Parolin zur Papstreise: „Zeugnis der Einheit“


Vor dem Auftakt der sechsten internationalen Reise von Papst Leo XIV., die ihn vom 6. bis 17. November 2026 nach Uruguay, Argentinien und Peru führt, hat Kardinalstaatssekretär Pietro Parolin gegenüber den vatikanischen Medien die Zielsetzungen der Visite dargelegt

Quelle
Uruguay: „Der Papst kann neue Fenster für die Jugend öffnen“ – Vatican News
Live bei uns: Papst Leo XIV. in Uruguay, Argentinien und Peru – Vatican News



Massimiliano Menichetti – Vatikanstadt

Die Reise verbinde die Verkündigung des Evangeliums mit der Zuwendung zu Jugendlichen, sozial benachteiligten Bevölkerungsgruppen und den indigenen Völkern des Amazonagebiets. In einem von gesellschaftlichen Polarisierungen geprägten Umfeld stehe die Förderung von Einheit, Versöhnung und gesellschaftlicher Konkordie im Mittelpunkt.

Für das Oberhaupt der katholischen Kirche besitzt der Besuch insbesondere in Peru eine starke persönliche Komponente, da er dort vor seiner Wahl zum Bischof von Rom als Bischof von Chiclayo wirkte. Die Rückkehr an die früheren Wirkungsstätten sei von Dankbarkeit und der Erneuerung der kirchlichen Gemeinschaft geprägt. Die Vertrautheit des Papstes mit den kulturellen und spirituellen Realitäten Südamerikas bilde zudem eine tragfähige Grundlage für den Austausch mit den zivilen Gesellschaften der Aufnahmeländer, so Parolin.

Glaube als ein Angebot der Hoffnung

Der Auftakt der Reise erfolgt in Uruguay, einem der am stärksten säkularisierten Staaten Lateinamerikas. Die gesellschaftliche Entwicklung ändert nach Einschätzung des Kardinalstaatssekretärs nichts am Auftrag der Kirche, den christlichen Glauben als Angebot der Hoffnung zu vermitteln. Es gehe nicht um das Zurückfordern früherer gesellschaftlicher Machtstellungen, sondern um eine freie Offerte an eine Gesellschaft, die trotz historischer Vielfalt von sozialen Belastungen für Familien und junge Menschen geprägt sei. Der päpstliche Besuch solle der zahlenmäßig kleinen, aber aktiven lokalen Kirche den Rücken stärken und ihren täglichen Einsatz würdigen.

Die zweite Etappe führt nach Argentinien, in die Heimat von Papst Franziskus. Der Besuch versteht sich auch als Würdigung des verstorbenen Vorgängers, dem eine Reise in sein Heimatland während seines Pontifikats verwehrt blieb. Vor dem Hintergrund ökonomischer Krisen und gesellschaftlicher Spannungen beabsichtige der Papst keine technischen Lösungen vorzulegen, sondern den Dialog zu suchen und die Bemühungen um soziale Gerechtigkeit zu unterstützen, führte Parolin aus. Das historische Erbe Argentiniens mahne daran, dass die Stärke eines Volkes auf gegenseitigem Zuhören, dem Schutz der Schwächsten und gemeinsamer Verantwortung beruhe.

Amazonas und Umwelt

In Peru steht neben der Hauptstadt Lima ein Besuch in Pucallpa im peruanischen Amazonasgebiet auf dem Programm. Das Treffen mit Missionaren und Vertretern indigenen Völker knüpft an die Ergebnisse der Amazonassynode sowie an Franziskus Enzyklika Laudato si‘ an. Der Schutz der Umwelt sei untrennbar mit der Verteidigung der Menschenwürde und den Existenzbedingungen der lokalen Gemeinschaften verbunden. Es bedürfe eines Umdenkens bei den wirtschaftlichen Entwicklungs- und Produktionsmodellen, die nicht rein auf Gewinn und Konsum ausgerichtet sein dürften, sondern die Rechte und das Wissen der indigenen Bevölkerung achten müssten.

Trotz geografischer und ökonomischer Unterschiede verbinden die drei Zielgesellschaften eine gemeinsame Sprache und tiefe katholische Wurzeln, die Werte wie den familiären Zusammenhalt, Gastfreundschaft und Gemeinschaftsgeist geprägt haben. Parolins Erwartungen an den Papstbesuch richten sich auf Impulse zur Überwindung von Krisen, die Bewahrung des Umwelt- und Sozialgefüges sowie die seelsorgliche Ermutigung in Regionen mit großem Priestermangel und weiten Distanzen.

Ungerechtigkeit und gesellschaftliche Ausgrenzung

Ein zentrales Element des kirchlichen Wirkens in Lateinamerika bleibt der Einsatz von Seelsorgern und Laien an der Seite der Armen, oft unter erheblichen persönlichen Risiken. Dieser Dienst sei entscheidend, um das Gesicht einer Kirche zu zeigen, die die Sorgen der Notleidenden teile und sich nicht mit Ungerechtigkeit oder einer gesellschaftlichen Ausgrenzung abfinde.

Den Herausforderungen der jüngeren Generation – wie prekären Arbeitsverhältnissen, Zukunftsängsten und der Instabilität von Familienstrukturen – begegne die Kirche mit dem Angebot der christlichen Botschaft. Das Ziel bestehe darin, jungen Menschen Orientierung zu geben und sie zur aktiven Mitgestaltung der Gesellschaft zu ermutigen, betonte der engste Mitarbeiter von Papst Leo.

Hinsichtlich des Verhältnisses zwischen Kirche und Staat gelte das Prinzip des Zweiten Vatikanischen Konzils, wonach beide Seiten in ihren jeweiligen Bereichen unabhängig und autonom seien, jedoch gemeinsam dem Wohl der Menschen dienen. Das Ausmaß dieser Zusammenarbeit reiche von der strikten staatlichen Laizität in Uruguay bis zu bestehenden Staatskirchenverträgen in Argentinien und Peru. Die Kirche bleibe dabei gefordert, ihre kritische Stimme bei Verletzungen der Menschenwürde zu wahren und die Ausrichtung des öffentlichen Handels auf das Gemeinwohl einzufordern.

Die Vatikandiplomatie verbindet nach Parolins Worten mit dem Besuch die Hoffnung, dass die kirchlichen Gemeinschaften vor Ort als gesellschaftliche Bindeglieder wirken und zur Überwindung von Gegensätzen beitragen können.

vatican news – mg, 5. November 2026

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