Samstag der 30. Woche im Jahreskreis

Aus dem Heiligen Evangelium nach Lukas 14,1.7-11

Tagesheilige

Als Jesus an einem Sabbat in das Haus eines führenden Pharisäers zum Essen kam, beobachtete man ihn genau.
Als er bemerkte, wie sich die Gäste die Ehrenplätze aussuchten, nahm er das zum Anlass, ihnen eine Lehre zu erteilen. Er sagte zu ihnen:
Wenn du zu einer Hochzeit eingeladen bist, such dir nicht den Ehrenplatz aus. Denn es könnte ein anderer eingeladen sein, der vornehmer ist als du, und dann würde der Gastgeber, der dich und ihn eingeladen hat, kommen und zu dir sagen: Mach diesem hier Platz! Du aber wärst beschämt und müsstest den untersten Platz einnehmen.

Wenn du also eingeladen bist, setz dich lieber, wenn du hinkommst, auf den untersten Platz; dann wird der Gastgeber zu dir kommen und sagen: Mein Freund, rück weiter hinauf! Das wird für dich eine Ehre sein vor allen anderen Gästen.
Denn wer sich selbst erhöht, wird erniedrigt, und wer sich selbst erniedrigt, wird erhöht werden.

Kommentar zum heutigen Evangelium
Diadochos von Photike (um 400-?), Bischof
Über die geistliche Vollkommenheit, 12−15

Gott an die erste Stelle setzen

Wer sich selbst verzärtelt, der kann Gott nicht lieben; wer sich jedoch aufgrund der höheren Reichtümer der göttlichen Liebe nicht selbst verzärtelt, der liebt Gott. Deshalb sucht ein solcher Mensch niemals seine eigene Ehre, sondern die Ehre Gottes. Denn wer sich selbst verzärtelt, der sucht seine eigene Ehre. Wer Gott zu gefallen sucht, der liebt die Ehre seines Schöpfers. Und wirklich ist es einer innerlichen und Gott zum Freund habenden Seele eigentümlich, unablässig in allen seinen Geboten die Ehre Gottes zu suchen, die sie erfüllt, und sich an der eigenen Erniedrigung zu freuen. Denn Gott gebührt die Ehre aufgrund seiner Grösse, dem Menschen gebührt Erniedrigung und dadurch tritt er in den vertraulichen Umgang mit Gott. Wenn wir so handeln, uns an der Ehre Gottes erfreuen nach dem Beispiel des heiligen Johannes des Täufers, beginnen wir mit einem unablässigen „Er muss wachsen, ich aber muss kleiner werden“ (Joh 3,30).

Ich kenne jemand, der Gott so sehr liebt, obwohl er klagt, ihn nicht so lieben zu können, wie er wollte, dass seine Seele ohne Unterlass darauf brennt, Gott in sich verherrlicht zu sehen, und sich selbst zu sehen, wie als wäre er nicht. Dieser Mensch weiss nicht, wer er ist, selbst wenn man ihn mit Worten lobt. Denn in seinem grossen Verlangen nach Erniedrigung denkt er nicht an seine eigene Würde. Er tut seinen Dienst vor Gott, wie es sich für Priester ziemt, doch in seiner aufs Äusserste gesteigerten Anlage seiner Liebe zu Gott verliert er die Erinnerung an seine eigene Würde in dem Abgrund seiner Liebe zu seinem Gott und verbirgt in demütigen Gedanken die Ehre, die ihm dadurch zukäme. Immer erscheint er in seinen eigenen Augen nur als unnützer Knecht. Sein Verlangen nach Erniedrigung schliesst ihn in gewisser Weise von seiner eigenen Würde aus. Das ist es, was auch wir tun müssen, nämlich jede Ehre, jede Ehrenbezeigung fliehen, weil Jener uns so einen überfliessenden Reichtum an Liebe geschenkt hat, der uns so sehr geliebt hat.

Lesungen

Brief des Apostels Paulus an die Philipper 1,18b-26

Meine Brüder! Auf jede Weise, ob in unlauterer oder lauterer Absicht, wird Christus verkündigt, und darüber freue ich mich. Aber ich werde mich auch in Zukunft freuen.
Denn ich weiss: Das wird zu meiner Rettung führen durch euer Gebet und durch die Hilfe des Geistes Jesu Christi.
Darauf warte und hoffe ich, dass ich in keiner Hinsicht beschämt werde, dass vielmehr Christus in aller Öffentlichkeit – wie immer, so auch jetzt – durch meinen Leib verherrlicht wird, ob ich lebe oder sterbe.
Denn für mich ist Christus das Leben, und Sterben Gewinn.
Wenn ich aber weiterleben soll, bedeutet das für mich fruchtbare Arbeit. Was soll ich wählen? Ich weiss es nicht.
Es zieht mich nach beiden Seiten: Ich sehne mich danach, aufzubrechen und bei Christus zu sein – um wieviel besser wäre das!
Aber euretwegen ist es notwendiger, dass ich am Leben bleibe.
Im Vertrauen darauf weißss ich, dass ich bleiben und bei euch allen ausharren werde, um euch im Glauben zu fördern und zu erfreuen, damit ihr euch in Christus Jesus um so mehr meiner rühmen könnt, wenn ich wieder zu euch komme.

Psalm 42(41),2-3a.3b.5

Wie der Hirsch lechzt nach frischem Wasser,
so lechzt meine Seele, Gott, nach dir.
Meine Seele dürstet nach Gott,
nach dem lebendigen Gott.

Wann darf ich kommen
und Gottes Antlitz schauen?
Das Herz geht mir über, wenn ich daran denke:
wie ich zum Haus Gottes zog in festlicher Schar,
mit Jubel und Dank in feiernder Menge.

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