Fundament der Gesellschaft – Heile Familien: Ein Hort der Hoffnung

Heile Familien sind Träger der Hoffnung in einer dunklen Welt. Hier schöpfen Kinder Stärke und Zuversicht, hier erfahren junge Menschen Liebe und Mitgefühl. Hier lernen sie, ihr Herz für ihre Mitmenschen zu öffnen


Quelle
Pater Isaak Maria Käfferlein youtube

24.12.2023

Cornelia Huber

Auch in diesem Jahr findet Weihnachten vor einer Kulisse voller Dunkelheit statt. Die Welt hat sich im dauerhaften Krisenmodus eingerichtet. Eine zentrale Haltung für Christen aber ist die Hoffnung. Sie gehört zu den drei göttlichen Tugenden. Papst Benedikt XVI. hat ihr mit “Spe Salvi“ eine eigene Enzyklika gewidmet. Was ist unter der Tugend der Hoffnung zu verstehen und wie kann sie das Leben in der Familie gerade in der heutigen Zeit bereichern, stärken und stützen?

“Glaube ist Hypostase dessen, was man hofft, der Beweis von Dingen, die man nicht sieht”, auf diese zugleich theologische und poetische Aussage in der Enzyklika weist Pater Isaak Maria Käfferlein im Gespräch mit der “Tagespost” hin. “Einfacher ausgedrückt, ist Hoffnung das Vertrauen auf etwas nicht Sichtbares, das unser Leben grundlegend bestimmt”, erläutert der junge Zisterzienser. Er gehört zu den Gründermönchen des Klosters Neuzelle in Brandenburg und ist Präses der Jugendseelsorge im Bistum Görlitz.

Familie als Fundament der Gesellschaft

Bei der Hoffnung gehe es um die Spannung zwischen “Schon und noch nicht”, die man in der Natur oder bei einer schwangeren Frau nachvollziehen könne. “Der Samen ist schon da, aber der Baum ist noch nicht gewachsen. Und wenn eine Frau guter Hoffnung ist, ist ihr Kind auch schon da, gleichzeitig aber noch im Werden. Es ist also eine Zukunft, auf die wir hingehen”, so der Geistliche. Theologisch gesehen basierten alle menschlichen Vollzüge auf einer gewissen Hoffnung. Um nun in der Familie hoffnungsvoll zu leben, müsse man sich zweier grundlegender Fakten bewusst sein. “Die Familie ist nicht weniger als das Fundament unserer Gesellschaft. Punkt. Das ist der wichtigste Dienst an und in unserer Gesellschaft”, betont Käfferlein. “Gleichzeitig steckt die Welt im Zwiespalt zwischen Gut und Böse, in der Gebrochenheit. Daher kommt es, dass die Familie umkämpft ist.”

Die Hoffnung leben bedeute konkret für die Familie, Gott jeden Tag für die Größe der Berufung zu danken und damit anzuerkennen, “in welch großem Unterfangen ich stecke”, um dies im Alltag zwischen Fußballplatz und Arbeitsstelle nicht aus dem Blick zu verlieren. “Hier ist das Gebet wichtig”, führt der Zisterzienserpater aus. “Denn wenn wir auf den Herrn schauen, gehen wir auf den Herrn zu. Wenn wir aber nur 1 000 andere weltliche Dinge im Blick haben, bewegen wir uns eben in diese Richtung.”

Keimzelle der Hoffnung

Die Familie bezeichnet Käfferlein als “Keimzelle der Hoffnung”. Der Grund der Hoffnung: die Liebe. “In der Familie erfahren wir die zwei Elemente der Liebe: die bedingungslose Liebe, die mir sagt: ‘Ich will, dass du bist’ und die fördernde Liebe mit ihrem ‘Ich will, dass du wächst’.” Eine stabile Familie sei “ein unglaublicher Vorschuss fürs Leben”, fasst er zusammen. “Sie ist wie ein Netz, ein doppelter Boden, der mich auffängt. Das habe ich in meiner eigenen Familie und auch im Kloster erfahren.”

