Raus aus der Komfortzone

Seit dem ersten Pfingsten der Kirchengeschichte ist für Christen die Schonfrist vorbei. Statt Jammern über Missstände: Ärmel hoch und selbst anpacken

Quelle
Wie das Licht des Glaubens nicht unter den Scheffel kommt
“Hoffnung für das ganze Jahr”
Wallfahrt von von Paris nach Chartres: 16000 Pilger aus 28 Ländern
Jugendfest im Mariendom
Pontifikalamt zu Pfingsten in Maria Vesperbild

04.06.2023

Franziska Harter

Ein kurzer Blick in die Nachrichten könnte heute auch den größten Stoiker leicht zur Verzweiflung treiben. Spaltung, Polarisierung und Werteverlust prägen zunehmend unsere Gesellschaft; Krieg und Konflikte, wohin man in der Welt schaut. Die Folgen gerade für die junge Generation sind angesichts dramatischer Bildungslücken und überquellender Psychiatrien nicht mehr zu übersehen. In der katholischen Kirche, für viele Zeitgenossen nun ein Synonym für “Missbrauchsorganisation”, scheint die Abrissbirne Synodaler Weg auch noch die letzten stehenden Mauern dem Erdboden gleichmachen zu wollen.

Kreative Minderheiten

Als rezeptfreies Antidepressivum empfiehlt sich ein ausgedehnter Blick auf Orte, an denen Christen das tun, was sie am besten können, nämlich voll Gottvertrauen die Ärmel hochkrempeln. Das “Thema der Woche”  illustriert an einer Reihe an Beispielen, wie Katholiken dort Hand anlegen, wo Lücken in herkömmlichen Strukturen klaffen: in der Katechese, im christlichen Gemeinschaftsleben, in der Theologie, in den Medien. Die Neuansätze in den verschiedenen Bereichen könnten vielfältiger nicht sein, haben aber alle eines gemeinsam: Statt darauf zu warten, dass irgendwer irgendetwas unternimmt, werden gläubige Menschen selbst aktiv, um einen erkannten Mangel zu beheben.

Sie haben verstanden, was Papst Benedikt XVI. damit meinte, als er vom Potenzial der Christen als “kreativen Minderheiten” sprach: Um einen Umschwung zu erreichen, braucht es nicht die Masse, sondern es reichen wenige Menschen, die wirklich anpacken. Die nicht kleingläubig den Status Quo bewahren, sondern dringend benötigte neue Räume schaffen, um Glaube und Wissen, Kultur und Werte wieder effektiv an die junge Generation weiterzugeben.

“Es braucht selbstbewusste Laien, die lehren, leiten und an der Heiligung der Welt wirken.”

Um zu erkennen, wann bröckelnde oder verknöcherte Strukturen nicht mehr ausreichen und der Moment für etwas Neues gekommen ist, braucht es den Geist der Unterscheidung, den Heiligen Geist. Seit dem ersten Pfingsten der Kirchengeschichte ist für die Jünger Christi die Schonfrist vorbei, in der sie sich hinter verschlossenen Türen verstecken duften. Das haben auch die jungen Menschen verstanden, die sich dieses Jahr wieder zu dutzenden Pfingst-Wallfahrten und -Festivals zusammengefunden haben, um dort Kraft für ihre Aufgaben in der Welt zu sammeln.

Selbstbewusste Laien

Es ist kein Zufall, dass die Ausgießung des Heiligen Geistes auch als der Geburtstag der Kirche gefeiert wird. Der Leib der Kirche besteht aus vielen Gliedern, die die Gaben des Heiligen Geistes empfangen haben, um sie in den Dienst ihrer Nächsten zu stellen (vgl. 1 Kor 12). Jeder einzelne Gläubige ist dazu berufen, gemäß seinen Gaben und Talenten an der Sendung der Kirche in der Welt teilzunehmen.

Dafür braucht es keine Klerikalisierung der Laien, die am Ende doch nur in kleinlichem Gefeilsche um (echte oder eingebildete) Macht endet. Stattdessen rufen zahllose Baustellen nach selbstbewussten Laien, die lehren, leiten und ihre priesterliche Aufgabe der Heiligung der Welt erfüllen. In Beruf und Familie, in der Politik, der Jugendarbeit, in Caritas und Katechese bietet sich jedem Gläubigen ein schier unüberschaubares Feld, das nur darauf wartet, beackert zu werden. Von der Kirche dürfen diese Gläubigen zu Recht erwarten, dass sie sie durch die Spendung der Sakramente und die Vermittlung des Glaubens der Apostel stärkt.

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