Leben mit Gott – Friede, Freude, Feierabend
Das Familienleben bereichern und den Tag mit Gott ausklingen lassen: Wie man den Feierabend gestaltet, ohne dabei in Leistungsdruck zu verfallen
Quelle
Heilige Familie
Heilige Familie (40)
03.03.2025
Michael K. Hageböck
Als kleine Schwester des Sonntags ist der Feierabend jene Phase am Tag, wo Fünfe gerade sein dürfen, also die fünf Finger unserer Hand ausruhen können und man nicht mehr alles so genau nehmen muss – ob die Fünf eine gerade Zahl ist, spielt nach Dienstschluss und wenn alle privaten Pflichten erledigt sind, nur noch eine untergeordnete Rolle.
Während viele Erwerbstätige ihrem Chef gegenüber Rechenschaft ablegen müssen, welchen Tätigkeiten sie wann nachgehen, gehört es zum Wesen der Freizeit, dass sie oft improvisiert zerrinnt und manche Eltern sich erst fragen, wohin sie geflossen ist, wenn die eigenen Kinder das Heim verlassen haben. Neben den Ferien und den Wochenenden bietet der Feierabend eine kurze und leider viel zu seltene Möglichkeit, als Familie zusammenzufinden, um das häusliche Miteinander bewusst zu leben: Anteil zu nehmen, Freude und Leid zu teilen, sich auszutauschen, vertraut zu werden.
Geplant statt verplant
Der Feierabend kann erst beginnen, wenn der Einkauf abgeschlossen, die Fahrdienste erledigt und das Vereinsengagement abgehakt sind. Solange Kleinkinder zu versorgen sind, wird es schwierig, außerhalb der Mahlzeiten alle an einen Tisch zu bringen und sobald die Pubertät beginnt, verfolgt jeder eigene Interessen. Wie kann man den Tag gemeinsam beschließen, ohne dass der Einzelne von gängelnd empfundenen Vorgaben genervt wird? Wo Menschen zusammenleben, brauchen sie Absprache. Nur so können unterschiedliche Bedürfnisse berücksichtigt und Frust vermieden werden. Obwohl jeder auch gerne einmal etwas für sich unternimmt, wäre es auf Dauer bedrückend, wenn die Familie das Wohnzimmer lediglich als Raum wahrnimmt, wo man einander aus dem Weg geht. Wir sind nicht nur Individuen, sondern auch soziale Lebewesen und unsere grundlegende Gemeinschaft bildet die Familie.
Das Nebeneinander wird zum Miteinander, sobald man Haushaltsführung und soziale Teilhabe aufeinander abstimmt, damit sich die Freizeit der einzelnen Familienmitglieder überlappt und auf diese Weise ein gemeinsamer Feierabend entsteht. Bestimmt lassen sich Termine so synchronisieren, dass man einen Wochenplan erstellen kann, der zeigt, wer an welchem Abend keine Verpflichtungen hat, um dann über Angebote nachzudenken, zu denen sich jeder nach Lust und Laune einklinkt. Sicher werden nur gelegentlich alle beisammen sein können, doch mit etwas gutem Willen lassen sich Zeitfenster freischaufeln, an denen mal die einen, mal die anderen zusammenfinden.
Wer sein Leben ordnen will, ist gut beraten, Prioritäten zu setzen: Für Christen sollte Gott an erster Stelle stehen, für Verheiratete kommt gleich danach der Ehepartner, gefolgt von den Kindern. Verwandtschaft, Freunde und Steckenpferde sollten aber auch nicht unter den Tisch fallen – allerdings dürfte der Ärger vorprogrammiert sein, wenn sich der Vater in erster Linie mit seinen Kumpels trifft oder die Mutter sich vor allem ihren Hobbys widmen möchte. Der Feierabend ist zunächst dem Kreis der Familie vorbehalten, doch gelegentlich geübte Gastfreundschaft beschenkt nicht nur Dritte, sondern bereichert auch die häusliche Gemeinschaft. Nie dürfen wir Alleinstehende aus dem Blick verlieren! Schön ist es, die Großeltern zu einem Brettspiele-Abend einzuladen, sie von früher erzählen zu lassen oder ihnen die Enkel anzuvertrauen, damit die Eltern einmal etwas als Paar unternehmen können.
