Gegenpart zu Elon Musk: Biden ehrt George Soros

Der umstrittene Milliardär erhält die “Presidential Medal of Freedom”. Dass sich manche darüber empören, ist keinesfalls überraschend. Warum die Kritik an Soros so groß ist

Quelle

08.01.2025

Maximilian Lutz

Derzeit scheint es nur wenige Themen zu geben, zu denen sich der Tech-Milliardär und reichste Mensch der Welt, Elon Musk, nicht äußert. Er war es auch, der über die in seinem Besitz befindliche Social-Media-Plattform “X” den Empörungssturm darüber anführte, dass der scheidende US-Präsident Joe Biden die höchste zivile Auszeichnung der USA, die “Presidential Medal of Freedom”, an den Investor und Philantrop George Soros verlieh.

Dass Biden Soros ehrte, nannte Musk eine “Travestie”. Auf die Spitze trieb es Musk, indem er ein Bild postete, auf dem Biden die Auszeichnung anstelle von Soros an den “Star Wars”-Schurken “Darth Sidious” vergab, versehen mit der Zeile: “George Soros sieht hier richtig gut aus. Es muss wohl das Licht sein.” Auch der ehemalige Fox-News-Moderator und Trump-Unterstützer Bill O’Reilly fand sich unter den Kritikern der Entscheidung.

George Soros: Der Anti-Musk

Die Empörung ist keinesfalls überraschend. Schon seit Jahren betrachten einige rechts der Mitte Soros als Feindbild schlechthin. Biden lobte den 94-Jährigen, der als Kind jüdischer Eltern in Ungarn den Nationalsozialismus überlebte und später nach Amerika auswanderte, bei der Übergabe des Ordens dafür, dass er “Stützpfeiler offener Gesellschaften” fördere: “Recht und Gerechtigkeit, Gleichstellung und Gleichheit, Freiheit jetzt und in der Zukunft”. Damit spielte Biden auch auf das von Soros gegründete Stiftungsnetzwerk “Open Society Foundations” an, über das weltweit progressive Anliegen mit Millionenbeträgen gefördert werden.

Mit seinem Engagement nimmt Soros in gewisser Weise die Gegenrolle zu Elon Musk ein, der sich seit einiger Zeit zum finanzstarken Förderer libertärer Anliegen und des Trumpismus aufschwingt. Die Kritik, der sich Soros von rechts ausgesetzt sieht, entzündet sich dabei auch an seiner medialen Rezeption: Linksliberale Medien, so der Vorwurf, würden die von Soros geförderten Projekte ausschließlich in positivem Licht darstellen und die bedenklichen Aspekte ausblenden.

Denn während Soros und sein Stiftungsnetz zweifelsfrei viel Gutes tun und Initiativen zum Wohle von Demokratie und Menschenrechten unterstützen, wie etwa Entwicklungshilfe in Afrika oder Projekte zur Stärkung der Zivilgesellschaft in osteuropäischen Ländern, wurden unter Stichworten wie Toleranz oder dem Einsatz gegen Islamophobie in der Vergangenheit auch Akteure gefördert, die in Wahrheit Antisemitismus und Homophobie verbreiteten.

Er unterstützte auch die Legalisierung der Homo-“Ehe”

Die “Open Society Foundations” schreiben sich selbst auf die Fahnen, “zivilgesellschaftliche Gruppen und Projekte” zu unterstützen, “die trotz wachsender Herausforderungen weltweit Demokratien stützen”. In der Pressemitteilung zu Soros‘ Auszeichnung mit der “Presidential Medal of Freedom” heißt es: “In den letzten Jahren reagierte Soros auf globale Krisen wie Corona oder die russische Invasion in der Ukraine und warnte vor den Gefahren digitaler Plattformen und des Extremismus.”

Einige dieser Anliegen werden in rechten, Trump-nahen Kreisen aber durchaus skeptisch beäugt. So empfanden viele die restriktiven Maßnahmen während der Pandemie eher als autoritäre Gängelung denn als notwendige Schritte zum Schutz der Bevölkerung. Dass Extremismus ein dehnbarer Begriff ist und sich auch über die Gefahren, die von digitalen Plattformen ausgehen, streiten lässt, zeigt nicht zuletzt die jüngste Debatte um den Zuckerberg-Konzern “Meta”, der künftig in den USA nicht mehr auf externe “Faktenchecker” setzen will, unter anderem, da diese allzu oft politisch voreingenommen gewesen seien. Und auch Soros‘ Engagement für die Legalisierung der Homo-“Ehe” in allen 50 Bundesstaaten der USA dürfte unter Konservativen auf wenig Gegenliebe gestoßen sein.

Darüber hinaus war Soros, der mit Finanzspekulationen an der Börse Milliarden verdiente, jedoch in der Vergangenheit immer wieder Vorwürfen ausgesetzt, die den Boden faktenbasierter Kritik verließen und sich im Bereich der Verschwörungstheorien ansiedelten. Eine häufig wiederholte darunter: Soros plane mithilfe von Politikern, die unter seine Kontrolle stünden, eine neue Weltordnung nach seiner Vorstellung zu errichten.

Biden handelt, wie andere Präsidenten vor ihm

Dass der scheidende US-Präsident Biden mit seiner Auszeichnung für Soros nicht gerade seinem einst geäußerten Anliegen Rechnung trägt, als überparteilicher Versöhner aufzutreten, steht außer Frage. Zumal sich unter den 19 Personen, die Biden am Wochenende mit der Freiheitsmedaille ehrte, einige weitere befanden, die eindeutig im progressiven Lager Rang und Namen haben, nicht aber unter Republikanern: beispielsweise die ehemalige demokratische Präsidentschaftskandidatin Hillary Clinton oder der irische Rocksänger Bono, der sich offen für ein “Recht” auf Abtreibung einsetzte.

Gleichzeitig hat es in den USA Tradition, dass Präsidenten ihre Auszeichnungen vorwiegend an Personen verleihen, die ihnen weltanschaulich nahestehen, insbesondere in den letzten Zügen ihrer Präsidentschaft, wenn sie ohnehin nichts mehr zu verlieren haben. Donald Trumps handhabte das übrigens nicht anders. 2020 verlieh er die “Presidential Medal of Freedom” an den umstrittenen rechten Kommentator Rush Limbaugh, 2021 an den ehemaligen Geschäftsführer der Trump-Mediengruppe, Devin Nunes. Vielleicht steht schon bald Elon Musk auf der alljährlichen Liste der Geehrten, nachdem Trump wieder ins Weiße Haus eingezogen ist – falls die Freundschaft der beiden Alphatiere die nächsten Monate überdauert.

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