“Ich bin froh, seid ihr es auch”

Eine letzte Botschaft des Papstes: Vom Sterbebett aus spricht Johannes Paul II. den Menschen Mut zu

ich-bin-1-e1458800934811-147x150Quelle
Ich bin froh – seid ihr es auch: Testament: Antiquariat

Papst Johannes Paul II. hat den Menschen von seinem Sterbebett aus Mut zugesprochen. “Ich bin froh, seid ihr es auch”, schrieb der todkranke Papst gestern in einer Botschaft an Nonnen und Priester in seiner polnischen Heimat. Ein Sprecher des Vatikans berichtete, der Papst habe mehrfach einige Worte gesprochen: “Ich habe nach euch gesucht. Jetzt seid ihr zu mir gekommen. Und ich danke euch.” Diese Worte habe der Papst an die jungen Gläubigen gerichtet.

Auf dem Petersplatz in Rom, unmittelbar vor der Wohnung mit dem Krankenzimmer des Papstes, versammelten sich gestern erneut Zehntausende Gläubige, um dem Papst in seinen letzten Stunden nahe zu sein. Auf der ganzen Welt beteten Millionen Christen, aber auch Gläubige anderer Religionen für das Oberhaupt der römisch-katholischen Kirche. In Deutschland gingen viele Katholiken für den Papst in die Kirchen.

Der Vatikan bezeichnete den Gesundheitszustand des Pontifex gestern als “extrem ernst”. Am frühen Abend hiess es, der Zustand habe sich weiter verschlechtert. Offenbar verlor der Papst immer wieder vorübergehend das Bewusstsein und hatte hohes Fieber. Bereits zuvor hatte der Vatikan mitgeteilt, es gebe keine Hoffnung mehr auf Genesung des 84jährigen.

Der Pole Karol Wojtyla sitzt als Johannes Paul II. seit 26 Jahren auf dem Heiligen Stuhl, als erster nicht-italienischer Papst nach dem Niederländer Hadrian VI. im Jahr 1522. Das Pontifikat des Johannes Paul II. ist damit nicht nur aussergewöhnlich lang. Kirchenkenner bewerten seine Ära auch als besonders bedeutsam. Vor allem für drei Dinge dürfte der Papst im Gedächtnis bleiben. Zu Beginn seiner Amtszeit profilierte er sich als Hüter einer konservativen, auf ihre alten Werte beharrenden Kirche. Seine Haltung zu Sexualität und Empfängnisverhütung in Zeiten von Aids brachte ihm Kritik ein.

In den Zeiten des politischen Umbruchs in Osteuropa leistete der Papst einen wichtigen Beitrag zum Zusammenbruch des Kommunismus. In der letzten Phase seines Lebens und Wirkens schliesslich wurde der kranke, aber beharrliche Papst zum Symbol dafür, dass Alter, aber auch Krankheit und Leiden zum Leben gehören. Unvergessen bleibt auch, dass der Papst einen Mordanschlag überlebte und seinem Attentäter in dessen Gefängniszelle verzieh.

Am Ende seines Lebens wurde Johannes Paul II. zum populärsten Vertreter der christlichen Kirchen seit Jahrzehnten. In vielen Ländern der Welt verzeichnet die katholische Kirche starken Zulauf, nicht allerdings in Deutschland und Westeuropa.

Mehr als 100mal reiste der Papst ins Ausland, wo er von Millionen Katholiken gefeiert wurde. Er rief die Weltjugendtreffen ins Leben. Zum nächsten dieser Treffen in Köln wollte Johannes Paul II. im August nach Deutschland kommen. Mit Spannung wird nun erwartet, ob der nächste Papst nach Köln kommen wird. Deutschland könnte dann das Ziel einer der ersten Auslandsreisen des neuen Papstes sein.

Vor mehr als einem Monat war Johannes Paul II. nach einem Luftröhrenschnitt ein Tubus am Hals eingesetzt worden, um ihm das Atmen nach einer Grippe zu erleichtern. Seither hat er praktisch nicht mehr in der Öffentlichkeit gesprochen. Zu Ostern hatte der Papst unter Aufbietung grosser Kraft die Feiern zum wichtigsten christlichen Fest verfolgt, die Gottesdienste aber nicht mehr zelebrieren können. Als dem Papst beim traditionellen Ostersegen die Stimme versagte, offenbarte er einem Millionenpublikum an den Fernsehern tiefe Trauer und körperliche Schmerzen. Wenige Tage später verschlechterte sich der Gesundheitszustand des parkinsonkranken Papstes rapide. Er erlitt einen Herz-Kreislauf-Kollaps, seine Nieren versagten. Bereits in der Nacht zum Freitag erhielt der Papst die letzte Ölung. Seit Freitag abend heisst es auch offiziell aus dem Vatikan, der Papst liege im Sterben.

Johannes Paul II. habe zeitweise das Bewusstsein verloren, sagte Vatikan-Sprecher Joaquín Navarro-Valls gestern. “Das heisst aber keineswegs, dass er sich im Koma befindet”, fügte er hinzu. “Wenn er spricht, sind seine Augen geöffnet, und er ist bei Bewusstsein, aber manchmal scheint er zu schlafen.” Um 7.30 Uhr sei in Gegenwart des Papstes die Morgenmesse gefeiert worden, auch wenn der Papst aktiv nicht teilnahm. Der deutsche Kardinal Joseph Ratzinger besuchte den Papst gestern noch einmal. Dem Papst sei “bewusst, dass er zum Herrn geht”, sagte Ratzinger hinterher.

Auf dem Petersplatz formten Gläubige mit Kerzen den Schriftzug “con te” – “(wir sind) mit dir”. Die Polizei rechnet damit, dass in den kommenden Tagen Hunderttausende Pilger in Rom eintreffen werden.

In Deutschland wurden viele wichtige Kirchen in den vergangenen Nächten für die Gläubigen geöffnet. Allein im Kölner Dom kamen gestern etwa 1500 Menschen zusammen. “Wehen Herzens gehen unsere Gedanken nach Rom, wo der Heilige Vater dabei ist, seinen Hirtenstab abzugeben”, sagte der Kölner Erzbischof Kardinal Joachim Meisner. Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Karl Lehmann, wird heute einen Pontifikalgottesdienst für den Papst im Mainzer Dom abhalten. Ab 9.30 Uhr will der Kardinal mit Gläubigen für den Papst beten.

Besonders emotional begleiteten die Katholiken in Polen die vermutlich letzten Stunden des Papstes.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Kategorien

Die drei Säulen der röm. kath. Kirche

monstranz maria papst-franziskus

Archiv

Empfehlung

Ausgewählte Artikel