Das Geld darf nicht alles sein

“Intima ecclesiae natura” (Das Wesen der Kirche)

Die Tagespost, 3. Dezember 2012, von Guido Horst

Das am Samstag veröffentliche Motu proprio “Intima ecclesiae natura” (Das Wesen der Kirche) liest sich wie die Ausführungsbestimmungen zu “Deus caritas est”. Papst Benedikt XVI. ist zum Thema seiner ersten Enzyklika zurückgekehrt: Die tätige Liebe gehöre wie die Verkündigung des Wortes Gottes und die Feier der Sakramente zum ureigensten Auftrag der Kirche, heisst es in dem jüngsten Papstschreiben. Alle Gläubigen hätten somit das Recht, am Liebesdienst der Kirche mitzuwirken und auch entsprechende Vereine und Stiftungen zu gründen. Konkret spricht das Motu proprio von der Tätigkeit der “Caritas” auf pfarrlicher, diözesaner, nationaler und internationaler Ebene, die von der kirchlichen Hierarchie stets gefördert worden sei.

Aber, das war schon Gegenstand von “Deus caritas est”, diese Tätigkeit müsse auch Ausdruck wahrhaft christlicher Nächstenliebe sein. Die bestehe aus mehr als dem Einsammeln und Verteilen von Geld. Da wo sich Getaufte auf karitativem Gebiet engagierten, müsse stets auch das konkrete Zeugnis der Liebe zu den Armen und Bedürftigen aufleuchten.

Die Sorge um kranke und pflegebedürftige Personen ist heute ein riesiger und hart umkämpfter Markt. Auch katholische Organisationen mischen da mit, sie arbeiten in den hiesigen Breitengraden durchweg professionell und verstehen es, sich von der Konkurrenz, das heisst von anderen Anbietern von Pflegedienstleistungen, nicht abhängen zu lassen.

Vor allem hier, in den offiziell “katholischen” Einrichtungen und Diensten, wird man das jüngste Motu proprio des Papstes besonders aufmerksam lesen müssen. Es gibt nicht nur Qualitäts-Checks, die die medizinischen und pflegerischen Leistungen betreffen. Es gibt in der Kirche auch einen Qualitäts-Check, der den genuin christlichen Charakter der betreffenden Organisation betrifft: Sind diese Werke tatsächlich und sichtbar Ausdruck der Liebe zum (notleidenden) Nächsten oder nur eine x-beliebige Variante des allgemeinen Wohlfahrtswesens?

Kurz gefasst lässt sich “Intima ecclesiae natura” in zwei Gedanken zusammenfassen: Wo “katholisch” draufsteht muss auch “Katholisches” drin sein. Und: Es darf keinen “Wildwuchs” geben. In der Kirche sind auch die Werke der Nächstenliebe und Barmherzigkeit geführt, das heisst, es gibt eine Autorität, die über ihren katholischen Charakter wacht, wenn sie Teil der “Diakonia”, also des kirchlichen Liebesdienstes sind. Diese Autorität liegt bei den Bischöfen. Das Motu proprio ist vor allem ein Aufruf an die Bischöfe, die Arbeit und die Methoden der katholischen Organisationen zu prüfen, die auf ihrem diözesanen Gebiet arbeiten und an dem karitativen und vom Evangelium gebotenen Dienst der Kirche Anteil haben. Entweltlichung ist eben nicht Rückzug aus der Welt, sondern die immer wieder nötige Stärkung und Klärung des eigenen katholischen Profils. Unabhängig davon, ob es die Hierarchie war oder das freie Engagement von Gläubigen, die diese Dienste entstehen liess. Und das gilt auch für das Personal. Wer für Werke der katholischen “Caritas” arbeitet, soll auch als Gläubiger ein Vorbild sein, was sowohl die christliche Lebensführung als auch die Herzensbildung betrifft.

Motu proprio über den Dienst der Liebe
Armut ist nicht nur von Geld abhängig
Rechtlicher Rahmen für caritative Einrichtungen geschaffen
Deus caritas est: Enzyklika Papst Benedikt XVI.

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