Moratorium ist Pflicht!

Kommende Woche wird sich der Deutsche Ethikrat in Berlin einen ganzen Tag lang mit dem sogenannten „Genom Editing“ befassen

Die Tagespost, 14. Juni 2016
ABO: Die Tagespost

Von Stefan Rehder

Kommende Woche wird sich der Deutsche Ethikrat in Berlin einen ganzen Tag lang mit dem sogenannten „Genom Editing“ befassen. Durch die neuartige CRISPR/Cas9-Technologie, die die beiden Wissenschaftlerinnen Jennifer Doudna und Emmanuelle Charpentier vor drei Jahren gemeinsam entwickelten, ist die Verwirklichung des lange gehegten Traums vieler Molekularbiologen in greifbare Nähe gerückt. Mit den CRISPR/Cas-9-Genscheren stehen ihnen – erstmals in der Geschichte der Biologie – Werkzeuge zur Verfügung, mit denen sich der genetische Code – einschliesslich der des Menschen – wie in einem Textbearbeitungsprogramm nach eigenem Gutdünken bearbeiten lässt.

Alle Werkzeuge, die bisher zu diesem Zweck konstruiert wurden, waren zu unpräzise sowie zu teuer und zu kompliziert herzustellen. Auch die CRISPR/Cas9-Genscheren arbeiten noch nicht mit der Zuverlässigkeit, die sich die Forscher wünschen. Aber das seien „Kinderkrankheiten“, die man – versichern sie – bald in den Griff bekommen werde. Entscheidend sei, dass die neuen Genscheren einfach, schnell und preiswert herzustellen seien. Auch der Umstand, dass Dounda und Charpentier bereits als Anwärter auf den Nobelpreis gehandelt werden, spricht Bände.

So gesehen ist es wenig hilfreich, wenn der neue Vorsitzende des Deutschen Ethikrats, Peter Dabrock, jetzt lediglich „zur Vorsicht“ beim Umgang mit der neuen Technologie mahnt. Das Mindeste, was Experten fordern sollten, die Politik in bioethischen Fragen beraten, wäre ein Moratorium für die Anwendung der CRISPR/Cas9-Technologie beim Menschen. Das würde den Wissenschaftlern zumindest Zeit verschaffen, in Ruhe über die Konsequenzen nachzudenken, die der Einsatz dieser Technologie hätte. Bislang deutet nichts daraufhin, dass sich die Forscher diese Zeit nähmen. Im Gegenteil: Wie Dabrock selbst feststellt, herrscht in der Branche eine regelrechte „Goldgräber-Stimmung“. Möglich, dass der Ethikrat sich noch kein abschliessendes Urteil bilden konnte. Aber wäre es nicht seine Pflicht, dafür zu werben, dass die Entwicklung nicht unumkehrbar wird?

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