Roms Wende beim Missbrauch

” In Sachen Missbrauch von Schutzbefohlenen kennt man heute kein Pardon mehr”

Guido Horst Die Tagespost, 5. Februar 2014, von Guido Horst

Dass sich der Vatikan jetzt einen kritischen Prüfbericht des Kinderrechtskomitees der Vereinten Nationen eingehandelt hat, wird niemanden wundern. Immerhin musste die Kirche spätestens 2010 erkennen, dass sie bis in ihre Spitzen hinein über Jahre, ja Jahrzehnte zu lax und oberflächlich war.

Noch als Glaubenspräfekt hatte Kardinal Joseph Ratzinger die Wende eingeleitet, als Papst hat er sie dann durchgezogen und sein Nachfolger Franziskus hält an dieser Linie fest. In Sachen Missbrauch von Schutzbefohlenen durch Kleriker und andere Personen im Kirchendienst kennt man heute kein Pardon mehr – auch das kirchliche Strafrecht wird in diesen Fällen wieder angewandt.

Kein Missbrauchsfall soll mehr unter den Teppich gekehrt werden. Was der Prüfbericht meint, wenn er behauptet, Sexualstraftäter könnten in der katholischen Kirche straflos bleiben, muss noch erklärt werden. Straflosigkeit im Fall von Verjährung gilt überall, nicht nur bei Klerikern. Und für ihren eigenen Rechtsbereich hat die Kirche der Verjährungsfristen deutlich verlängert. Es war ja gerade Absicht des Durchgreifens von Kardinal Ratzinger/Benedikt XVI., dass kein Täter – ob Kleriker oder Laie – mehr ungestraft davonkommt und man auch mit den zivilen Ermittlungs- und Rechtsorganen zusammenarbeitet. Es hat Kardinäle gegeben, denen ging diese Null-Toleranz-Politik zu weit. Aber das war eben der Sinn der Wende Ratzingers, die Mentalität in der Kirche zu verändern.

Man könnte den Prüfbericht der Kinderrechtskommission also sogar gutheissen, wenn man zweierlei wüsste: Dass die Vereinten Nationen plötzlich zu einem Bollwerk geworden sind, das für die Rechte der Kinder eintritt, auch der Ungeborenen auf ihr eigenes Leben. Und dass die Vereinten Nationen ebenso die anderen Felder unter die Lupe nehmen, wo Kindesmissbrauch geschieht: die Schulen, die Sportverbände, die Träger von Freizeitangeboten für Kinder. Wenn man das nicht mit Sicherheit feststellen kann, bleibt der schale Geschmack, die katholische Kirche solle hier vorgeführt werden.

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