Papst Leo nimmt an Jubiläums-Friedenstreffen in Assisi teil
Papst Leo XIV. wird am diesjährigen internationalen Friedenstreffen der Gemeinschaft Sant’Egidio in Assisi teilnehmen. Die Begegnung unter dem Titel „Frieden: unbewaffnet und entwaffnend“ findet vom 25. bis 27. Oktober 2026 statt – genau 40 Jahre nach dem historischen Gebetstreffen für den Frieden, zu dem Papst Johannes Paul II. am 27. Oktober 1986 Vertreter verschiedener Religionen nach Assisi eingeladen hatte. Auch der Ökumenische Patriarch Bartholomaios wird erwartet
Quelle
Assisi: Bischof begrüßt angekündigten Papstbesuch zum Friedensjubiläum – Vatican News

Christine Seuss – Vatikanstadt
Das kündigte Marco Impagliazzo, Präsident der Gemeinschaft Sant’Egidio, bei der Vorstellung des Treffens am Dienstag in Rom an. Erwartet werden rund 5.000 Teilnehmer, darunter über 380 Vertreter der großen Religionen sowie aus Kultur, Zivilgesellschaft und Politik. Das Programm umfasst 24 Foren und Gesprächsrunden zu Themen wie Krieg und Frieden, nukleare Abrüstung, Migration, Künstliche Intelligenz, Ökologie, Demokratie, Europa und die Rolle der Religionen in einer von neuen Konflikten geprägten Welt. Die Eröffnung findet am Sonntagnachmittag, 25. Oktober, im Messezentrum UmbriaFiere in Bastia Umbra statt; abgeschlossen wird das Treffen am 27. Oktober mit einer Friedenszeremonie auf der Piazza Inferiore der Basilika San Francesco.
Im Mittelpunkt des diesjährigen Treffens steht nach den Worten Impagliazzos die Frage, wie angesichts der heutigen Kriege neue Wege zum Frieden gefunden werden können. Papst Leo XIV. habe wiederholt zu Kreativität bei der Suche nach Wegen zum Frieden aufgerufen. „Was bedeutet es heute, kreativ Wege des Friedens zu denken?“, fragte Impagliazzo. Darum gehe es in Assisi, nämlich „sich kreativ Wege des Friedens vorzustellen in einer Welt, in der man nichts anderes sieht als die Brutalität des Krieges.“
Kreativ Wege des Friedens suchen
Der Präsident von Sant’Egidio verortete darin die Fortsetzung des ursprünglichen „Geistes von Assisi“. 1986 hatte Johannes Paul II. erstmals Religionsvertreter aus aller Welt zu einem gemeinsamen Gebet für den Frieden versammelt – „nicht mehr gegeneinander, sondern nebeneinander“, wie Impagliazzo die damalige Initiative beschrieb. Ein „Wendepunkt” in den Beziehungen zwischen dem zeitgenössischen Katholizismus und anderen Religionen, wie es Historiker später nennen sollten. Der Papst habe am Ende des Treffens den Frieden als „offene Baustelle für alle, nicht nur für Spezialisten“ bezeichnet.
Impagliazzo erinnerte daran, dass Sant’Egidio bereits 1986 an der Vorbereitung des Treffens beteiligt war. Die Gemeinschaft habe damals beschlossen, den „Geist von Assisi“ nicht auf ein einmaliges Ereignis zu beschränken, was zunächst allerdings keineswegs selbstverständlich gewesen sei. Es habe – auch im Vatikan – Befürchtungen gegeben, weitere Treffen könnten zu einer bloßen Inszenierung oder gar zu einem Synkretismus führen. Johannes Paul II. habe die Fortsetzung unter der Regie der Basisgemeinschaft jedoch ausdrücklich ermutigt. 1987 fand in Rom dann mit Unterstützung durch Kardinal Martini von Mailand und durch den römischen Weihbischof Rossano das erste Folge-Treffen statt.
Internationale Begegnungen – auch in D
Von da an entwickelte sich eine internationale Reihe von Begegnungen. Auf Rom folgten Warschau 1989, Bari 1990, Malta 1991, Brüssel 1992 und Mailand 1993. 1994 kehrte das Treffen erstmals nach Assisi zurück. In den folgenden Jahren führte der Weg unter anderem nach Florenz und Jerusalem, Lissabon, Krakau, Sarajevo und Tirana. In jüngeren Jahren führte der Weg 2011 nach München, nach Münster und Osnabrück 2017, dann folgten Bologna 2018, Madrid 2019, Rom 2020 bis 2022, Berlin 2023, Paris 2024 und Rom 2025. 2026 kehrt das Treffen nun an seinen Ausgangspunkt zurück.
