Gaza und die Folgen

Humanitäres Desaster

oliver maksanDie Tagespost, 28. Juli 2014 von Oliver Maksan

Das humanitäre Desaster infolge des laufenden Gaza-Kriegs lässt sich schon jetzt ziemlich exakt beziffern. Über tausend Tote auf palästinensischer, bald fünfzig auf israelischer, Tendenz steigend. Hinzu kommen tausende Verletzte und weit über hunderttausend Binnenflüchtlinge. Der ökonomische Schaden ist ebenfalls gewaltig. Riesige Summen werden nötig sein, um Gaza wenigstens wieder auf den Vorkriegszustand zu bringen, nachdem Infrastruktur und Häuser in weiten Teilen zerstört worden sind. Auch die israelische Wirtschaft hat durch den Krieg gelitten. Den Rückgang des Pilgertourismus bekommen die Christen in Jerusalem, Nazareth und Bethlehem schon jetzt zu spüren.

Nicht auf Punkt und Komma lassen sich derweil die psychologischen Langzeitfolgen des Konflikts berechnen. Nach dem Verlust an Menschenleben ist der Verlust an Vertrauen zwischen Juden und Arabern aber das schlimmste Ergebnis dieses Krieges. Regelrechte Exzesse des Hasses werden auf Facebook und den Kommentarleisten der Nachrichtenportale ausgetragen. In der Westbank steigt die Zahl der Demonstrationen gegen Israel. Beobachter fühlen sich angesichts blutiger Ausschreitungen in Ramallah schon an die letzte Intifada erinnert. Vorbei die Zeiten, als die israelische Armee verkünden konnten, 2012, 2013 sei das ruhigste Jahr seit so und so vielen Jahren gewesen. Jede Seite brüstet sich moralischer Überlegenheit und sieht sich gerechtfertigt. Erschütternd ist zudem der fast völlige Mangel an Empathie. Israelische Araber bejubeln den Tod israelischer Soldaten, Juden interessieren sich kaum für die “Kollateralschäden”, die ihre Armee in Gaza anrichtet oder tun sie schnell als unvermeidbar ab, Arabern fehlt das Verständnis für ein traumatisiertes Israel unter Hamas-Beschuss. Das Unvermögen, sich in die andere Seite hineinzuversetzen, begleitet den Nahostkonflikt zwischen Juden und Arabern indes von Anfang an. Opfererzählung stösst hier auf Opfererzählung. Beide sind jetzt um ein Kapitel reicher. Unwahrscheinlich, dass sich so in absehbarer Zeit eine Seite des Friedens aufschlagen lässt.

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