“Bewahre die Welt vor Verfall, Unheil und Krieg”

Frau aller Völker, bewahre die Welt vor Verfall, Unheil und Krieg

Quelle, zenit.org, 4. November 2016, Peter von Steinitz
Engel – Diverse Beiträge

Impuls zum 32. Sonntag im Jahreskreis C — 6. November 2016

Im Evangelium des heutigen Sonntags streiten die Sadduzäer mit Jesus, weil sie, genauso wie die Pharisäer, seine Lehre nicht annehmen wollen. Die Pharisäer, die den rechten überlieferten Glauben haben, wollen nicht erkennen, dass Jesus den wahren Glauben gar nicht aufheben, sondern ihn vielmehr ergänzen und erfüllen will. Die Sadduzäer dagegen glauben an viele wesentliche Dinge nicht. So bestreiten sie die Existenz von Engeln, ja sie leugnen sogar das Leben nach dem Tod.

Man ist versucht eine Parallele zu ziehen zu manchen heutigen Theologen, die ebenfalls oft an die Existenz der Engel nicht glauben, obwohl diese uns in der Hl. Schrift auf Schritt und Tritt begegnen. Manch einer wird dazu sagen: nun ja, wenn man sonst alles Überlieferte glaubt, kann man unter Umständen die Engel als personifizierte Kräfte oder Energien betrachten, ohne dass der Glaube im Wesentlichen Schaden nimmt.

Die Erfahrung zeigt jedoch, dass das nicht so ist. Der christliche Glaube ist tatsächlich so etwas wie ein Gewölbe, das sich ganz in sich selber trägt. Jeder Stein stützt den anderen und wird selbst gestützt. Wird einer dieser Gewölbesteine entfernt, fällt das ganze Gebilde in sich zusammen.

Konkret: wenn die als Engel bekannten Geistwesen nicht existieren, warum sollte dann die menschliche Seele nach dem Tod des Körpers als geistiges Wesen fortleben? Sehr kurz ist dann der Weg zu dem Schluss, dass es geistige Wesen überhaupt nicht gibt, und schon ist die Existenz Gottes infrage gestellt. Natürlich geht nicht jeder diesen Weg bis zuende, aber er hat zumindest seine (fatale) Logik.

In Fragen der christlichen Sittlichkeit beobachten wir in den letzten fünfzig Jahren eine ähnliche “logische” Entwicklung. Sagen wir es deutlich: einen regelrechten Verfall.

Ohne in das übliche Klagelied zu verfallen (“Früher war alles besser”), hier nur in Kürze die Schlagzeilen der letzten Wochen und Monate:

  1. Hillary Clinton fordert (zum x-ten Male) das „Recht“ jeder Frau auf Abtreibung.
  2. Linke wollen mal wieder das St. Martinsfest abschaffen (statt dessen haben wir ja soeben Halloween gefeiert).
  3. Die öffentlich rechtlichen Fernsehsender planen neue Programme, um über den Gender-Mainstream zu „informieren“.

Zu 1) Vor etwa drei Jahren versuchte das Europa-Parlament im Handstreich den sog. Estrela-Beschluss durchzudrücken (was Gott sei Dank misslang), durch den ein Recht auf Abtreibung für alle Frauen, aber auch die Freigabe der Pädophilie gefordert wurde. Aber glauben wir doch nicht, dass diese Leute dann aufgeben. Sie versuchen es immer wieder!

Es hat schon etwas Pathologisches, wenn man sich immer noch nicht damit begnügt, dass Abtreibung praktisch straffrei ist. Die Menschen sollen genötigt werden, es als etwas Positives, gar als ein Menschenrecht anzusehen. Dabei hilft, hier wie auch auf anderen Gebieten, das schillernde Wort von der Akzeptanz.

Vor fünfzig Jahren war Abtreibung schlecht, jetzt hat man ein Recht darauf: Umwertung der Werte! (Nietzsche lässt grüssen)

Zu 2) Die Kommunisten hängen immer noch an dem Kampfruf des alten Voltaire, der sagte: “Ecrasez l’infame!”, vernichtet die infame Kirche. In diesem Sinne sollen christliche Feste möglichst verschwinden. Diese Initiative hat aber wenig Chancen, weil die Kinder im Kindergartenalter doch eine Lobby haben, die sich dieses volkstümliche Treiben nicht nehmen lassen will. Im übrigen lässt sich mit dieser Idee kein Geld verdienen. Schon deswegen wird sie scheitern.

Zu 3) Schon vor fünfzig Jahren musste das unschuldige Wort ‘Aufklärung’ dazu herhalten, die Menschen sexuell auf Trab zu bringen. Damals relativ harmlos. Heute soll der moralische  Verfall noch beschleunigt werden. Ausserdem hat man den Eindruck, dass solche Initiativen gewollt oder ungewollt dazu beitragen sollen, ein weiteres Projekt der riesigen Profit-Lobby zu realisieren. Nach der Anti-Baby-Pille, der Abtreibungsindustrie und (bald auch bei uns) dem Euthanasiegeschäft kämpft man jetzt dafür, dass Pornographie salonfähig wird. Auch da winken Riesengewinne. Die Medien, die auch diese Verirrung propagieren können, gehen, wenn auch zögernd, nach bewährtem Rezept darauf ein. Mal hier ein pornographischer Roman, der zum Bestseller hochstilisiert wird, mal dort ein Theaterstück, ein Kunstevent, ein Film.

Im Bericht des heutigen Evangeliums präsentieren die Sadduzäer dem Herrn ein absurdes Beispiel, um zu „beweisen“, dass es das ewige Leben nicht geben kann: eine Frau hat hintereinander sieben Ehemänner (nicht geschiedene, sondern gestorbene), wem wird sie dann bei der Auferstehung gehören?

Jesus erwidert darauf, mit seiner gewohnten Engelsgeduld, dass es nach der Auferstehung kein Heiraten mehr gibt und – auf den ersten Blick für manche schockierend – auch keinen Sex (dazu bedarf es eines materiellen Körpers, der im Tod vergeht).

Verwirrung und Chaos allenthalben. Wo finden die Menschen einen Halt?

Auch wenn die Kirche Gottes zurzeit in schlechter Verfassung ist: sie kann, genau wie ihr göttlicher Meister, in den Tod und in die Vernichtung geführt werden, aber am Ende wird sie auferstehen. Und es bleibt in Ewigkeit dabei: Christus ist der Sieger über Sünde und Tod.

Bitte an die Muttergottes: sie möge unsere Welt, bevor es zu spät ist, bewahren vor Verfall, Unheil und Krieg!

Msgr. Dr. Peter von Steinitz war bis 1980 als Architekt tätig; 1984 Priesterweihe durch den hl. Johannes Paul II.; 1987-2007 Pfarrer an St. Pantaleon, Köln; seit 2007 Seelsorger in Münster. Er ist Verfasser der katechetischen Romane: „Pantaleon der Arzt“, „Leo – Allah mahabba“ (auch als Hörbuch erhältlich) und „Katharina von Ägypten“.

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