Den Tag mit Gott ausklingen lassen
In jeder Familie ist es der Überlegung wert, wie man den Tag mit Gott ausklingen lassen kann. Wie bitter wäre es, ein Kind ohne Gebet und gute Worte ins Bett zu schicken. Deshalb sollte es selbstverständlich sein, nochmals für das Erlebte zu danken, Gewissenserforschung zu halten, Gott für seine Güte zu loben, mit festen Gebeten ebenso wie mit freien Worten für alle Menschen zu bitten, die einem am Herzen liegen. Wenn ein ganzer Rosenkranz überfordert, kann man sich ja vielleicht auf ein Gesätzchen einigen. Und: Nie sollte die Sonne untergehen, ohne sich gegenseitig Verzeihung geschenkt zu haben.
Während feste Zeiten und eingespielte Rituale allen Sicherheit und Halt geben, sorgen neue Ideen und vielfältige Angebote für Abwechslung. Wie bei den Großen, so sind auch bei den Kleinen die Vorlieben verschieden. Gott sei Dank wurden uns sechs Wochentage geschenkt, die jeweils für eine andere Aktivität reserviert werden können. In meiner Familie gibt es beispielsweise einen Abend in der häuslichen Bibliothek, wo bei gemütlicher Atmosphäre jeder sein Buch liest, während ich selber beim Karate bin. An einem anderen Tag mache ich mit meinen Kindern Brettspiele, während meine Frau die Zeit hat, um für sich Dinge zu erledigen. Je nach Geschmack kann man gemeinsam ins Fitness-Studio gehen oder Kammermusik machen. Im Laufe der Jahre hatten wir Filmabende mit wechselndem Publikum: mal Vater-Sohn, mal die größeren Mädchen, mal die Kleineren. Schließlich haben wir immer wieder literarische Salons angeboten, andere Familien initiieren Bibelkreise.
Je weniger Digitales, desto mehr Gelegenheit für reale Begegnung. Freilich können Videokonferenzen während Studium und Au Pair-Zeit die Verbundenheit unter Geschwistern aufrechterhalten. Daneben sind Online-Katechesen eine tolle Sache, doch echte Hausgemeinschaft entsteht erst, wenn alle internetfähigen Devices offline sind. Bildschirmzeiten isolieren – wer sie reduziert, schafft Raum für echtes Miteinander und sorgt für eine Beruhigung der Nerven. Neben kalorienreicher Speise zu später Stunde trägt vor allem die Sichtung unliebsamer Emails zu schlechtem Schlaf bei. Wirklich entspannen kann nur, wer die Sorgen des Alltags hinter sich lässt, seine Gedanken sortiert, runterkommt.
Reale Begegnung, statt Digitales
Den Feierabend muss man planen, gleichzeitig sollte Platz für das Spontane bleiben. Je näher das Wochenende, desto einfacher lässt sich auch ein Highlight realisieren. Abhängig von der Jahreszeit singen wir Lieder an der Krippe, besuchen den Weihnachtsmarkt, machen Kanuausflüge mit Picknick, Grillen oder laden Gäste zum Abendessen ein, halten in mondlosen Nächten des Spätsommers nach Sternschnuppen Ausschau, lassen uns im Herbst von Ornithologen die Formation von Vögeln erklären. Oder wir sitzen einfach zusammen und plaudern. Ohrensessel und Kamin sind der Inbegriff der Abendruhe. Während der Golden Retriever schon schläft, machen wir es uns richtig gemütlich. Wer sich nicht einfach hängen lässt, für den kann der Feierabend die Krönung des Tages sein. Aber wie immer gilt auch hier: Wenn die Realität nicht immer so golden glänzt wie das Ideal, Mut zur Langmut mit sich selbst und den anderen!
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