Unveröffentlichte Schrift von Msgr. Padovese

Ein Jahr nach seiner Ermordung

Quelle

Zu Ehren des ermordeten Bischofs akademische Veranstaltung im römischen Antonianum

Rom, Donnerstag, 9. Juni 2011

Letzten Freitag jährte sich zum ersten Mal die Ermordung von Msgr. Luigi Padovese, Kapuzinerbischof und Apostolischer Vikar in Anatolien, der in Iskenderun von seinem Fahrer getötet worden war. Zu diesem Anlass fand im römischen Antonianum eine Veranstaltung statt, in der ein Sammelwerk zu Ehren des getöteten Bischofs vorgestellt wurde: “In caritate veritas. Luigi Padovese. Kapuzinerbischof und Vikar von Anatolien. Gedenkschriften” von Paolo Martinelli und Luca Bianchi (Dehoniane, Bologna 2011).

Msgr. Padovese wurde am Fronleichnamsfest ermordet, am Ende des Priesterjahres und zur Vigil der Reise Benedikts XVI. nach Zypern, um das “Instrumentum laboris” der Bischofskonferenz der besonderen Versammlung für den mittleren Osten vorzustellen, die im Oktober des letzen Jahres im Vatikan abgehalten wurde und an deren Vorbereitung der Bischof als Präsident der türkischen Bischofskonferenz mitgearbeitet hatte.

In einem nicht veröffentlichten Text, der den Vorlesungsskripten seines Kurses “Ausdrücke christlicher Spiritualität während der patristischen Epoche”, entnommen ist und sich auf die “religiöse Erfahrung der Apologeten des zweiten Jahrhunderts” bezieht, konzentrierte Msgr. Padovese sich auf die Verbindung zwischen Ethik und dem Jüngsten Gericht, die typisch für die Apologeten ist.

“Während die Überwindung der Todesangst und das Streben nach dem ewigen Leben in ihren Texten sehr präsent sind”, so schrieb er, “scheint das heutige endzeitliche Verständnis gegenüber dem vorhergehenden Zeitalter geändert”.

“In der Tat, während  in den Schriften der apostolischen Väter die Erwartung des nahen Endes sehr präsent ist und seitens der Christen sogar beschleunigt werden soll, wird in den Zeugnissen der Apologeten hingegen ausgesagt, dass die Welt dank der Bitten der Christen bestehen bleibt”.

“Der endzeitliche Glaube der Christen erlebt eine Verwandlung: Er wird “personalisierter”. Man konfrontiert sich nicht mehr mit der Idee der Wiederkunft Christi und eines universalen Gerichts, einberufen zur Beurteilung aller”.

“Es überwiegt hingegen die Idee des sicheren Endes der Einzelnen und ihrer sofortigen Gegenüberstellung mit Christus, alsdann gewinnt ein Empfinden von “Furcht” in Verbindung mit der Sicherheit eines ,”furchtbaren” göttlichen Gerichts an Raum. Allein durch die guten Werke ist es möglich, unbeschadet daraus hervorzugehen”.

“Im christlichen Gewissen dieser Zeit ist also die Furcht vor der Strafe, die dem Sünder droht, ein Ansporn zum guten Handeln und die Versuchungen der Welt und sogar die Bedrohungen der Verfolger zu überwinden”, beobachtete Msgr. Padovese.

“Diese Verbindung zwischen Ethik und Endgericht ist charakteristisch für die Apologeten. Es ist ein Aspekt ihrer endzeitlichen Spannung, aber auch ein Hinweis auf die theologische Dimension ihrer ethischen Lehre”.

Das vorgestellte Buch enthält Beiträge berühmter Persönlichkeiten wie das Vorwort von Pater José Rodriguez Carballo, Generaloberer der Franziskaner, Botschaften und Erinnerungen von Bartholomäus I., dem Patriarchen von Konstantinopel, der Kardinäle Dionigi Tettamanzi, dem Erzbischof von Mailand und von Joachim Kardinal Meisner, Erzbischof von Köln, von Msgr. Ruggero Franceschini, dem Erzbischof von Smirne, von Anders Arborelius, dem Präsidenten der Nordeuropäischen Bischofskonferenz und von Flavio Roberto Carraro, dem emeritierten Bischof von Verona.

Weitere Texte stammen  von Mauro Jöhri, Generalminister der Franziskaner, Alessandro Ferrari, Provinzial der Minderen Kapuzinerbrüder von Mailand, Domenico Bertogli, Generalvikar von Msgr. Padovese in Anatolien und Beiträge der Kardinäle Jean Louis Tauran und Péter Erdö.

Im Anhang wird eine Lebensbibliographie von Msgr. Padovese vorgestellt, herausgegeben von Paolo Martinelli und Marino Pacchioni, mit dem Titel “Msgr. Luigi Padovese. Überwindung der Todesangst und Streben nach dem ewigen Leben”.

[Übersetzung aus dem Italienischen von Josef Stolz]

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