Der Sinn des Lebens für 1 Euro

Impuls zum 4. Sonntag im Jahreskreis A — 29. Januar 2017

trotzdem jaZenit.org, 7. Januar 2017, Peter von Steinitz

Werbesprüche sind manchmal überraschend. „Der Sinn des Lebens für 1 Euro“ macht Reklame für eine neue Fussballzeitschrift. Möglicherweise ist das Wort ironisch gemeint, spricht aber gleichzeitig, wie immer bei dieser Zeitung, dem gewöhnlichen Bundesbürger aus dem Herzen. Für sehr viele ist schliesslich Fußball das einzige, was dem Leben einen „höheren“ Sinn gibt.

Nun ist es für jeden Menschen, wenn man dem Wiener Psychologen Viktor Frankl glauben kann, tatsächlich von grösster Bedeutung, dass er in seinem Leben einen Sinn sieht. Das ist zunächst noch ganz ohne Wertung. Für die meisten Menschen besteht der Sinn ihres Lebens darin, eine befriedigende Arbeit zu tun und sich einer Familie zu widmen. Das ist noch nichts Übernatürliches, von Gott ist dann noch nicht die Rede, aber es ist tatsächlich etwas, das den Menschen in hohem Maße befriedigen kann.

Weit weniger befriedigend ist es, wenn der Mensch den Sinn seines Lebens in oberflächlichen und törichten Dingen sucht: Sex, Alkohol, Drogen. Oft nur ein „Ersatz-Sinn“ immer dann, wenn es mit sinnvollen Inhalten nicht geklappt hat.

Dann aber denkt der Mensch – hoffentlich – ein bisschen weiter. Er stellt eines Tages fest, dass letztlich alles das, was den Sinn seines Lebens ausgemacht hat, auch wenn es etwas Vernünftiges war, irgendwann vergeht. In der Arbeit gibt es Schwierigkeiten oder gar Arbeitslosigkeit. Was er mit seiner Hände Arbeit geschafft hat, hat keinen dauerhaften Bestand oder wird gar durch äussere Einflüsse vernichtet. Auch in der Familie, die man mit solchem Elan gegründet hat, gibt es gerade heute sehr oft Probleme. Untreue, Scheidung, Krankheiten, die Kinder gehen einen schlechten Weg usw.

Das eigentlich Tragische ist aber ist dieses: wenn man tatsächlich den Gedanken über das sinnvolle menschliche Leben, konsequent zuende denkt, bleibt trotz allen guten Willens am Ende nicht viel übrig. Der Mensch, der so frohgemut ins Leben getreten ist, hochfliegende Pläne entworfen und verwirklicht hat, ja sogar derjenige, der anderen Menschen Gutes getan hat, er wird alt und die Körperkräfte lassen immer mehr nach. Und alles das, was er geschafft hat, geht früher oder später wieder den Weg alles Irdischen. Wenn in einem solchen Menschenleben Gott nicht vor kommt, bleibt am Ende eigentlich nur Pessimismus.

Wie anders dagegen das menschliche Leben, wenn es sich an Christus ausrichtet! Im heutigen Evangelium gibt der Herr uns eine ausgesprochen optimistische Sicht des menschlichen Lebens. Zwar verschweigt er nicht, dass es Unannehmlichkeiten geben kann, aber die gibt es in einem Leben ohne Gott auch, vielleicht sogar noch mehr. Der grundlegende Unterschied ist aber der, dass das Leben des Menschen nach dem Tod nicht aus ist, sondern das eigentliche, herrliche Leben erst beginnt. „Ihnen gehört das Himmelreich“ und „Sie werden Gott schauen“ (Mt 5,10).

Nur eines ist bei den Ratschlägen des Herrn anders als bei einer nur menschlichen Sicht des Lebens:  Der Mensch muss sich von Christus führen lassen, und das kann manchmal seine Schwierigkeiten haben. Arm sein vor Gott, beschimpft, verfolgt und verleumdet werden, hungern und dürsten nach der Gerechtigkeit – das alles würde uns zunächst einmal nicht als sinnvoll erscheinen. Wenn wir uns jedoch auf die Freundschaft mit Christus eingelassen haben, sehen wir tiefer und erkennen, dass die scheinbar widersinnigen Ansprüche des Herrn auf eine höhere Weise absolut sinnvoll sind, weil unsere Welt, wie sie jetzt ist, vom Widersinn der Erbsünde geprägt ist.

Das ist das, was wir erbitten, wenn wir im Vaterunser sagen: „Dein Wille geschehe!“

Der Wille Gottes – ihn zu suchen und zu erfüllen – gibt dem menschlichen Leben Sinn, Fülle und Freude.

Msgr. Dr. Peter von Steinitz war bis 1980 als Architekt tätig; 1984 Priesterweihe durch den hl. Johannes Paul II.; 1987-2007 Pfarrer an St. Pantaleon, Köln; seit 2007 Seelsorger in Münster. Er ist Verfasser der katechetischen Romane: „Pantaleon der Arzt“, „Leo – Allah mahabba“ (auch als Hörbuch erhältlich) und „Katharina von Ägypten“.  Der Fe-Medienverlag hat einige ZENIT-Beiträge vom Autor als Buch mit dem Titel „Der Stein, den die Bauleute verwarfen“ herausgebracht.

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