Impagliazzo erinnerte in diesem Zusammenhang an eine Äußerung Johannes Pauls II. nach dem Fall der Berliner Mauer 1989. Der Papst habe damals gesagt: „Wir haben in Assisi nicht vergeblich gebetet.“ Für ihn sei dieser Satz auch nach 40 Jahren aktuell, so Impagliazzo: „40 Jahre sind nicht vergeblich vergangen. Wir haben in Assisi nicht vergeblich gebetet.“ Die Begegnungen hätten über die Jahre Freundschaften zwischen Menschen unterschiedlicher Religionen geschaffen und auch konkrete Friedensprozesse begleitet, etwa in Mosambik, der Zentralafrikanischen Republik, auf Mindanao oder in der Elfenbeinküste.
Der Geist von Assisi half in schweren Momenten
Der „Geist von Assisi“ habe sich zudem in schwierigen historischen Momenten bewährt. Nach den Terroranschlägen vom 11. September 2001 seien insbesondere muslimische Religionsführer unter Druck geraten. Der interreligiöse Dialog habe ihnen geholfen, sich klar gegen Gewalt und religiösen Fundamentalismus zu positionieren. Zugleich hätten die Begegnungen Vorurteile gegenüber anderen Religionen abbauen können. Impagliazzo erinnerte etwa an das gemeinsame Gebet in Auschwitz-Birkenau 1989, bei dem muslimische Vertreter gemeinsam mit jüdischen und christlichen Teilnehmern den Ort des Holocaust besucht hatten.
Heute sieht Impagliazzo eine besondere Herausforderung im Wiedererstarken von Nationalismus und Souveränismus sowie in der Krise des Multilateralismus. Die Religionen könnten zu einer „geistlichen Vereinigung“ der Welt beitragen – nicht im Sinne von Einheitlichkeit oder Gleichmacherei, sondern indem sie die Idee universaler Geschwisterlichkeit in unterschiedliche kulturelle und religiöse Zusammenhänge hineintragen.
Friedensprozesse brauchen ihre eigene Zeit
Der Geist von Assisi schaffe Freundschaften und Beziehungen und könne helfen, „von der Angst vor dem anderen“ frei zu werden. Dies sei gerade angesichts der gegenwärtigen Kriege wichtig. Die Treffen wollten nicht den Eindruck erwecken, politische Konflikte ließen sich innerhalb weniger Tage lösen. Friedensprozesse benötigten ihre eigene Zeit, betonte Impagliazzo: Die tiefen Prozesse, die Geschichte prägten, verliefen nicht im Tempo der Tagespolitik.
Auch deshalb verstehe er das diesjährige Treffen nicht als bloße Erinnerung an 1986. Es gehe vielmehr darum, an die Überzeugung zu erinnern, dass Frieden möglich sei, weil er möglich gewesen ist. Als Europäer verwies Impagliazzo dabei auf die Entwicklung Europas nach dem Zweiten Weltkrieg, die zeitweise zu einem Modell für die Welt geworden sei.
Gebet in der eigenen Tradition
Die Friedenszeremonie am 27. Oktober soll diesen Gedanken sichtbar machen, unterstrich der Präsident der Basisgemeinschaft bei der Vorstellung. Während die verschiedenen Religionen gleichzeitig, aber an unterschiedlichen Orten nach ihren jeweiligen Traditionen beten, wird Leo XIV. das gemeinsame Gebet mit den christlichen Kirchenvertretern in der Unterkirche von San Francesco leiten. In der Friedensliturgie sollen die Namen der Länder verlesen werden, in denen derzeit Krieg herrscht.
Leo XIV. und der Ökumenische Patriarch Bartholomaios werden den Planungen zufolge Ansprachen halten. Anschließend ist auf dem Platz vor der Basilika eine gemeinsame Feier mit Vertretern der verschiedenen Religionen vorgesehen, kündigte Impagliazzo an. Auch eine gemeinsame Friedensbotschaft der Religionsführer sei im Gespräch.
vatican news. 6. Oktober 2026
Danke, dass Sie diesen Artikel gelesen haben. Wenn Sie auf dem Laufenden bleiben wollen, können Sie hier unseren Newsletter bestellen..
Themen


Schreibe einen Kommentar