Interreligiöses Friedensgebet in Genf

Interreligiöses Friedensgebet in Genf: Vatikan und Rotes Kreuz mahnen Diplomatie an

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Interreligiöses Friedensgebet

Vor dem Hintergrund eskalierender globaler Konflikte und einer Rückkehr zur “Logik roher Gewalt” hat die Ständige Vertretung des Heiligen Stuhls bei den Vereinten Nationen in Genf am Mittwochabend zum 17. jährlichen interreligiösen Friedensgebet geladen. In der Genfer Kirche St. Nikolaus von Flüe versammelten sich rund 300 Diplomaten, Botschafter und Religionsvertreter, um ein Zeichen gegen die weltweit zunehmenden Kriege zu setzen.

Mario Galgano – Vatikanstadt

Die Veranstaltung stand unter dem Leitmotiv der Botschaft von Papst Leo XIV. zum Weltfriedenstag 2026: “Der Friede sei mit euch allen: Auf dem Weg zu einem ‘unbewaffneten und entwaffnenden’ Frieden.”

Pizzaballa: “Frieden aufgeben heißt, den Krieg als Norm zu akzeptieren”

Einen besonderen Akzent erhielt der Abend durch die Anwesenheit des Lateinischen Patriarchen von Jerusalem, Kardinal Pierbattista Pizzaballa. Er war direkt aus dem Heiligen Land angereist und zeichnete ein nüchternes Bild der Realität in seiner von Konflikten zerrissenen Diözese.

“Den Frieden aufzugeben würde bedeuten, den Krieg als ‘normale Sprache’ in den menschlichen und internationalen Beziehungen zu akzeptieren”, erklärte der Kardinal. Er warnte vor einem naiven Optimismus, forderte aber eine “anspruchsvolle Hoffnung”. Waffenstillstände allein reichten nicht aus, so Pizzaballa weiter: “Es gibt keinen dauerhaften Frieden ohne Gerechtigkeit – aber es gibt keine wirkliche Gerechtigkeit, solange der Andere nicht als Person, sondern nur als Werkzeug oder Hindernis wahrgenommen wird.”

IKRK warnt vor Erosion des Völkerrechts

Der Ernst der Lage wurde auch durch einen Beitrag des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz (IKRK) unterstrichen. Vizepräsident Giles Carbonnier überbrachte eine Botschaft der Präsidentin Mirjana Spoljaric, in der auf erschreckende Statistiken verwiesen wurde: Derzeit gibt es weltweit 130 aktive bewaffnete Konflikte – doppelt so viele wie noch vor 15 Jahren.

Das IKRK mahnte die Einhaltung des humanitären Völkerrechts an: “Wenn es 100 Schritte zum Frieden gibt, sind die ersten humanitär. Das Völkerrecht rettet Leben und bewahrt Wege zurück zum Frieden, indem es bekräftigt, dass die Menschlichkeit nicht endet, wenn der Krieg beginnt.”

Sieg ohne Eroberung

Der Gastgeber des Abends, Erzbischof Ettore Balestrero, päpstlicher Nuntius und Ständiger Beobachter des Heiligen Stuhls in Genf, rief mit einem Wort von Papst Leo nach einem “entwaffnenden Frieden” als Gegenentwurf zur aktuellen Gewaltspirale. Ein solcher Friede “siegt ohne Eroberung und trainiert nicht für die Schlacht, sondern für Versöhnung und Zusammenarbeit”. Er rief die anwesenden Diplomaten dazu auf, der “Bewaffnung” von Gedanken und Worten zu widerstehen.

Ein universeller Appell

Die Feier vereinte Gebete und Reflexionen christlicher, jüdischer, muslimischer und buddhistischer Führer. Musikalisch untermalt wurde der Gottesdienst von philippinischen und afrikanischen Chören der Gemeinde. 

vatican news, 30. Januar 2026

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