Franziskus über Kirche, Frauen in der Kirche, Populismus und vieles mehr

Zusammenfassung des Interviews der spanischen Zeitung „El País“ mit Papst Franziskus

Quelle, Zenit.org,

Papst Franziskus erklärte während des ausführlichen Interviews gegenüber der spanischen Zeitung „El País“, das er am Freitag, dem 20. Januar 2017 in der Domus Sanctae Marthae gab, er habe sich in den vier Jahren seines Pontifikats nicht geändert.

Besorgt äusserte sich der 80-jährige Papst über die Weltlichkeit und den Klerikalismus, die die Kirche bedrohten und betäubten. In der Kurie gebe es, wie in der Welt überall, Sünder und Heilige, korrupte und arbeitsame Mitarbeiter, stellte der Papst fest. Eine besondere Gefahr gehe für die Geistlichen von Weltlichkeit und Klerikalismus aus, dann würden sie zu Funktionären, wichtig sei daher der enge Kontakt zu den Menschen. Die Kirche müsse die Menschen suchen, andernfalls sei sie bloss eine wohltätige Stiftung.

In Sorge zeigte sich Papst Franziskus über die vielen Kriegs- und Krisengebiete und erklärte, wir erlebten den Dritten Weltkrieg in Stücken. In grosse Sorge versetzt den Papst die Leichtigkeit, mit der über Nuklearwaffen gesprochen wird, als handelte es sich um Spielzeug.

Auch die ungerechte Verteilung der Güter gibt Papst Franziskus sehr zu denken, nämlich dass 80 Prozent des Güter in der Hand weniger Menschen liegen. In der Wirtschaft stehe der Gott des Geldes, aber nicht der Mensch im Mittelpunkt. Es bestehe eine Wegwerfkultur.

Auf den Amtsantritt von Donald Trump angesprochen, der zeitgleich mit dem Interview erfolgte, mahnte Papst Franziskus zu Bedachtsamkeit und Ruhe. Man werde sehen und dann könne man urteilen. Der christliche Glaube zeichne sich durch Konkretheit aus. Die Konkretheit schenke im Leben, das ungeordnet sei, Fixpunkte. In der Kirche seien die Heiligen die „Konkreten des Evangeliums“, d.h. Zeugen, im Alltag. Er sei kein Heiliger, erklärte Papst Franziskus, er führe auch keine Revolution durch. Nach weltlichem Massstab sei die Botschaft des Evangeliums skandalös, stellte Papst Franziskus fest und führte als Beispiel des Parabel des guten Samariters und des verlorenen Sohnes an.

Auf die Nachfrage teilte Papst Franziskus mit, Benedikt XVI. erfreue sich guter Gesundheit, er benötige eine Gehhilfe, habe aber das Gedächtnis eines Elefanten. Den Vorwurf eines Kritikers, sich nicht der Mittelklasse anzunehmen, wies der Papst von sich, er spreche ständig von den Familien, Menschen, die arbeiteten. Sie bildeten die „Mittelschicht der Heiligkeit“.

Papst Franziskus bezeichnte das Migrationsproblem als Tragödie. Seine Informationen hat er auch aus persönlichen Gesprächen mit Rettungskräften, die im Mittelmeer das Leben der Migranten retten. Das Mittelmeer, stellte der Papst traurig fest, sei zu einem Friedhof geworden.

Die Kirche beteilige sich an der Aufnahme von Migranten, auch der Vatikan habe Familien aufgenommen. Italien und Griechenland leisteten beispielhafte Arbeit. Die meisten Migranten wollten weiter in Richtung Norden, wo sie sich mehr Chancen erhofften. Als wichtigen Punkt stellte Papst Franziskus die Integration der Migranten heraus. Am Beispiel des aus Brüssel stammenden Attentäters zeigte er die Gefahren auf, die eine versäumte Integration birgt. Die Menschen fühlten sich nicht als Teil der Gesellschaft.

Auf das Zweite Vatikanische Konzil angesprochen, bezeichnete Papst Franziskus, Paul VI. als „Märtyrer mangelnden Verständnisses“. Er habe gelitten, da er als Pragmatiker gewusst habe, viele Dinge nicht umsetzen zu können. „Evangelii nuntiandi“ nannte Papst Franziskus als das beste Pastoraldokument nach dem Konzil; es habe nicht an Aktualität verloren. Er selbst, erklärte der Papst, fühle sich nicht missverstanden, sondern begleitet von den unterschiedlichsten Menschen. Er sei immer dialogbereit. Als beschwerlich empfinde er nur das Protokoll, stellte Papst Franziskus fest.

Zum Thema „Kommunikation“ bekräftigte Papst Franziskus, wie wichtig die Menschlichkeit sei. Der Papst zeigte die Gefahr auf, sich in virtuellen Welten zu verlieren und der konkreten Kommunikation, z.B. im Familienkreis, keinen Raum zu schenken. Er betonte, wie wichtig Kommunikation für den Menschen sei. Gott kommuniziere mit den Menschen. Am Vatikan gibt es ein eigenes Dikasterium, das sich mit dem Aufgabenfeld beschäftigt.

Auf die Tätigkeit der Vatikanischen Diplomatie angesprochen, legte Papst Franziskus dar, dass die Vatikanische Diplomatie als Mediator tätig sei. Mit China arbeite seit Jahren eine Kommission. Es gebe viele Gespräche mit China. Er selbst werde nach China reisen, wenn er eingeladen werde, erklärte der Papst.

Ein weiterer, wichtiger Punkt des Interviews widmete sich der politischen Situation in Europa und Amerika. In Europa und Amerika herrsche Ungleichheit, so Papst Franziskus, was populistische Bewegungen und Parteien begünstige. Fremdenhass und Hass allgemein seien ihre Botschaft. Papst Franziskus zeigte am Beispiel Hitlers auf, dass die Bevölkerung in Krisenzeiten wähle, wer sie anschliessend in den Untergang führe. Ein Volk benötige plötzlich Mauern, um seine Identität zu schützen.

Als grosses Übel nicht nur unserer Zeit, sondern als historisches Übel bezeichnete Papst Franziskus die Korruption. Nochmals betonte der Papst die Bedeutung des Dialogs. Auf Lateinamerika angesprochen, stellte der Papst das wirtschaftliche Ungleichgewicht fest und wies auf die Drogenproblematik, Migrationsproblematik und die Gewalt gegen Frauen hin. Die Ausbeutung, die Versklavung der Frauen, die sich tagtäglich z.B. auch in Rom ereignet, bezeichnete Papst Franziskus als sehr katastrophal.

Auf eine Frage zur Befreiungstheologie antwortete Papst Franziskus, sie habe positive Seiten und verwies auf eine Untersuchung von Benedikt XVI.. Zur Frage „Frauen und Kirche“ verwies Papst Franziskus auf die jüngste Besetzung der Direktorenstelle in den Vatikanischen Museen mit einer Frau; der Pressesaal wird ebenfalls von einer Frau mitgeleitet. Die Kirche sei weiblich, es heisse „die“ Kirche. Die Jungfrau Maria sei die wichtigste Gestalt an Pfingsten.

Papst Franziskus erklärte abschliessend, dem Beispiel „seines grossen Lehrers Benedikt XVI.“ zu folgen und das Pontifikat niederzulegen, wenn er sich der Aufgabe nicht gewachsen fühle. Der Herr sei gut, und er verzichte nicht auf seinen guten Humor.

Der Volltext des Interviews ist auf English und Spanisch abrufbar.

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