Kommunion für alle?

Impuls zum 32. Sonntag im Jahreskreis B — 8.11.2015

‘Pro multis’: Schreiben von Papst Benedikt VI. an den Erzbischof von Freiburg und Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz, Dr. Robert Zollitsch
Kreuzweg 2005: Vatikan/Papst Benedikt XVI.

Münster, 6. November 2015, zenit.org, Msgr. Dr. Peter von Steinitz

Das Höchste, das ein Mensch in diesem Leben erfahren kann, ist dass er sich mit dem Herrn des Himmels und der Erde verbinden kann, und das nicht nur geistig, sondern auch auf eine tatsächlich physische Art und Weise.

Dieser Herr, der allmächtige Gott, ist vor etwa zweitausend Jahren hier auf dem Planeten Erde ein Mensch geworden, hat aus unbegreiflicher Liebe heraus die Sünden der Menschen auf sich geladen, um sie durch seinen Tod zu sühnen, und hat, bevor er diesen schweren Weg antrat, ein Zeichen gestiftet, nämlich das Sakrament des Altares, in dem er seinen Leib und sein Blut real gegenwärtig setzte. Er hat die Menschen eingeladen, sein “Fleisch zu essen” und “sein Blut zu trinken”. Als er dies ankündigte, hat dieser Gedanke die Menschen erschreckt, und sie haben es nicht verstanden.

Als er dann, ‘am Abend vor seinem Leiden’, das Sakrament unter den Gestalten von Brot und Wein verwirklichte und sagte ‘Tut dies zu meinem Gedächtnis’, war er sich mit Sicherheit dessen bewusst, was das für die Menschen, aber auch was das für ihn bedeuten würde. In seiner grenzenlosen Liebe zu uns freute er sich, dass er uns auf diesem Wege nicht nur ganz nahe, sondern ganz innerlich sein konnte. Aber wenn seine gottmenschliche Gegenwart in der Gestalt von Brot eine wirkliche ist (nicht symbolisch, nicht ‘so als ob’), dann müssen die Menschen darüber unterrichtet werden, was das bedeutet, denn dieses Geheimnis erschliesst sich nicht unmittelbar durch den Augenschein.

Die Kirche hat angesichts der Heiligkeit dieses Sakraments zu allen Zeiten versucht, den Menschen klar zu machen, dass der Empfang der hl. Kommunion von Gott gewünscht wird, dass aber Mensch sich darüber klar sein muss, was er da tut.

Bei jenem denkwürdigen Kreuzweg im Kolosseum in Rom im Jahre 2005 hat Kardinal Ratzinger, wenige Wochen vor seiner Wahl zum Papst, eine ergreifende Betrachtung darüber gehalten, was manche Kommunion für Christus bedeutet:

“Müssen wir nicht auch daran denken, wie viel Christus in seiner Kirche selbst erleiden muss? Wie oft wird das heilige Sakrament seiner Gegenwart missbraucht, in welche Leere und Bosheit des Herzens tritt er da oft hinein? Wie oft feiern wir nur uns selbst und nehmen ihn gar nicht wahr? Wie oft wird sein Wort verdreht und missbraucht? Wie wenig Glaube ist in so vielen Theorien, wie viel leeres Gerede gibt es? Wie viel Schmutz gibt es in der Kirche und gerade auch unter denen, die im Priestertum ihm ganz zugehören sollten? Wie viel Hochmut und Selbstherrlichkeit? Wie wenig achten wir das Sakrament der Versöhnung, in dem er uns erwartet, um uns von unserem Fall aufzurichten? All das ist in seiner Passion gegenwärtig. Der Verrat der Jünger, der unwürdige Empfang seines Leibes und Blutes, muss doch der tiefste Schmerz des Erlösers sein, der ihn mitten ins Herz trifft. Wir können nur aus tiefster Seele zu ihm rufen: Kyrie eleison – Herr, rette uns (vgl. Mt 8, 25)“.

Um den Gläubigen zu helfen, die Eucharistie von ‘gewöhnlicher Speise’ zu unterscheiden, hat die Kirche eine milde Schwelle aufgerichtet, damit das kostbare Gut nicht misshandelt wird. Nur eine Schwelle, nicht eine Barriere, wie die Jansenisten, die sagten, dass man ganz vollkommen sein muss, um die Kommunion empfangen zu können. Nein, die Kommunion ist nicht Belohnung für Bravsein, sie ist Stärkung auf dem Weg. Gleichzeitig aber ‘prüfe sich der Mensch!’ Ja, die Hl. Schrift sagt sogar, dass man sich schuldig macht, wenn man ‘unwürdig’ kommuniziert. Diese strengen Worte stehen beim hl. Paulus (1 Kor 11,27-29), und weginterpretieren kann man sie nicht. Die Kirche hat immer zur hl. Kommunion (auch täglich) ermutigt, solange man sich ‘nicht einer schweren Sünde bewusst ist’ (Katechismus der Katholischen Kirche).

Unsere Frage ‘Kommunion für alle?’ muss also auf die gleiche Weise erklärt werden wie die Übersetzung der Wandlungsworte ins Deutsche und in die meisten anderen Sprachen. ‘Das ist mein Blut, das für euch und für alle vergossen wird’ ist zunächst sprachlich falsch übersetzt, denn ‘pro multis’ heisst nicht für alle, sondern für viele. Man kann tatsächlich sagen, dass die Übersetzung der Intention nach richtig ist. Aber nur in der Intention Christi, denn in der Tat ‘Gott will, dass alle gerettet werden’ (Hebr 12,15). In der Intention der Menschen aber ist es falsch übersetzt, denn nicht alle wollen, dass das Blut Christi für sie vergossen wird. Allein die Muslime sagen, dass sie mit diesem Wort nicht einverstanden sind, und natürlich viele andere auch.

Und Gott respektiert den freien Willen des Menschen, auch wenn er in die Irre geht. Also tatsächlich eine Gratwanderung. Wenn man in der heutigen Situation, wo die meisten Katholiken ihren Glauben nicht mehr kennen, sagt: ‘Alle sollen zur Kommunion gehen’ ist das sicher unverantwortlich.

Jesus sagt heute im Evangelium: “Nehmt euch in Acht vor den Schriftgelehrten!”

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