Trotz widriger Umstände Zuversicht und Freude haben, das ist Hoffnung für den Familienvater Bernhard Plöckl. Mit seiner Ehefrau Theresa hat er drei Kinder im Alter von fünf bis acht Jahren. Während sie in ihrer Umgebung eine allgemeine Verunsicherung im Hinblick auf das Materielle und Geistig-Moralische wahrnehmen, wirke sich die Weltlage bei ihren Kindern kaum aus, erzählt das Paar im Gespräch mit dieser Zeitung. Den jungen Eltern ist es wichtig, ihren Kindern zu Hause behutsam die Erstinformationen zu den großen Themen zu geben, die eigene Haltung zu erklären und sie so stark zu machen. “Ich war einmal in Indien”, sagt Bernhard Plöckl. “Dort lautete das Lebensmotto ‘It simply goes on.’ Das heißt, auch wenn Probleme kommen, irgendwie geht es weiter.”

Das Ziel ist die ewige Heimat

Ihre Hoffnung schöpft Familie Plöckl aus dem christlichen Glauben. “Wir übergeben Gott unsere Sorgen und Ängste und sagen: Sorge du. Außerdem hilft uns das Bewusstsein, dass nicht ein möglichst perfektes Leben auf der Erde das Wichtigste ist” betont Theresa Plöckl. “Denn das Leben ist ein Weg, und das Ziel ist die ewige Heimat.” Als weitere Hilfsmittel, um in der Hoffnung zu bleiben, schätzt das Ehepaar den Austausch und die Freundschaft mit Gleichgesinnten sowie ein christliches Umfeld mit Jugendgruppe und Gebetskreis. “Wir wollen unseren Kindern vermitteln, dass Jesus größer als alle Probleme ist”, erzählt Bernhard Plöckl. Und so lernen die Kinder im Abendgebet, ihre Bitten für Mitschüler oder kranke Verwandte an Gott zu übergeben und für das Gute zu danken, das sie erleben durften.

Als Zeichen, dass Jesus dabei ist, haben die Eltern den beiden Schulkindern vorgeschlagen, sich einfach ein Kreuz auf das eigene Herz zu zeichnen, wenn in der Schule einmal etwas schwierig sein sollte. Auch Geschichten aus der Bibel oder dem Leben von Heiligen, die heikle Situationen gemeistert haben, ermutigen die Kinder, wie Theresa Plöckl berichtet. Ganz wichtig sei es aber, zu Hause eine Atmosphäre der Geborgenheit zu schaffen. “Dass wir kuscheln können und Papa und Mama Zeit für uns haben, das hilft uns”, sagten die älteren Kinder neulich zu ihren Eltern.

Gestärkt aus Höhen und Tiefen hervorgehen

“Wenn Kindern eine verlässliche Bezugsperson zur Verfügung steht, erwerben sie Resilienz”, ordnet Psychotherapeutin Inés Brock-Harder diese Aussage ein. “Resilienz selbst ist die Fähigkeit, durch die Höhen und Tiefen des Lebens zu kommen und danach gestärkt daraus hervorzugehen”, so die Vorsitzende des Bundesverbands für Kinder- und Jugendlichenpsychotherapie e.V. (bkj) weiter. Der gewisse “Bewältigungsoptimismus”, ein anderes Wort für Resilienz, sei jedoch kein angeborenes Persönlichkeitsmerkmal und könne auch wieder verloren gehen.

Unter zwei Voraussetzungen erwerben Kinder Resilienz, erläutert die Psychotherapeutin gegenüber der “Tagespost”. “Zum einen braucht es die schon erwähnte verlässliche Bezugsperson. Bei Kindern und Jugendlichen sind das in erster Linie die Eltern. Das Geheimnis von Resilienz, das ist ein Mensch, der mir vertraut, mich bedingungslos liebt, mir etwas zutraut und mich stärkt. Dafür ist ein sicherer Bindungsstil unabdingbar”, betont Brock-Harder. Die bloße Anwesenheit reiche aber nicht aus. Entscheidend sei, ob die Bezugsperson die innere Bereitschaft habe, sich dem Kind zu zuwenden, und ihm wirkliche Anteilnahme und Aufmerksamkeit schenke. “Der zweite Aspekt, um Resilienz zu erwerben, ist das soziale Eingebundensein, das Gefühl dazu zu gehören, wichtig zu sein und Selbstwirksamkeitserfahrungen zu machen”, ergänzt die Expertin. In der Gesamtschau biete ein funktionierendes Familienleben eine gute Vorbereitung, um Krisen im Leben zu bewältigen.

