Ein geistiger Sohn Johannes Pauls II.

Neuevangelisierung – Von der Inspiration zur weltweiten Bewegung: Wie Bischof Robert Barron die digitale Evangelisierung revolutionierte

Quelle
Bischof Barron

05.04.2025

Theresa Fehlner

“Wenn Gott Dir eine Inspiration gibt, etwas zu tun, und es ist eine gute Sache, die es wert ist, getan zu werden, dann vertrau darauf. Vertrau darauf, dass die Vorsehung sich um dich kümmern wird.”

Das Schöne, Gute und Wahre

Ganz im Sinne Hans Urs von Balthasars, dessen Werk Bischof Barron genau kennt, fokussiert er auf die drei Faktoren: das Schöne, Gute und Wahre. Er sagte: “Mit der Wahrheit zu beginnen, ist kein guter Anfang…”. Wenn man evangelisieren möchte, “muss man mit der Schönheit beginnen, sie ist weniger bedrohlich und viel anziehender.”

So nutzte er das Frühprogramm des Chicagoer Radiosenders WGN am Sonntagmorgen, um von der Schönheit des Glaubens zu sprechen. Auf Anraten eines Freundes entschloss er sich, die begrenzte Zuhörerschaft des regionalen 5-Uhr-Radio-Programms zu erweitern und die aufgezeichneten Radiopredigten online zu stellen, sodass jederzeit darauf zugegriffen werden konnte.

Krise des Glaubens im “beigen Katholizismus” begründet

Etwa zu dieser Zeit wandte sich Papst Johannes Paul II. mit dem Auftrag der Evangelisierung an den damaligen Erzbischof von Chicago, Kardinal Francis George. Auf der Suche nach einem geeigneten Priester beauftragte dieser schließlich Pfarrer Robert Barron, der die Krise des Glaubens und der Kirche in einem “beigen Katholizismus” begründet sah.

“Mit dieser Bezeichnung”, so Barron, “meinte ich einen Glauben, der kulturell angepasst, händeringend und unsicher geworden war; eine Kirche, die es zugelassen hatte, dass ihre charakteristischen Farben gedämpft und ihre scharfen Kanten abgestumpft wurden.”

Um die Jahrtausendwende gründete Bischof Barron die Initiative Word on Fire Catholic Ministries. Sie feiert in diesem Jahr ihr 25-jähriges Bestehen und wächst. Barron schreibt: “Word on Fire entwickelte sich als praktischer Ausdruck dieser theoretischen Überzeugungen. Ich wollte nicht einfach nur ein Problem benennen und über eine Lösung spekulieren; ich wollte vor allem einen konkreten Beitrag zu dieser Lösung leisten.”

Mit seiner Leidenschaft, Begeisterung und Freude für den Glauben steckte er eine rasant wachsende Gruppe hauptsächlich junger Menschen an, die sich wenig in der Kirche und viel in den neuen Medien bewegen. Barron erkannte, dass er diese Kommunikationskanäle und Medien nutzen musste, um diejenigen zu erreichen, die nie eine Heimat im Glauben finden konnten, deren Fragen nie beantwortet wurden, oder die sich von der Kirche entfernt hatten.

Klare, direkte und liebevolle Glaubensvermittlung

Die Klarheit und Direktheit mit der er auf liebevolle Art, verständlich und ansprechend den Glauben vermittelt, macht die Anziehungskraft seiner Predigten, Vorträge und Schriften aus. So findet man Word on Fire und Bischof Barron selbst mittlerweile auf Instagram und X, oder er tauscht sich mit den jungen Menschen auch mal auf Plattformen wie Reddit aus, stellt sich stundenlang den Fragen und auch Angriffen der User und schreckt dabei nicht vor schwierigen oder kontroversen Themen zurück.

Im Laufe der Jahre wuchs das Team rund um Bischof Barron, und im gleichen Maße wuchs seine Präsenz in den sozialen Medien: Sein YouTube-Kanal erreicht mittlerweile Millionen von Menschen; er ist Gast in Radio- und Fernsehsendungen, gefragt als Keynotespeaker großer Tagungen, spricht vor der Belegschaft großer Konzerne wie Google oder Facebook, schreibt Artikel und Bücher, gibt ein vierteljährliches Magazin zur Evangelisierung der Kultur heraus und dreht Filme.

Neuevangelisierung zum Auftrag gemacht

Auf Wunsch kann man sich tägliche E-Mail-Reflexionen zum Tagesevangelium und die sonntäglichen Predigten zuschicken lassen, die mittlerweile als Video im eigenen Word-on-Fire-Studio aufgenommen werden. Seine Ausrichtung und sein Auftrag sind dabei immer klar. So schreibt er: “Word on Fire steht zum Zweiten Vatikanischen Konzil, zu Johannes Paul II., zu Papst Benedikt XVI., zu Papst Franziskus, zum Katechismus von 1992 und hat sich die Neuevangelisierung zum Auftrag gemacht. Word on Fire will weder vor der Kultur kapitulieren noch sie verteufeln, sondern sich im Geiste des heiligen John Henry Newman auf sie einlassen, ihr dort widerstehen, wo sie es muss, und sich das aneignen, was sie kann.”

