D: Nuntius ruft in Sachsen zum Einsatz für Demokratie auf


Beim Jahresempfang des Katholischen Büros Sachsen in Dresden hat der neue Apostolische Nuntius in Deutschland, Erzbischof Hubertus van Megen, zu einem entschlossenen Engagement für eine freiheitliche Gesellschaftsordnung aufgerufen

Quelle
D: „AfD könnte Kirchen zu Selbstentkernung zwingen“ – Vatican News
D: „Verwerfungen und Polarisierung“ – Vatican News
Religionsfreiheit (142)

In seiner ersten öffentlichen kirchlichen Ansprache seit dem Amtsantritt im Juli ermutigte der Diplomatenvertreter des Vatikans die Menschen in Sachsen, sich kontinuierlich für Freiheit, Demokratie sowie das Wohl der Allgemeinheit einzusetzen.

Anlässlich des 30-jährigen Bestehens des Staatskirchenvertrags zwischen dem Freistaat Sachsen und dem Heiligen Stuhl würdigte van Megen das gewachsene Verhältnis beider Partner. Eine demokratische und freiheitliche Ordnung bilde die grundlegende Voraussetzung für freundschaftliche Beziehungen auf Augenhöhe. An der Veranstaltung nahmen knapp zweihundert Vertreter aus Politik und Gesellschaft teil, eingeladen von den Bischöfen Heinrich Timmerevers, Wolfgang Ipolt und Gerhard Feige.

Anerkennung des kirchlichen Gemeinwohlbeitrags

Sachsens Kultusminister Conrad Clemens dankte den kirchlichen Trägern für ihren Einsatz im Freistaat. Die Kirchen prägten das gesellschaftliche Leben seit Langem in den Bereichen Bildung, Kultur und Sozialwesen und böten Orientierung, ohne die individuelle Freiheit des Einzelnen einzuschränken.

Verteidigung des neutralen Religionsverfassungsrechts

In seinem Festvortrag ging der Leiter des Katholischen Büros Berlin, Prälat Karl Jüsten, auf die Grundlagen des deutschen Religionsverfassungsrechts ein. Ein verfassungsrechtlich neutraler Staat bevorzuge keine Glaubensgemeinschaft und verurteile Religionen nicht pauschal im Voraus, was gerade in einer pluralistischen Gesellschaft richtungsweisend sei. Jüsten betonte zudem, dass die Kirchen ihr Handeln und ihre Sonderrechte im Arbeits- und Staatskirchenrecht gegenüber der Öffentlichkeit stets aufs Neue nachvollziehbar begründen müssten.

Zugleich wandte sich Jüsten gegen Bestrebungen, kirchliche Strukturen zurückzudrängen oder für politische Zwecke zu vereinnahmen. Kritik übte er an den kirchenfeindlichen Positionen im Landtagswahlprogramm der AfD in Sachsen-Anhalt. Wer die Handlungsfähigkeit der Kirchen beschneide, schädige das Gemeinwesen und treffe vor allem hilfsbedürftige Menschen. Die Inanspruchnahme christlicher Werte bei gleichzeitiger Ablehnung der praktischen Nächstenliebe und Wohlfahrtspflege widerspreche dem eigentlichen Auftrag der Kirche, der weit über den Gottesdienst hinaus in die Gesellschaft hineinwirke.

kna – mg, 1. September 2026

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