Vatikan präsentiert Weltkarte katholischer Umweltprojekte
Mehr als 6.200 kirchliche und andere Einrichtungen weltweit beteiligen sich an der Laudato-si’-Aktionsplattform, die der Vatikan initiiert hat. Zum fünfjährigen Bestehen hat das zuständige vatikanische Dikasterium an diesem Mittwoch einen digitalen Atlas vorgestellt

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Er zeigt, wo katholische Einrichtungen Umweltprojekte umsetzen, und verbindet ihre Aktivitäten mit geografischen und klimatischen Daten. Die Plattform zählt inzwischen mehr als 13.000 registrierte Nutzerprofile. Ihre Bilanz präsentierte das Dikasterium für die ganzheitliche Entwicklung des Menschen am 4. November im vatikanischen Pressesaal.
Der neue Atlas soll vor allem den Austausch zwischen Einrichtungen fördern. Nutzer können einzelne Länder oder Diözesen auswählen und die dort beteiligten katholischen Institutionen finden. Sofern diese zustimmen, lassen sich auch ihre Umweltpläne und Überlegungen einsehen. Projektleiter Alonso de Llanes erläuterte das Ziel anhand eines Beispiels: „Eine Pfarrei könnte bereits die Lösung für ein Problem gefunden haben, mit dem eine andere Pfarrei, Tausende Kilometer entfernt, gerade erst konfrontiert ist.“ Vielerorts existiere das nötige Wissen bereits. Häufig fehle jedoch der Kontakt zwischen den Beteiligten.
Ökologische Verantwortung als Glaubensfrage
Die vatikanische Plattform geht auf die Umweltenzyklika „Laudato si’“ von Papst Franziskus zurück, die vor elf Jahren erschien. Sie ermöglicht Gemeinden und Institutionen, eigene Pläne für eine ganzheitliche Ökologie zu entwickeln, Fortschritte festzuhalten und Erfahrungen weiterzugeben. Die Präfektin des zuständigen Dikasteriums, Schwester Alessandra Smerilli, betonte bei der Vorstellung die Tragweite dieser Arbeit. „Es sind keine einfachen Umweltprojekte, sondern Entscheidungen darüber, was wir lehren und bewahren, wie wir die uns anvertrauten Güter nutzen und welche Welt wir denen hinterlassen, die nach uns kommen“, sagte sie.
Smerilli verwies zugleich auf die unterschiedlichen Möglichkeiten der Beteiligten. Manche Gemeinschaften verfügten über Netzwerke, finanzielle Mittel und Fachwissen, andere hätten erheblich weniger Ressourcen. Daraus ergebe sich eine besondere Verantwortung für die Begleitung der Initiativen. „Wir haben gelernt, dass eine Einladung nicht ausreicht: Wer ein Engagement einfordert, muss auch diejenigen begleiten, die es übernehmen.“ Die Enzyklika solle konkrete Veränderungen anstoßen. Franziskus habe sie als Einladung zur Umkehr angeboten, um die durch die Sünde verletzten Beziehungen zu Gott, zum Nächsten und zur Erde zu heilen.
Von Schulbeeten bis zum Verzicht auf CO2
Wie unterschiedlich diese Veränderungen aussehen, zeigt der fünfte Jahresbericht der Plattform. Schüler legen Gärten an und erleben, wie ihre Arbeit Früchte trägt. Gemeinschaften in der Demokratischen Republik Kongo pflanzen Bäume, kirchliche Einrichtungen auf den Philippinen erproben neue Formen der Energienutzung. Universitäten vernetzen sich und überarbeiten ihre Studiengänge im Sinne einer ganzheitlichen Ökologie.
Ein weiteres Beispiel stammt aus dem indischen Mumbai. Der frühere Weihbischof Allwyn D’Silva berichtete von einer Initiative, die das religiöse Fasten mit dem Klimaschutz verbindet. Unter dem Namen „Carbon Fast“ regte die Erzdiözese dazu an, den täglichen Verbrauch von Strom und Wasser sowie den Umgang mit Plastik zu überdenken. „Es mögen unbedeutende Gesten erscheinen. Dennoch erinnern sie uns daran, dass der Glaube auch jene Gewohnheiten verändern kann, die uns kaum bewusst sind“, erklärte D’Silva.
Gerade für die langfristige Wirkung solcher Initiativen sieht der ehemalige Weihbischof einen Nutzen der digitalen Plattform. Pfarrer wechselten ihre Aufgaben, Ehrenamtliche übernähmen andere Tätigkeiten. Projekte könnten dadurch abbrechen, wenn sie allein vom Einsatz einzelner Personen abhingen. Die Plattform biete den Gemeinden einen verbindlichen Rahmen, um Verantwortlichkeiten zu klären, Fortschritte zu überprüfen und begonnene Vorhaben fortzuführen.
Ordensfrauen und die nächsten fünf Jahre
Eine wichtige Rolle spielen dabei die Ordensgemeinschaften. Schwester Roxanne Schares von der Internationalen Vereinigung der Generaloberinnen (UISG) verwies auf den Einsatz von Ordensfrauen in Korea, im Südsudan und im Amazonasgebiet. Die Vereinigung vertrete 600.000 Schwestern auf fünf Kontinenten. Mehr als die Hälfte der Kongregationen weltweit beteilige sich an der Laudato-si’-Plattform, erklärte Schares.
Mit Blick auf die kommenden fünf Jahre kündigte Lorna Gold, Geschäftsführerin der Laudato-si’-Bewegung, weitere Unterstützung für lokale Gemeinschaften und ökologische Gerechtigkeit an. Die Bewegung wolle dazu beitragen, das Engagement dauerhaft in kirchlichen Institutionen zu verankern. Gold formulierte zugleich eine Forderung an die Kirche: „Der Klimanotstand wird nicht darauf warten, dass unsere Institutionen sich bereit fühlen, den Wandel anzunehmen.“ Die vergangenen fünf Jahre hätten gezeigt, dass die Kirche bereit sei, eine Antwort zu geben. „Die nächsten fünf Jahre müssen zeigen, was die Kirche bereit ist zu verändern.“
vatican news – gs, 4. November 2026
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