Bischof Barron versteht sich selbst dabei als Instrument der Glaubensvermittlung und führt das Wachstum von Word on Fire auf das Wirken des Heiligen Geistes, auf das Fundament des Gebetes und auf die leidenschaftliche und professionelle Arbeit seines großen Teams zurück.

Barrons Mission erschöpft sich aber nicht darin, die Menschen zurück in die Kirche zu holen. Zukunftsorientiert liegt ihm die Ausbildung und Weiterbildung der Laien am Herzen, deren Platz er, ausgestattet mit der gleichen Leidenschaft und mit fundiertem Wissen, in der Alltagsevangelisierung, in den Familien, im Freundeskreis und im Beruf sieht.

Vermittlung von theologischem, philosophischem und kulturellem Wissen

So gründete er 2018 das Word on Fire Institute. Hier bekommen Gläubige, aber auch solche, die es werden wollen, und diejenigen, die Interesse an den christlichen Themen haben, theologisches, philosophisches und kulturelles Wissen vermittelt. Online kann man an den verschiedenen Kursen des Instituts teilnehmen, die von Dozenten großer Universitäten und Experten verschiedener Fachrichtungen geleitet werden.

Das Institut bietet außerdem die Möglichkeit, sich mit den Teilnehmern weltweit zu verbinden, sich in Online-Workshops und Seminaren auszutauschen sowie in der gemeinsamen Diskussion und im Gebet den Glauben zu teilen.

Acht Prinzipien der Word-on- Fire-Bewegung

Im Juni 2024 startete ein von Word on Fire und der University of St. Thomas Houston in Texas gemeinsam eingerichteter Studiengang. In einer Hybridform aus Präsenz- und Online-Studium kann man dort den Master of Arts in Evangelization and Culture erwerben.

Der Studiengang wurzelt, wie auch das Word-on-Fire-Institute in den acht Prinzipien der Word-on- Fire-Bewegung, nämlich in einer unerschütterlichen Christozentrik, in der Evangelisierung der Kultur, in einem besonderen Engagement für die neuen Medien, in der Verwurzelung im mystischen Leib, im Denken und Fühlen mit der Kirche und ihrem Lehramt, im Weg der Schönheit, im kollaborativen Apostolat und im Fundament in der Eucharistie. Ziel des Studienganges ist es, die “reichen philosophischen, theologischen, moralischen und künstlerischen Traditionen der Kirche, sowohl die klassischen als auch die zeitgenössischen, nutzen zu können, um die Kultur zu evangelisieren…”

Ob es Bischof Barron und seinem Team gelingt, die Kultur, die Gesellschaft und die Menschen weiterhin zu erreichen, wird die Zukunft zeigen. Bischof Barron setzt all seine Talente dafür ein, dass Word on Fire weiterwächst. Am 15. Januar verkündete er die Gründung einer Kongregation und etabliert damit ein neues Modell priesterlicher Gemeinschaft.

Zunächst soll eine Gruppe von etwa fünf Priestern und fünf Novizen eine Gemeinschaft bilden, die unter einer geistlichen Regel leben, die Barron bereits entworfen hat. Neben einer theologischen und seelsorgerischen Ausbildung sollen sie vor allem in der digitalen Missionsarbeit geschult werden.

“Katholizismus der heiligen Päpste”

Die Gefahren, die die sozialen Medien mit sich bringen können, sieht Bischof Barron, aber er sieht auch die Chance, die sie bieten, und bespielt sie, als sei er selbst ein “Digital Native”. Das kann er tun, weil er ein Team hinter sich hat, das mit der gleichen Freude am Glauben ausgestattet ist, wie er selbst.

Seine digitale Missionsarbeit nimmt er genauso ernst wie seine traditionellen pastoralen Aufgaben innerhalb seiner Diözese. “Ich habe versucht, Word on Fire auf dem Weg zu einem evangelikalen Katholizismus zu verorten”, damit meint er weder den liberalen noch den extrem traditionalistischen Katholizismus, sondern einen “Katholizismus der heiligen Päpste, die mit dem Zweiten Vatikanischen Konzil verbunden sind, einem lebendigen Katholizismus.”

Seine Aufgabe und sein Auftrag und die seines Teams ist die Mission. Barron spricht dabei genau das an, was uns Suchenden in der Regel als Erstes ins Auge fällt: die Schönheit, die in den Dingen zu finden ist. Word on Fire und Bischof Barron sind untrennbar miteinander verbunden, weil sich in ihnen beiden dieser Funke widerspiegelt, der so anziehend ist, mit dem alles begann und der sich zu einem Feuer entfaltet hat.

Bischof Robert Barron wird in diesem Jahr mit dem Josef-Pieper-Preis ausgezeichnet. Die Verleihung findet am Sonntag, 27. Juli, im Rahmen eines Symposions im Priesterseminar Borromaeum in Münster statt. Die Laudatio wird der Passauer Bischof Stefan Oster halten.

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