Lebenstüchtige und resiliente Kinder

“Unsere Kinder sind in all ihrer Vielfalt lebenstüchtig und resilient”, äußern Elisabeth und Martin dankbar gegenüber der “Tagespost”. Die Familie lebt in Österreich, zu ihren vier Kindern gehören drei junge Erwachsene und ein Jugendlicher. Auf unterschiedlicher weltanschaulicher Basis hätten alle Kinder einen positiven Blick auf die Gegenwart, auch wenn sie sich heute anderen Herausforderungen als die Elterngeneration stellen müssten. “Vielleicht hängt das mit ihrer Lebensphase zusammen, wo sie sich auf dem Sprung ins Erwachsenenleben befinden. Da geht es um Sich-Entdecken, Vorwärtskommen”, überlegt Elisabeth.

Hoffnung basiert für sie auf zwei Säulen, einer natürlichen und einer übernatürlichen. “Ganz wichtig ist eine stabile Umgebung, das Wissen darum, von Anfang an gewollt zu sein. Ich selbst bin in meinem eigenen Leben sehr dankbar dafür, dass ich das erfahren durfte. Obwohl ich strenge Eltern hatte, habe ich nie daran gezweifelt, dass ich, so wie ich bin, von meinen Eltern gewollt und geliebt bin und dass ich nie aus ihrer Liebe fallen würde.” Als zweite Säule macht Elisabeth den Glauben aus. “Die Quelle, aus der wir als Ehepaar schöpfen, ist der lebendige Glaube. Damit sind die Kinder aufgewachsen. Sie leben es ganz unterschiedlich. Einer ist Agnostiker, aber ich darf ihn noch mit einem Segen verabschieden.”

Gott führt alles zum Guten

Im Römerbrief stehe, dass Gott bei denen, die ihn lieben, alles zum Guten führt. “Das stimmt letztlich, weil ich in Gottes Liebe vertrauen kann. Das heißt aber nicht, dass dann alles zum Guten wird, so wie ich es mir vorstelle. Dass die Kinder alle super erfolgreich werden, dass sie Partner finden, die meinem Ideal entsprechen, dass wir finanziell auf ewig abgesichert sind, dass der Klimawandel an uns vorüber schrammt – das wäre zu kurz gedacht”, betont Elisabeth. Hoffnung sei eine Entscheidung und erfordere Treue im Alltag.

“Man weiß nie, wie viel Gutes ein einfaches Lächeln tun kann”
Mutter Teresa

Papst Benedikt führt in “Spe Salvi” aus, dass die christliche Hoffnung nicht individualistisch ist, sondern in sehr unterschiedlichen Formen mit Weltgestaltung zu tun hat. Dies geschieht auch durch die Familien. “Wir können als junge Familie keine großen Engagements leben”, sagt Bernhard Plöckl. “Aber wir bringen unseren Kindern Tugenden wie Freundlichkeit oder Höflichkeit bei.”

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So habe das Zitat von Mutter Teresa “Man weiß nie, wie viel Gutes ein einfaches Lächeln tun kann” die Kinder sehr beeindruckt. “Sie verstehen es intuitiv und setzen es dort um, wo sie sind.” Elisabeth bestätigt: “Es beginnt in der Familie, aber es geht ja weiter. In der Nachfolge leben, das ist ein großes Wort. Aber es sind die Kleinigkeiten, die es ausmachen: wie wir über Menschen sprechen, mit Konflikten oder Ungerechtigkeiten umgehen oder wie wir Gastfreundschaft leben.”

Auf den Herrn hoffen

Dabei dürfen Familien bei allen aktuellen und künftigen Herausforderungen auf die biblische Zusage aus dem Buch Jesaja vertrauen: “Die aber auf den HERRN hoffen, empfangen neue Kraft, wie Adlern wachsen ihnen Flügel. Sie laufen und werden nicht müde, sie gehen und werden nicht matt.”

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