Kehrtwende in der Energieversorgung?

Der hohe Preis der Kernkraft: Vatikan lädt zum Umdenken ein
 
Rom, zenit.org, 28. März 2010 von Angela Reddemann 

In der Politik spricht man von einer Kehrtwende in der Energieversorgung, es ist die Rede von Atomstreit und wie man eine Lehre aus Japan ziehen könne.

Kirchenführer wollen jetzt die Beratungen über den Ausstieg aus der Nutzung von Kernenergie mit ihrer Brisanz für die globale Gesellschaft auf der Ebene von “Pro Life” Debatten führen. Der Wegbereiter für diese Diskussionsebene ist der Münchner Erzbischof, Kardinal Reinhard Marx. “Unsere Skepsis ist gestiegen, weil das Restrisiko der Atomkraft nicht beherrschbar und die Endlagerung nicht geklärt ist”, sagte der Erzbischof von München und Freising.

Dieser bekam Anfang letzter Woche Unterstützung aus dem Vatikan, als P. Frederico Lombarsi SJ erklärte, dass Kernenergie zwar eine immense Ressource für die Menschheit sei, aber die Fragen über ihre Risiken nicht vernachlässigt werden dürften. “Es ist richtig und zwingend, erneut über die korrekte Verwendung der technologischen Energien zu reflektieren, über die Risiken, über den Preis, den wir Menschen dafür bezahlen müssen. Der Papst empfiehlt dieses oft.”

Der Leiter des vatikanischen Pressebüros, hatte in der letzten Folge von “Octava Dies” über das Erdbeben und den Tsunami in Japan gesprochen und festgestellt, dass die Bilder, die seit Tagen übermittelt würden, viele Fragen aufwürfen. An erster Stelle stünde das Mitgefühl und das Leid angesichts von 8.450 Toten, 2.701 Verletzten und 12.931 Menschen, die nach der Katastrophe vermisst würden.

Aber dann habe sich die “die Aufmerksamkeit der Welt von der zerstörerischen Welle dieser Katastrophe auf die Kernkraftwerke gelenkt”, so der Jesuitenpater. Das Statement des Chefs der Internationalen Atomenergiebehörde, Yukiya Amano, dass die Krise am Kernkraftwerk “äußerst ernst” sei, habe die Weltöffentlichkeit alarmiert.

Fakt ist: Die Einen sehen in dem, über das was Live-Ticker seit 14 Tagen über Fukushima informieren, die Vorstufe eines schier unabwendbaren Super-Gaus und einen Impuls zur politischen Bekehrung zu erneuerbaren Energien. Die  Anderen versuchen während dessen klar zu machen, dass man sich dieser Risiken und Nebenwirkungen immer bewusst gewesen sei.

Gut zwei Wochen nach der Erdbeben- und Tsunami-Katastrophe in Japan werden die Nachrichten aus dem beschädigten AKW Fukushima I aber immer alarmierender. Im Reaktorblock 2 stieg die Radioaktivität zuletzt auf einen Wert, der 100.000 Mal höher als normal ist. Die Strahlung wurde am heute verseuchten Wasser gemessen, das im Turbinen-Gebäude des Reaktorblocks steht. Auch der Vorgang von Kernschmelze wurde zugegeben.

Ist Umdenken also gar nicht nötig. Im Ernstfall sollte es also reichen, “bei allen Risiken und Nebenwirkungen” den “Apotheker” zu fragen?

Innerkirchlich kam vielen bibelfesten Christen angesichts der vier, angeblich erdbebensicheren Kernreaktoren, die von der Firma Tepko in Japan betrieben wurden, und deren Brennstäbe zu kühlen derzeit niemand versteht, das Bild vom Turmbau zu Babel in den Sinn.

Die Frage nach der Verantwortung wurde häufig gestellt. Das Land, auf das die erste Atombombe fiel, das Land, indem jährlich der Opfer von Hiroshima und Nagasaki gedacht wird, kannte die Risiken einer nuklearen Katastrophe. Sie sind eingebrannt in die Leiber der Opfer, der Toten die mahnen und der Lebenden die in Japan, verstrahlt und verwundet, unendlich leiden. Dennoch überwand Japan irgendwann die Scheu vor der Kernenergie und lies überall im Land rund 50 grosse Reaktoren bauen.

“Es gab Explosionen und Ausweichen von Strahlung an den Kraftwerken, die aufgrund der Zerstörung durch das Erdbeben und den Tsunami ausgelöst wurden. Etwa 200.000 Menschen sind aus ihren Häusern in der Nähe der Kraftwerke evakuiert worden”, malte der Vatikansprecher erneut das Szenarium aus..

“Die Japaner”, so räumte P. Lombardi ein, “haben gezeigt, dass sie gelernt haben, wie man mit Weitsicht den Gefahren von Erdbeben auf bewundernswerte Weise, durch den Bau von Gebäuden vorbeugen kann, die ausreichend gegen stärkste Beben gesichert sind. Und dennoch hat bei dieser Gelegenheit Japans technologische Fortschritt eine Schwachstelle gezeigt, die in einem gewissen Sinn ganz unerwartet kam.”

Aber, so gab P. Lombardi SJ zu bedenken: “Die Sicherheit der Anlagen und die Sicherung von radioaktivem Material kann nie absolut sein”.

Nach Hiroshima und Nagasaki kam  Kyschtm in der ehemaligen SU, das war 1957. Dann Tschernobyl mit seinem schrecklichen Vorgängen, die am 26. April 1986 ihren Anfang nahmen und die bald ihren 25. Jahrestag “feiern”. Aber immer gab es ein danach … “Verstrahlt, verdrängt, vergessen”, diagnostiziert die Ausstellung von Greenpeace, die in vielen Metropolen läuft.  Dennoch kann die Wirtschaft, können Atompolitiker nicht die Finger von dieser unkontrollierbaren Form von Energieerzeugung lassen.

Wieviele mal Super-Gau verträgt der menschliche Grössenwahn? Bleibt die Antwort ein … blowing in the wind? Es geht um Pro-Life. Christen und alle Menschen guten Willens sind gefordert.

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