schon gar nicht segnen, dass Unschuldige vorsätzlich getötet werden.
Wie verhält sich diese Aussage zur klassischen Lehre vom gerechten Krieg, wie sie von Augustinus und Thomas von Aquin entwickelt wurde – insbesondere im Hinblick auf die moralische Legitimität von Gewalt unter bestimmten Bedingungen?
Die Lehre vom gerechten Krieg hat sich über nahezu 15 Jahrhunderte hinweg entwickelt, um die stets komplexe Frage zu beantworten, wann und wie der verhältnismäßige und auf Unterscheidung bedachte Einsatz bewaffneter Gewalt zur Wiederherstellung oder Schaffung eines Friedens der Ordnung beitragen kann – dessen, was Augustinus tranquillitas ordinis nannte, ein Friede, der aus Sicherheit, Gerechtigkeit und Freiheit besteht. Dass dies unter bestimmten Umständen tatsächlich möglich ist, gehört seit Jahrhunderten zur gefestigten Auffassung der maßgeblichen christlichen Moraltradition.
Heute jedoch wird bisweilen übersehen, dass das Streben nach einem gerechten Frieden Teil der moralischen Struktur eines “gerechten Grundes” ist, für den Staaten Krieg führen können; denn wenn Krieg nicht auf die Wiederherstellung oder Schaffung eines solchen Friedens der Ordnung ausgerichtet ist, dann ist er bloßes Gemetzel. Ziel und Mittel – der Friede als tranquillitas ordinis und der verhältnismäßige, differenzierende Einsatz von Gewalt – stehen daher nicht im Widerspruch. Natürlich rechtfertigt ein gutes Ziel nicht jedes Mittel. Aber wenn ein gutes Ziel keine angemessenen Mittel rechtfertigt – was dann?
Kann die in solchen biblischen Begriffen formulierte Zurückweisung des Gebets als universal für alle Formen von Krieg verstanden werden, oder muss sie im Licht der moralischen Unterscheidung zwischen gerechten und ungerechten Formen von Gewalt gelesen werden?
Es ist für Katholiken vollkommen legitim, für die Wiederherstellung oder Schaffung von Frieden zu beten und zugleich für die Niederlage böser Akteure in der Weltpolitik – und zwar durch moralisch angemessene Mittel.
Wie wird innerhalb der katholischen Theologie die Wirksamkeit des Gebets im Verhältnis zur moralischen Verantwortung verstanden – insbesondere: Können diejenigen, die in gutem Gewissen in einem gerechten Krieg handeln, darauf hoffen, dass ihre Gebete von Gott gehört werden?
Als der Papst von Menschen mit “Blut an den Händen” sprach, kann ich mir nicht vorstellen, dass er damit jeden meinte, der zu den Waffen greift; er ist ein guter Augustiner und weiß, dass es unter den Bedingungen der Lehre vom gerechten Krieg gerechtfertigte Anwendungen militärischer Gewalt gibt. Daher wiederhole ich: Es gibt aus katholischer Sicht keinerlei Problem damit, für den Frieden zu beten und zugleich für die Niederlage jener, die unterschiedslos und böswillig das Blut Unschuldiger vergießen, um schlechte Ziele zu erreichen.
Birgt die Formulierung des Papstes die Gefahr einer theologischen Spannung zur Lehre der Kirche, die legitime Verteidigung – selbst unter Einsatz tödlicher Gewalt – als moralisch zulässig anerkennt (vgl. Katechismus der Katholischen Kirche, 2307–2317)?
Ich denke, Sie lesen viel zu viel in die leidenschaftliche und im Grunde ganz traditionelle Mahnung des Papstes am Palmsonntag hinein, Gott nicht in blasphemischer Weise zur Unterstützung böser Ziele in Anspruch zu nehmen – so wie es etwa Patriarch Kirill von Moskau wiederholt getan hat, um den russischen Krieg gegen die Ukraine zu rechtfertigen, und wie es auch bestimmte Strömungen im dschihadistischen Islam regelmäßig tun.
Wie lässt sich diese Aussage in den weiteren lehramtlichen Kontext der Kirche einordnen, der Frieden, Umkehr und die moralischen Grenzen von Gewalt betont, ohne dabei die prinzipiellen Kriterien der klassischen Lehre vom gerechten Krieg zu untergraben?
Indem wir uns – wie bereits gesagt – daran erinnern, dass die Lehre vom gerechten Krieg im Dienst des Friedens steht.
Hinweis: Interviews wie dieses spiegeln die Ansichten der jeweiligen Gesprächspartner wider, nicht notwendigerweise jene der Redaktion von CNA Deutsch.
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